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Das jüdische Echo · 1930-01-17 · 3 (17.1.1930) · p. Seite 32

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
3 (17.1.1930)
Date
1930-01-17
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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32 Das Jüdische Echo Nr. 3 den, sondern es wird auch für den ganzen mittleren Osten tief einschneidend sein, es wird sein Echo in der ganzen westlichen Welt finden. Die Treue, faire Handlungsweise und die staatsmännische Weisheit der Regierung in diesem kritischen Augenblick sind in der Tat ein „Hauptinteresse“ für das britische Reich. Am 23. Dezember richtete Sir Archibald Sinclair im Unterhaus die folgende Frage an den Premierminister: „Ist geplant, eine Kommission einzusetzen, die Fragen höherer Politik im Zusammenhang mit der künftigen Verwaltung des Palästina- Mandates zu untersuchen hätte, und zwar Fragen, die außerhalb des Aufgabenkreises der Shaw- Kommission liegen?“ Auf diese Frage antwortete MacDonald: „Ich habe zur Kenntnis genommen, daß dieser Vorschlag in einem von einflußreichen Persönlichkeiten Unterzeichneten Schreiben gemacht worden ist; schon die Wichtigkeit der unterschriebenen Namen heischt von meiner Seite sorgfältige Aufmerksamkeit. Bevor ich aber einen Entschluß fasse, müssen Überlegungen von Gewicht sorgfältigst abgewogen werden. Das Thema liegt klarerweise außerhalb des Aufgabenkreises der Shaw-Kommission und kann nicht zu einem Bestandteil ihres Berichtes gemacht werden.“ Der Premierminister hat durch diese Antwort klar kundgetan, daß er sich der Bedeutung jener „größeren Fragen von Politik und Verwaltung“, die über die Befugnisse der Shaw-Kommission hinausgehen, und getrennt von deren Bericht gehalten werden müssen, durchaus bewußt ist. Es könne natürlicherweise nicht erwartet werden, daß er sich schon jetzt auf eine definitiv vorgezeichnete Aktionslinie festlegt, aber es ist von erster Bedeutung, daß es schon in diesem frühen Datum klar gemacht wird, daß die einschneidenderen und größeren Streitfragen unzweifelhaft mit der Tätigkeit der Shaw-Kommission nicht verquickt werden. Diese Erklärung beruhigt; denn sie schafft einen klaren Standpunkt, von dem aus ein unvoreingenommener und leidenschaftsloser Überblick über die ganze Lage gewonnen werden kann. Wird aber ein solcher Überblick gewonnen, dann werden die verschiedenen Faktoren dieses Problems in ihrer wahren Perspektive gesehen, unsere Verpflichtungen und unsere Fürsorge für das uns Anvertraute werden in ihrer vollen Bedeutung verstanden werden. Der Weg, der jetzt noch im Dunkeln liegt, wird dann im Licht sein; ein Weg, der, so schwierig er sein mag, doch zum Enderfolg führen wird. Poale Zion und deutscher Zionismus Berlin, 5. Januar. (JTA.) Zu der in Deutschland im Zusammenhang mit den Ereignissen in Palästina geführten Diskussion über Ziele und Wege zionistischer Politik erläßt das Zentralkomitee der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion in Deutschland eine Erklärung, in der es u. a. heißt: Die jüdische Arbeiterschaft, welche Jahre hindurch in deutschen Zionisten ihre Verbündeten sah, verfolgt mit Unruhe und Besorgnis die Entwicklung, die der deutsche Zionismus in den letzten Jahren genommen hat. Zuerst kam in einem Augenblick schwerster Depression unserer jungen Wirtschaften in Erez Israel die radikale Abkehr des deutschen Zionismus von den sozialwirtschaftlichen Bestrebungen der jüdischen Arbeiterschaft. Der Preisgabe der schöpferischen Schicht des Zionismus folgt nun ein Umschwung in der zionistischen Zielsetzung, der in sich außerordentliche Gefahren für die Schlagkraft der zionistischen Bewegung birgt. Die deutsche zionistische Presse schreckt nicht davor zurück, vieles über Bord zu werfen, was den Zionismus zu einem mächtigen Faktor im jüdischen Leben gemacht hat. Die ganze historisch-bedingte Kompliziertheit unserer Politik in Erez Israel sucht man einem falsch verstandenen Pazifismus anzupassen. In diesem Augenblick erachtet es die zionistisch-sozialistische Bewegung als ihre Pflicht, zu erklären, daß ihr Ziel nicht irgendein Gebilde in Palästina ist, das der Befriedigung der kulturellen Bedürfnisse einer dünnen Schicht von Intellektuellen dienen soll, sondern die jüdische Massenansiedlung in Erez Israel, die allein imstande ist, die jüdischen Massen von dem unerträglichen Druck ihrer unnormalen Situation zu befreien. In schwerem Kampfe und unter großen Opfern, heißt es in der Erklärung weiter, brachte die jüdische Kolonisation neues Leben in das verwüstete Land. Die arabische Bevölkerung profitierte in einem sehr hohen Maße von dem Aufbauwerke des Zionismus.... Es ist unsere Tragödie, daß die in Unwissenheit und tiefster Unkultur lebende arabische Masse unsere Vergangenheit und unser wahres Streben nicht kennt. Diesen Umstand machte sich ein Häuflein arabischer Feudalen, die ihre Herrschaft über das Volk bedroht sah, zunutze, um durch lügnerische religiöse Propaganda blutige Unruhen zu entfesseln. Anstatt nun dieses verbrecherische Treiben einer Clique von Ausbeutern aufzudecken, umgibt sie das Organ des deutschen Zionismus mit jener Glorie, mit der die fortschrittliche Welt mit Recht die Freiheitsbewegungen kolonialer Völker umgibt. Ungewollt wird somit den Interessen der arabischen Reaktion gedient, denn wir haben es in Palästina nicht mit einer Erhebung gegen die koloniale Unterdrückung zu tun, sondern mit einer Auflehnung der dunkelsten Kräfte des Landes. Gegen eine Bewegung, die dem Lande moderne wirtschaftliche Entwicklung bringt und so die letzten Reste der Feudalherrschaft hinwegzufegen droht. Es gibt keinen Widerspruch zwischen den Lebensinteressen des arabischen Volkes und unserer Kolonisation. Die jüdische Arbeiterschaft Palästinas unternimmt alles, was in ihren Kräften steht, um den arabischen Massen die wahren Absichten und Motive ihrer Führer, denen sie heute noch folgen, aufzuzeichnen. Der jüdische Arbeiter in Stadt und Land sucht überall Verbindung mit seinen arabischen Klassengenossen. Der gefährliche Kurs des offiziellen Zionismus in Deutschland, heißt es zum Schluß der Erklärung, gibt dem Revisionismus, dieser auf allen Gebieten zionistischer Arbeit reaktionären Bewegung, die Möglichkeit, als Hüter der großen zionistischen Traditionen aufzutreten. Aufgabe der Weltorganisation ist es, der Welt den wahren Charakter der arabischen „Nationalbewegung“ zu zeigen. Aufgaben der Bewegung sind es, die schöpferischen Kräfte des jüdischen Volkes erneut zu mobilisieren und an dem großen Werke in Erez Israel weiterzubauen. Landesverbandstagung der Poale Zion in Deutschland Berlin, 6. Januar. (JTA.) Am Sonnabend, dem 4. Januar, abends, wurde in den Sophiensälen zu Berlin die Delegiertentagung der jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion, Landesver-

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