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Das jüdische Echo · 1930-01-17 · 3 (17.1.1930) · p. Seite 33

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
3 (17.1.1930)
Date
1930-01-17
Page
Seite 33 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 33 band Deutschland, eröffnet. Nach einer Begrüßung durch den Vorsitzenden S. Adler-Rudel hielt Dr. Oskar Gohn eine feierliche Ansprache an den anwesenden sozialistischen Denker und Führer Eduard Bernstein, der in diesen sein achtzigstes Lebensjahr vollendete und dessen Erscheinen allen eine Anfeuerung und Ermutigung ist. Eduard Bernstein dankte bewegt und gab einen Rückblick auf seinen Lebensweg, der noch in die Lasalle-Periode zurückführt. Es folgte ein Referat des Leiters des Verbandsbüros Anselm Reiß über Ziele und Arbeit der Poale-Zion-Bewegung und ein sehr aufschlußreicher Vortrag des Führers der palästinensischen Arbeiterschaft Berl Katzenelson über die Lage des Jüdischen Nationalheims und die Politik und die Arbeit der organisierten jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. Die Vormittagssitzung vom Sonntag wurde mit der Debatte zum Bericht des Zentralkomitees eingeleitet, der von der Konferenz zur Kenntnis genommen wurde. Dr. Oskar Cohn referierte über Gemeindepolitik. Im Verlauf der Sitzung erschien Professor Brodetsky, Mitglied der Zion-Exekutive, und begrüßte die Konferenz, wobei er sein besonderes Interesse für die Frage der Poale Zion bekundete, da auch er als Sozialdemokrat an einer Klärung der auf der Konferenz zur Behandlung stehenden Fragen ein lebhaftes Interesse habe. In der Nachmittagssitzung fänd die Palästina-Debatte statt, an der sich Fritz Naphtali (als Gast), Anselm Reis und Berl Katzenelson beteiligten. Es ging im wesentlichen um die Einstellung zu den Ereignissen in Palästina, sowie um die Stellung der Arbeiterschaft zum Araberproblem. Anschließend wurde die Frage der organisatorischen Beziehung der Poale Zion zur Zionistischen Vereinigung für Deutschland behandelt, die in einer befriedigenden Weise gelöst werden konnte. Die Konferenz schloß gegen 12 Uhr nachts. In das Zentralkomitee wurden gewählt S. Adler-Rudel, Dr. Georg Lubinski, Dr. Hans Cohn, Dr. Potschter, Joseph Wahl, Dr. Kaleko, Ernst Bloch, Lifschütz, Tschertok. Hus der jüdischen Gemeinde Berlin Prinzipielle Auseinandersetzung über Abwehr Berlin, 10. Januar. (JTA.) In der Repräsentantensitzung der Jüdischen Gemeinde Berlin am Donnerstag, dem 9. Januar, abends, der ersten Sitzung nach Neujahr, wurde zunächst das bisherige Büro wiedergewählt. (Vorsitzender: Geheimrat Dr. Julius Stern, Stellvertreter: Dr. Klee und Prof. Loewe, Schriftführer: Dr. Rau und Frau Wagner-Tauber). Die Liberalen üben Stimmenthaltung als Protest gegen die Nichtanerkennung ihres Anspruchs auf den Vorsitz (die Liberalen bilden die größte Fraktion) durch die Mehrheit. Die in der letzten Sitzung wiedergewählten Gemeindeältesten werden durch den Vorsitzenden neu verpflichtet, nachdem dieser ihnen für ihre bisherige opfer- und erfolgreiche Arbeit gedankt hat. Den größten Raum nimmt die Beratung eines Antrages von Dr. Fleischer (lib.) ein, der vom Gemeindevorstand die Benutzung der religiösen, sozialen und historischen Bestrebungen dienenden Gemeindeinstitutionen zu Abwehrzwecken verlangt. Trotz aller Abwehrmaßnahmen schreitet — so führt der Antragsteller aus — die Entfremdung der Juden gegenüber der Umwelt fort, und die abenteuerlichsten Vorstellungen von Juden und jüdischer Lehre greifen Platz. Leistet der Central- Verein die politische und Rechtsschutzarbeit, so muß die Gemeinde als öffentlich-rechtliche Körperschaft durch Aufzeigung jüdischer Leistung in ihren Institutionen (Wohlfahrtsanstalten, Synagogen, Friedhöfe, Bibliothek und Kunstsammlung u. a. tn.) der religiösen Abwehr dienen. Redakteur Waldmann (Volkspartei) begrüßt die Ausweitung der Gemeindearbeit gerade auf Initiative eines Liberalen. Die beste Abwehr sei jüdische Leistung in der Welt, vor allem jetzt der Palästina- Aufbau. Er gebe dem Judentum die Achtung der Besten in der Welt, vor allem seine Selbstachtung wieder. — Goslar (Volksp.) und Rosenthal (lib.) verweisen auf die Gefahren der antireligiösen Kommunistenpropaganda unter der jüdischen Jugend. Sie fordern eine „Jüdische Aktion“ nach dem Muster der katholischen. Trotz dankenswerter Arbeit des Central-Vereins geschehe auch in der reinen Abwehrarbeit noch zu wenig angesichts der auch in sonst vorurteilslose Kreise dringenden Verleumdungskampagne, vor allem gegen die Sittenlehre des Judentums (Meineidslüge, Ritualmord, Geheimlehre usw.). Dr. Klee sieht in der „Abwehrarbeit“ im alten Sinne nur eine „dura necessitas“: Unsere Abwehr bedeute: den Maßstab jüdischer Lehre an die Ereignisse und Fragen des Lebens zu legen. Nicht Abwehr, sondern Beeinflussung des Weltgeschehens. R.-A. Stern (lib.) stellt fest, daß heute auch der Zionismus die „Sendung des Judentums“ in der Galuth im ethischen Sinne bejahe. Es gilt zu erkennen, daß das rein Kultische der heutigen Jugend kaum noch Kampfobjekt und Zentrum ist, und daß der Moderne gegenüber der volle Dreiklang Tauroh-Mwaudoh-Gemilus Chassodim“ wieder herauszustellen sei. Gegenüber einer Bemerkung von Waldmann betont Dr. Fleischer im Schlußwort, er habe bei den Auseinandersetzungen über „Habimah“ nur deren Ausnutzung zu Parteizwecken gerügt. Ihre Leistung stehe, wie jeder künstlerisch empfängliche Mensch bekenne, auf achtunggebietender Höhe und gehöre zu den positiven Leistungen, die der Abwehrarbeit im besten Sinne dienen. Er fordert nochmals die Auswertung der heute gegebenen Anregungen, die im wesentlichen eine erfreuliche allseitige Übereinstimmung ergeben hätten, in der praktischen Arbeit. Der Gemeindevorstand kann sich heute noch nicht zu dem Anträge erklären. Dieser wird einstimmig angenommen. Das Haus stimmt einem Anträge Falkenbergs (lib.) auf Einrichtung von Kursen für junge jüdische Mütter zwecks Einführung in die jüdische ^yUitorüiertc fü&ftaußücfU’ SCHRAMM ZMü n cr/zeAjB^M Rosenstraße 5

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