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Das jüdische Echo · 1930-01-17 · 3 (17.1.1930) · p. Seite 31

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
3 (17.1.1930)
Date
1930-01-17
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 5_ 17. Januar 17. Jahrgang Gegenwart und Zukunft Palästinas Von Sir Robert W. Hamilton Sir Robert William Hamilton ist liberales Parlamentsmitglied für Orkney und Shetland, die er seit 1922 vertritt. Bevor er sich, 1920, aus dem Zivildienst zurückzog, hatte er hohe administrative Stellen im Dominion-Dienst bekleidet. 1918 war er Vorsitzender der Civil Service Commission. Es dürfte von Interesse sein, zu zeigen, wie sich die „Palästinafrage“ einem britischen Parlamentsmitglied darstellt, das nicht Jude ist, aber dennoch wünscht, daß die Regierung seines Landes — während sie gegenüber allen Teilen der palästinensischen Gemeinschaft fair handelt — den Juden die Treue bewahrt. In erster Reihe gilt es, die Tatsachen zu erkunden; in zweiter Reihe, diese Tatsachen unter Beiseitestellung aller günstigen und ungünstigen Vorurteile gegen wen immer richtig abzuschätzen. Die große Schwierigkeit besteht zunächst in der Erkundung der Tatsachen. Wie sollte man eine klare und zusammenhängende Geschichte der Ereignisse in Palästina seit der Balfour-Deklaration bekommen? Zur Zeit, als diese Deklaration gegeben wurde, feuerte die Idee, die ihr zugrunde lag, die Einbildungskraft an; als aber das erste Feuer erkaltete, und man an die praktische Durchführung schritt, stellten sich Schwierigkeiten in den Weg. Eine aus vielen Ursprungsländern strömende jüdische Immigrationsbevölkerung nach Palästina zu bringen, aus dem eben die türkischen Machthaber vertrieben wurden, und die Fundamente zu einem neuen Staate unter den durch das Mandat geschaffenen Bedingungen zu legen, war eine Aufgabe, die die Regierungskunst in höchster Potenz erforderte. Fehlte es da an irgendeiner Stelle an Einsicht, Voraussicht, Geduld oder Wachsamkeit? Wurde Ordnung gehalten, wie sie gehalten werden mußte? Verstand man es, die Balance zwischen zwei voneinander verschiedenen Völkern zu halten? Wie ist die Bodenfrage behandelt worden? Ist es so, daß die neuen Einwanderer die Ureinwohner vertreiben, und wenn ja, auf Grund welcher Bedingungen oder Bestimmungen? Welcher Boden ist dort durch verbesserte Methoden der Landwirtschaft zu erschließen und welche Bevölkerung wird ihn erschließen? Leidet die eingeborene Bevölkerung durch die jüdische Einwanderung oder zieht sie Nutzen aus ihr? Hat die Administration gegenüber Juden wie Arabern die gleiche Haltung eingenommen, oder hat sie die eine Partei zum Schaden der anderen begünstigt? Entsprechen die eingewanderten Juden den in sie gesetzten Erwartungen? Das alles sind Fragen, die beantwortet werden müssen, bevor der richtige Kurs festgesetzt werden kann. Wir müssen — bevor wir uns ein Urteil über die Zukunft bilden — wissen, worin die Politik in der Vergangenheit versagt hat, und wieweit sie von Erfolg gekrönt war. Offen und vor aller Welt haben wir unser Wort als Nation verpfändet; über ein so gegebenes Versprechen kann man nicht leichthin hinweggehen. Vor uns erhebt sich das Problem: wie können wir das Versprechen anständig erfüllen, ohne irgendeiner Person oder Gemeinschaft von Personen Schaden zuzufügen? Die Ereignisse des August 1929 erschütterten alle diejenigen, die — obwohl sie mit Strömungen und Gegenströmungen in der palästinensischen Politik rechneten — sich nicht vorstellen konnten, daß das Rassengefühl sich so erhitzen könnte, daß es jede Schranke durchbrechen und sich in schwerem Blutvergießen austoben würde. Der Ernst dieses Ausbruchs der Leidenschaften hat die Wirkung gehabt, daß die maßgebenden Faktoren nun ihre Aufmerksamkeit auf die Lage konzentrieren; wenn wenigstens jetzt die Sache richtig in die Hand genommen wird, besteht Grund zu der Hoffnung auf ein Vorwärtskommen; dagegen kann jede kurzsichtige Politik zu Konsequenzen führen, die nicht wieder gutzumachen sind. Es ist ebenso schwer wie unerwünscht, jetzt frei über die jüngsten Ereignisse zu sprechen, wo die Shaw-Kommission ihren Bericht noch nicht unterbreitet hat. Obwohl die Aufgabe der Kommission auf die Erkundung der unmittelbaren Ursachen des Ausbruchs beschränkt worden war, war es — wegen des besonderen Charakters dieser Untersuchung — für die Mitglieder der Kommission sehr schwer, sich streng innerhalb ihres Aufgabenkreises zu halten. Es entsteht die Gefahr, daß der Bericht — was immer er enthalten mag —, wenn er isoliert veröffentlicht wird, den Eindruck erwecken könnte, daß er Anfang und Ende der gesamten Untersuchungstätigkeit der Regierung ist. Ein solcher Eindruck muß vermieden werden. Der in den „Times“ vom 29. Dezember erschienene sehr willkommene und zeitgemäße Brief von Lord Balfour, General Smuts und Loyd George gibt eine so klare Definition der Lage, daß ich es mir nicht versagen kann, die folgenden Stellen aus demselben wörtlich zu zitieren: „Die gegenwärtig in Palästina weilende Kommission wurde mit der beschränkten Aufgabe betraut, spezifische Angelegenheiten in Untersuchung zu ziehen. Diese Kommission muß unserer Ansicht nach, sobald sie ihren Bericht erstattet haben wird, durch eine eindringliche Untersuchung der größeren Fragen von Politik und Verwaltung ergänzt werden.“ Die „Times“ schrieb in dem diesen Brief begleitenden Kommentar: „Der Erfolg des Palästina-Mandats ist ein Hauptinteresse des britischen Reiches.“ Eine Untersuchung dieser „größeren Fragen der Politik“ müssen wir durchgeführt haben, bevor wir die Grundlinien für die zukünftige Aktion an gemessen und richtig legen; denn das, was wir in Palästina tun, wie überhaupt das Maß unseres Erfolges bei der Durchführung des Mandates, wird nicht allein über die Zukunft Palästinas entschei-

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