Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 2 (10.1.1930)
- Date
- 1930-01-10
- Page
- Seite 24 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Das Jüdische Echo Nr. 2 sen worden war, unter gewissen Umständen sehr bedenkliche Folgen haben können. In den letzten Jahren sind bekanntlich nach Westen und Süden hin am Weichbilde der Stadt eine Reihe von jüdischen Siedlungen entstanden: Talpioth, Makor Chajim, Rechavjah, Bait we Gan, Montefiore, Beth Hakeren. Diese Viertel wurden errichtet, weil es an Wohnungen überhaupt fehlte und besonders an solchen, die europäischen Lebensformen entsprachen. Es wäre wohl logisch gewesen, an irgendeinem Punkte ein großes Gebiet zu erwerben und hier eine geschlossene jüdische Siedlung, etwa im Charakter von Tel- Awiw anzulegen. Aus verschiedenen Gründen, teilweise weil es schwierig war, ein so großes zusammenhängendes Gebiet zu erwerben, teilweise weil die Mannigfaltigkeit des Landschaftsbildes einzelne Gruppen von Leuten dazu verführte, sich diesen oder jenen besonders schon gelegenen Punkt auszusuchen — begann man an den verschiedenen, ziemlich weit auseinander gelegenen Punkten gleichzeitig Wohnkolonien anzulegen. Als Folge dieses Vorgehens blieben die einzelnen Wohnkolonien klein, unverbunden und durch weite Brachfelder oder arabische Viertel voneinander getrennt. Das erschwerte lange Zeit, besonders als der Auto-Oinnibusverkehr noch nicht funktionierte, die Berührung der verschiedenen Wohnviertel untereinander und mit der Stadt in hohem Maße und wurde im Augenblick der Überfälle zu einer ernstlichen Gefahr. Ist es in den meisten Vierteln möglich gewesen, die Gefahr im letzten Augenblick abzuwenden, so haben doch einige erhebliche Schäden erlitten; zum Beispiel im Falle des besonders stark angegriffenen Talpioth beträgt dieser 15—1800 £. Dieses Viertel war ursprünglich als eine geschlossene jüdische Siedlung für 2000 Häuser geplant, die sich um eine hochgelegene Synagoge und einen Park gruppieren sollten. Da aber das Interesse an diesem Plan versiegte und andere Wohnviertel diesem Konkurrenz machten, blieb es vorerst bei 72 Häusern und Baracken — zu wenig, um die verhältnismäßig weite Entfernung des Viertels von der Stadt zu rechtfertigen. So konnte es geschehen, daß die arabischen Angreifer nach der Zerstörung und Verbrennung der Baracken des G’dud Awodah sich auf dieses Viertel werfen und eine Reihe von Häusern ausplündern und anzünden konnten, ehe es der Selbstwehr und der Polizei gelang, sie zu vertreiben. Dieser Überfall, von dem das einst so schöne Haus des Architekten Kornberg und andere Häuser in ihrer Zerstörung zeugen, konnte eine doppelte Wirkung auf die Bewohner dse Viertels haben: er konnte sie von hier forttreiben oder sie veranlassen, mit aller Kraft und Energie nach Erweiterung und Sicherung des Viertels zu streben. Sie sind entschlossen, den letzteren Weg zu gehen. B. MARSTALLER kgl. Hofsattler / München Erzeugnisse unserer Großwerkstätten: Schiffskoffer / Schrankkoffer Autokoffer (D. R. Patent) Menageu. Toilettekoffer FEINE LEDERWAREN Fernruf Nr. 90939 Verkaufsräume Damenstiftstraße 16 Nach den Plänen, welche von der Kolonieleilung bald nach den Überfällen ausgearbeitet wurden, ist der Schritt zur Sicherung sowohl von Talpioth wie auch des G’dud Awodah, der selbstverständlich gleichfalls zur Rückkehr zu seinen zerstörten Wohnstätten strebt, der Ausbau einer 1200 Metfcr langen Verbindungsstraße, die einer ganzen Reihe von Arbeitern Beschäftigung geben würde. Der G’dud möchte seine Mitgliederzahl von 60 auf 100 erhöhen und zu seinem bisherigen Gebiet von 80 Dunam 70 weitere Dnnam hinzu erstehen. In Erweiterung dieser Siedlung und im unmittelbaren Anschluß an sie ist die Anlage einer Siedlung der Jerusalemer Arbeiterschaft gedacht. Auf diese Weise könnte eine enge Verbindung zwischen diesen Arbeilergruppen und Talpioth entstehen, die im Augenblick der Gefahr von höchster Bedeutung wäre. Dabei steht die Verwaltung von Talpioth selbst in Verhandlungen mit einer Gruppe von 25 Handwerkern, die bereit wären, sich kleine Häuser in Talpioth zu bauen, wenn sie — abgesehen von einigen Investierungen — hierzu gewisse Kredite und Darlehen erhallen können. Dieser Plan der Verbindung und Stärkung der vereinzelten Viertel erfährt noch von anderer Seite Unterstützung. In der Nähe von Talpioth, aber ganz getrennt von diesem und jedem andern jüdischen Wohnviertel liegt die eben erst in der Anlage begriffene Farm einer Jerusalemer Mädchengruppe. Mit fast unbegreiflicher Zähigkeit und Tapferkeit hat hier an einer wundervollen Stelle, in der die ganze einsame Großartigkeit der heroischen Landschaft sich erschließt, die Gruppe junger Mädchen ein beträchtliches Gebiet erworben und seit Monaten begonnen, den verkarsteten Boden, der — nachdem man einmal seine herbe Hülle durchbrochen hatte — sich von ungwöhnlicher Fruchtbarkeit erwies, mit Frucht- und Waldbäumen, mit Gemüsen und Blumen zu bestellen. Im Sommer dieses Jahres standen bereits ein kleines Haus, das sich später zum Wohnhaus der Ivwuzah erweitern sollte und zwei große steinerne Stallgebäude, in denen vorerst 8 Mädchen wohnten. Ein Bestand an 400 weißen Leghornhühnern brachte der Kwuzah bereits ihre ersten Einkünfte. Auch dieses Besitztum, von dem zum Glück die Gruppenleiterin am Morgen des 23. August ihre Mädchen noch abholcn konnte, wurde an dem verhängnisvollen Freitag teilweise zerstört: die Bäumchen und Gemüsepflanzen wurden ausgerissen, die Hühner und das Pferd gestohlen, die Ställe beschädigt und alle Habseligkeiten der Arbeiterinnen teils geraubt, teils vernichtet. Das geschah am 23. August. Am 3. September waren alle Mädchen wieder draußen bei der Arbeit auf dem abgelegenen Grundstück, mit dem ungebrochenen Willen, nicht nur ihre Arbeit fortzusetzen und das Zerstörte neu aufzubauen, sondern auch ihr Besitztum zu einem wichtigen Verbindungsstück in einer ununterbrochenen Kette jüdischer Besitztümer zu machen. Durch Vergrößerung des Grundstückes hoffen die Arbeiterinnen, ihr Gut auf der einen Seite unmittelbar an die geplante Arbeitersiedlung hinter Talpioth anstoßen zu lassen und es im Laufe der Zeit bis nach Makor Chaim hin zu erweitern, so daß sich hier ein ganzer Gürtel von teils landwirtschaftlichen, teils städtischen Siedlungen zu einer Einheit zusammenschließt. Das alles sind freilich Pläne, die nur dann durchgeführt werden können, wenn die Juden der Welt sich nicht ausschließlich auf den unüberwindlichen Mut der Palästinenser verlassen, sondern selbst zu