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Das jüdische Echo · 1930-01-10 · 2 (10.1.1930) · p. Seite 23

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
2 (10.1.1930)
Date
1930-01-10
Page
Seite 23 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 23 gegen Heller unbegründet gewesen seien und er sie mit dem Ausdruck des Bedauerns zurücknehme. Außerdem verpflichtete sich Gengier, die Kosten zu übernehmen. Allerdings nur auf dem Papier. Da die Kosten von Gengier entgegen der Abmachung nicht beglichen wurden, kam es vor dem Strafgericht, Abteilung Justizpalast, zu einer neuen Verhandlung. Hier führten Gengier und sein Verteidiger, Rechtsanwalt Frank II, ein für ihre Persönlichkeit recht bezeichnendes Theater auf. Gengier suchte sich als Opfer einer politischen Justiz hinzustellen. In Wirklichkeit war es nur die Wut, weil das Gericht zwei Verschleppungsanträge als unerheblich ablehnte. Frank II verließ mit hochrotem Köpfchen zum Protest den Saal. Nach einigen Ausfällen gegen Juden und Gericht, die der Vorsitzende wiederholt zurückwies, folgte Gengier seinem Anwalt. Der Vertreter Dr. Hellers, Rechtsanwalt Levinger, charakterisierte die ganze Komödie als Rückzugsmanöver und beantragte, die Berufung des Angeklagten zu verwerfen. Das Gericht entsprach diesem Antrag. Genglers Berufung wurde verworfen. k. Abschluß der Untersuchung Jerusalem, 28. Dezember. (JTA.) Am 24. Dezember faßte Sir Frank Boyd Merriman, der Hauptanwalt für die Jewish Agency, den jüdischen Standpunkt vor der Kommission in ausführlicher Rede zusammen. Nachdem er siebeneinhalb Stunden gesprochen hatte, unterbrach er seine Rede um 6.30 Uhr abends. Während seiner Rede wurde er vom liberalen Mitglied der Kommission, Hopkins-Morris und vom Vorsitzenden, Sir Walter Shaw, mehrfach unterbrochen, als er — wie angekündigt —■ in scharfen Worten die Vertretung des Regierungsstandpunktes durch den Anwalt der Regierung, Kenelm Preedy, angriff, so daß Sir Boyd seine Rede schließlich vorzeitig abbrach. Es war die längste der bisherigen Sitzungen der Untersuchungskommission, obgleich es Heiliger Abend war. Der Zwischenfall, der von Hopkins- Morris’ Unterbrechung Sir Boyds seinen Ausgang nahm, hat auf die öffentliche Meinung einen außerordentlich peinlichen Eindruck gemacht. Man weist darauf hin, daß Sir Boyd sich mit der Haltung der Regierung vor den Unruhen, während ihrer Dauer und nachher beschäftigt habe, und daß es daher durchaus angebracht war, auch die Haltung der Regierungsanwälte in Frage zu stellen, da offenbar sowohl der Hauptanwalt als auch der zweite Anwalt Drayton nach Instruktionen der Regierung vorgegangen sind. Die Verhandlungen werden nun schnell zu Ende geführt. Nach den Resümees der Anwälte der Arabischen Exekutive und der Regierung erfolgt am Sonnabend noch die nichtöffentliche Einvernahme von Dr. Ruppin. Sir Boyd Merriman und Viscount Erleigh begeben sich schon Freitag über Alexandrien nach London, wo sie am Dienstag erwartet werden. Die Mitglieder der Kommission verlassen am Sonntag morgen Palästina und begeben sich über Port Said nach London. Auch Harry Sacher verläßt am 5. Januar Palästina, um mit dem Präsidenten der Jewish Agency zusammenzutreffen. In den letzten Tagen sagten in nichtöffentlicher Verhandlung vor der Kommission die Leiter verschiedener Verwaltungsdepartements Davis, Hyamson, Abramson und der Präsident des Bodengerichts, Stubbs, aus. Die Beschuldigungen gegen die Regierung faßte Sir Boyd in den folgenden fünf Punkten zusammen: 1. Man hat es unterlassen, sich mit der Aufhetzung durch die Presse zu beschäftigen, die im Januar begann, als die Zeitungen einen Heiligen Krieg wegen der Klagemauer propagierten. 2. Man hat es unterlassen, m einer Regierungserklärung die Behauptung zurückzuweisen, daß die Juden Angriffe auf islamische Heiligtümer beabsichtigen. 3. Durch die Bewilligung der Tischa-b’Aw- Demonstration an der Klagemauer hat die Regierung die Verantwortung für diese Demonstration auf sich genommen. Auf die Darlegung dieses Punktes verwandte Sir Boyd mehr als eine Stunde. Durch die Bewilligung der Demonstration, so führte er aus, war diese der Kompetenz der Zionistischen Exekutive entzogen und wurde im Gegensatz zu der von den arabischen Anwälten vertretenen Darstellung eine Angelegenheit zwischen der Regierung und den jungen Menschen, die die Demonstration bildeten. 4. Den übereinstimmenden Warnungen der jüdischen Repräsentanten an allen Orten des Landes wurde zu wenig Beachtung geschenkt, als alle Berichte einschließlich der hebräischen Presse in der Befürchtung einig waren, daß am Freitag grauenvolle Dinge geschehen würden. (Bei der Erwähnung der Zeitung „Dawar“ in diesem Zusammenhang fragte Sir Walter Shaw, ob das eine jüdische Zeitung sei.) 5. Unter Mißachtung der Warnungen hat die Regierung keine Verstärkungen herangeholt, keinen angemessenen Gebrauch von den verfügbaren Schutzkräften gemacht und ließ das Feuer auf die Angreifer in Jerusalem nicht eröffnen. In Jaffa und Nablus, wo die Truppen feuerten, breiteten sich die Unruhen nicht aus. Der Aufbau des Zerstörten Von Helene H a n na Thon Wohl lebt man in Palästina in Spannung und Ungewißheit über die Gestaltung der politischen Lage. Dabei ist es bemerkenswert, daß trotz der schweren und unklaren Situation der jüdischen Palästinasiedlung der Wille zu ihrer Fortsetzung keine Verminderung, sondern eine erhebliche Stärkung erfahren hat. Es ist gerade in diesen Wochen das Verständnis dafür gewachsen, daß der Aufbau in schnellerer und kraftvollerer Weise als bisher vor sich gehen muß, damit die Sicherheit erhöht wird und das Anrecht der Juden auf den Boden, den sie entwässern, entfiebern, entsteinen und aus einer Wüste in blühendes Land verwandeln, gar nicht mehr in Frage gezogen werden kann, sondern als eine vollzogene Tatsache angesehen werden muß. Fine Fülle von Plänen zur Intensivierung und Sicherung der Siedlung in verschiedenen Teilen des Landes liegt der Zionistischen Organisation zur Prüfung vor. Ein Teil dieser Pläne bezieht sich auf die Erschließung des Gebietes in und um Jerusalem, das sich bei den Augustüberfällen als besonders gefährdet erwiesen hat. Das Wertvollste und Erfreulichste an allen diesen Plänen ist, daß sie nicht etwa auf bestimmten Budgets aus dem Auslande aufgebaut sind, sondern den Mut, den ungebrochenen Arbeitswillen und die persönliche Opferkraft der einzelnen Siedler als unerläßliche Faktoren, mit in Rechnung stellen. Bei den Augustüberfällen hat es sich gezeigt, daß gewisse Fehler in der Verteilung der jüdischen Stadtviertel von Jerusalem, auf die wiederholt bingewie-

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