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Das jüdische Echo · 1930-01-10 · 2 (10.1.1930) · p. Seite 22

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
2 (10.1.1930)
Date
1930-01-10
Page
Seite 22 (sequence 8)
Language
German
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22 Das Jüdische Echo Nr. 2 Darstellung der kulturgeschichtlichen Entwicklung des Judentums; „Dor chacham“, kritischbiographische Skizzen über hervorragende jüdische Gelehrte des 19. Jahrhunderts; „Dor tahapuchot“, einen Beitrag zur Geschichte der Haskala in Deutschland im 18. Jahrhundert; „Da’at elohim“, eine Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie; „Toledot hareformazjon hadadit“, eine Geschichte der jüdischen Reformbewegung im 19. Jahrhundert; „Sefer hademaot“, eine Sammlung und Würdigung von Quellen über die Judenverfolgungen von 70 bis etwa 1785. Ferner faßte er seine Anschauungen über die Entstehung der Bibel im „Mawo safruti lekitwe hakodesch“ zusammen. Bernfeld hat auch viele Bücher in deutscher Sprache veröffentlicht, so u. a. „Juden und Judentum im 19. Jahrhundert“ (Breslau 1898), „Der Talmud, sein Wesen und seine Bedeutung“ (Berlin 1900), „Die Heilige Schrift für Schule und Haus“ (Berlin 1903), und „Kämpfende Geister im Judentum“ (Berlin 1907), enthaltend Biographien hervorragender Juden. Von dem Werke „Die jüdische Literatur“ liegt nur der erste Teil im Druck vor. In jüngster Zeit gibt er in Gemeinschaft mit Leo Baeck, Ismar Elbogen u. a. die Schriftenfolge „Die Lehren des Judentums“ heraus. Ungemein fruchtbar ist Bernfelds publizistische Tätigkeit; in den letzten vier Jahrzehnten hat er nahezu in sämtlichen hebräischen und deutsch-jüdischen Zeitungen und Zeitschriften zahlreiche Aufsäze über Politik und Zeitfragen, über kulturelle, literarische und wissenschaftliche Probleme veröffentlicht. Auch in der jiddischen Presse hat er zeitweilig das Wort ergriffen. Davis Trietsch 60 Jahre Berlin, 5. Januar. (JTA.) Am 4. Januar 1930 vollendete Davis Trietsch, der bekannte Politiker und Volkswirtschaftler, ein Pionier der modernen jüdischen Publizistik, sein 60. Lebensjahr. Geboren am 4. Januar 1870 in Dresden, in Berlin erzogen, kam er nach jahrelangen Reisen in Europa Mitte 1893 zum ersten Male nach Neuyork, wo er bis 1899 blieb. Dort sah er sich der großen jüdischen Wanderungsfrage gegenüber, für die ihm Neuyork und Amerika nicht die beste Lösung zu bieten schienen. Auf der Suche nach einer besseren Lösung verfiel er 1995 auf die Insel Zypern, ein Nachbarland Palästinas. Als zwei Jahre später die Zionistische Organisation entstand, vertrat er die Idee eines „größeren Palästina“, das außer dem damals der jüdischen Einwanderung verschlossenen türkischen Palästina die beiden englisch administrierten Nachbargebiete Zypern und El-Arisch (Sinai) umfassen und auf diese Weise dem Zionismus sofortige Arbeitsmöglichkeiten bieten sollte. So war Trietsch der erste, der eine englisch-jüdische Orient-Politik und -Kolonisation befürwortete. Er war Mitglied des ersten Baseler Kongresses und fast aller späteren Kongresse. Gegen Herzl trat er in Opposition, als dieser den •„Charter“ als Vorbedingung jeder kolonisatorischen und sogar jeder nur vorbereitenden Arbeit Cafe Wintergarten Franz Schnabel Vollständig renoviert (m. Parkettboden) neu eröffnet Nachmittags-Konzert / Abend Tanz Kapelle Jos£ Zangelas Zivile Preise / Kein Weinzwang / Kein Eintritt Tassen und Portionen Kaffee werden verabreicht I proklamierte. Er war auch ein Gegner des Uganda-Projektes. Er spezifizierte sich auf die Fragen Palästinas in der jüdischen Kolonisation, auf die Judenfrage im weitesten Sinne, sowie auf die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse der Orientländer. Er veröffentlichte das „Palästina-Handbuch“ (Neunte Auflage in mehreren Sprachen), „Jüdische Emigration und Kolonisation“, „Palästina-Wirtschafts-Atlas“, „Levante- Handbuch“ (3. Auflage), „Das russische Reich in Europa und Asien“, „Atlas der jüdischen Welt“, „Palästina und die Juden, Tatsachen und Ziffern“. Er war (1900 bis 1903) Mitbegründer der Zeitschrift „Ost und West“, des jüdischen Verlags u. a. m. Er begründete die Zeitschrift „Palästina“ und führte in seiner Wochenschrift „Volk und Land“ (1919) einen Kampf für rasche Einwanderung und Majoritätsbildung in Palästina. Prof. Juliusz Wolfsohn 50 Jahre Wien, 5. Januar. (JTA.) Am 7. Januar feierte Juliusz Wolfsohn, der hervorragende Pianist und berühmte Chopin-Interpret, seinen 50. Geburtstag. Prof. Wolfsohn ist in Warschau geboren und erhielt seine musikalische Ausbildung in Wien, wo er seither lebt. Die polnische Musikwelt räumt Prof. Wolfsohn einen Ehrenplatz ein, denn er hat die polnische Note in Chopins Musik wiederbelebt und durch seine meisterhafte Interpretation diese Musik in die Kultur- und Musikzentren mehrerer Weltteile hineingetragen. Auch um die jüdische Musik hat Wolfsohn große Verdienste, und zwar sowohl als Interpret als auch als Komponist und Propagator. In mehreren Kompositionen hat Wolfsohn sich bemüht, jüdisches Volkslied und jüdische Volksmelodien in allen ihren Erscheinungsformen in die Sphäre der Kunstmusik einzubeziehen. Er veranstaltet häufig Konzerte jüdischer Musik. Prof. Wolfsohn nimmt auch am öffentlichen jüdischen Leben Anteil und steht der zionistischen Bewegung nahe. Helden der Verleumdung Vor dem Münchener Strafgerichte wurde vor einigen Tagen in einer Beleidigungsklage entschieden, die Dr. Alfred Heller, der Inhaber des Verlags B. Heller, gegen den nationalsozialistischen Redakteur Franz Ludwig Gengier angestrengt hatte. Darüber berichtet die „Münchener Post“ vom 4. d. M.; In drei nationalsozialistischen Hetzblättern wurde in einem gleichlautenden Artikel der Münchener Verleger Dr. Alfred Heller angegriffen und ihm unsaubere Manieren bei der Werbung von Annoncen für den israelitischen Kalender nachgesagt. Daß der Ton des Artikels dem gewohnten nationalsozialistischen Bildungsniveau entsprach, versteht sich von selbst, überdies genügt der Name des von dem früheren nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Dietrich-Franken als Verfasser bezeichneten Nationalsozialisten Franz Ludwig Gengier, jetzt Schriftleiter und Stadtrat in Nürnberg. Gengier hat bereits als Landtagsberichterstatter durch empörende Geschmacklosigkeiten eine traurige Berühmtheit erlangt. Heller strengte Beleidigungsklage an. Der verantwortliche. Schriftleiter Dietrich, zu 600 RM. Geldstrafe verurteilt, gab nun Genglcr als Verfasser an. Im Januar wurde dieser vom Amtsgericht München-Au ebenfalls zu einer Geldstrafe von 600 RM. verurteilt. In der Berufungsverhandlung mußte sich Gengier zu einem Vergleich herbeilassen und erklären, daß die Vorwürfe

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