Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 2 (10.1.1930)
- Date
- 1930-01-10
- Page
- Seite 20 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/9072829-9103085-9229907--10538-9221559- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
20 Das Jüdische Echo Nr. 2 später Nachtstunde zeigte es sich, daß dies nicht gelang. Die letzte Sitzung, in der die Wahlen vorgenommen wurden, nahm folgenden Verlauf: Unter dem Vorsitz von Benzion Fett erstattete der Vorsitzende des Permanenzausschusses, Herr Feuerring, zunächst den Bericht über die vorliegenden Resolutionsanträge. Die Resolutionen wurden abgestimmt und angenommen. (Veröffentlichung in der nächsten Nummer.) Sodann schlug Herr Feuerring, während Dr. Rabin den Vorsitz übernommen hatte, die Kandidaten des Permanenzausschusses für die Ämter der Z.V.f.D. vor, und zwar zunächst Finanzausschuß und Ehrengericht, die einstimmig gewählt wurden, sodann die Liste der Leitung der Z.V.f.D. Zu diesem Punkt wurden folgende Erklärungen abgegeben: Dr. Kollenscher: Meine Gruppe ist in den Wahlkampf getreten mit der Parole, für eine Koalition einzutreten. Es ist uns heute angeboten worden, in die Leitung einzutreten, aber wir haben das Angebot abgelehnt. Wenn wir von Koalition gesprochen haben, haben wir angenommen, daß sich der neue Zustand im Präsidium zeigen soll, so daß man sofort erkennt, daß eine grundlegende Änderung in der Führung der Z.V.f.D. eingetreten ist. Was uns angeboten wurde, ist, daß alle Gruppen, die gemeinsam in Opposition getreten waren, auch im Geschäftsführenden Ausschuß die Minderheit sein sollten. Darin sehen wir aber nur eine Fortsetzung des alten Zustandes, zumal sich auch in der Leitung der „Jüdischen Rundschau“ und in ihrer Haltung nichts ändern soll. Wir wären also in dieselbe Lage versetzt gewesen, in der wir waren, als ich aus dem G.A. austrat. Wir werden nunmehr außerhalb des G.A. unsere Politik in Verbindung mit den Gruppen, mit denen wir bisher zusammengearbeitet haben, fortsetzen. Es ist selbstverständlich, daß dabei unsere Mitarbeit an der gemeinsamen Arbeit so wie bisher nicht leiden wird. Wir werden in den Landesvorstand eintreten und auch in die Kommissionen gehen, in denen Sie uns Sitze anvertrauen: außerdem wird jeder einzelne von uns organisatorisch und propagandistisch seine Pflicht tun. Wir wollen alles tun, was zur Stärkung des Zionismus in Deutschland beiträgt. Dr. Hans Bloch (Revisionisten): Das Ziel der Revisionisten im Wahlkampf zu diesem Delegiertentag war die Änderung des politischen Systems der Leitung der Z.V.f.D., im besonderen die Änderung der Redaktionsführung der „Jüdischen Rundschau“. Die Majorität des Delegiertentages hat durch Annahme der Resolution Blumenfeld der bisherigen Führung das Vertrauen votiert und sich für die Politik der „Rundschau“ ausgesprochen, die sich mit den Bestrebungen des Brith Schalom deckt. Die Revisionisten können folgerichtig nicht in die Leitung der Z.V.f.D. eintreten, weil sie damit die Mitverantwortung für das herrschende System übernehmen würden. Gegen dieses System werden wir unseren politischen Kampf fortführen, im übrigen aber selbstverständlich nach wir vor an der gemeinsamen zionistischen Arbeit teilnehmen. Dr. Nahum Goldmann: Nachdem ich dem G.A. viele Jahre angehört habe, veranlassen mich schwerwiegende Motive, das Angebot, auch jetzt I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten.KostUmstickereien BurgstraBe 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75 einzutreten, abzulehnen. Wenn ich nicht eintrete, trotzdem meine Gruppe auf dem Boden des Koalitionsgedankens steht, so geschieht es in erster Reihe nicht, weil wir hier eine Minorität sind, sondern weil wir geglaubt haben, daß wir nach dem Ausgang der politischen Debatte und Bestätigung des Kurses des Redakteurs der „Jüdischen Rundschau“, Dr. Weltsch, aus gesamtzionistischen Gründen nicht die Verantwortung nach außen übernehmen können. Wir werden selbstverständlich in Zukunft zionistisch mitarbeiten, aber gleichzeitig werden wir den Kampf gegen diese Politik fortsetzen. Wir hoffen, daß der nächste Delegiertentag eine Majorität bringen wird für einen politischen Kurs, der es ihm ermöglichen wird, wieder an der Leitung teilzunehmen. Adler (Misrachi): Der Misrachi stand ebenfalls im Kampf auf diesem Delegiertentag. Wir sind in den Wahlkampf zu diesem Delegiertentag eingetreten mit der Parole der breiten Koalition. Wir haben für diese breite Koalition bis zur letzten Möglichkeit gekämpft. Nachdem es sich herausgestellt hat, daß bei der Konstellation auf diesem Delegiertentag diese breite Koalition nicht durchzuführen war, hielten wir es in der gegenwärtigen schweren Lage der Arbeit in Deutschland für zionistische Pflicht, in den G.A. auch in einer Koalition, die schwächer ausgefallen ist, als wir es eigentlich gewünscht hätten, einzutreten. Vorsitzender Dr. Rabin nimmt sodann die Wahlen vor. Der Präsident der Z.V.f.D. und der G.A. werden mit großer Mehrheit gewählt, sodann wird die Liste des Landesvorstandes und der Stellvertreter verlesen und gewählt. Nach Abschluß der Wahlen übernimmt der Präsident des Delegiertentages, Kurt Blumenfeld, den Vorsitz. In seiner Schlußrede bedauert er, daß die neue Leitung langjährige Mitarbeiter aus anderen Gruppen nicht mehr in sich schließe, begrüßt es aber, daß der Delegiertentag eine klare Entscheidung gebracht habe; man könne mit einem Gefühl der Beruhigung an die Weiterarbeit gehen. Nach Dankesworten an das Präsidium usw. wurde die Tagung geschlossen. Begrüßungen An den Delegiertentag sind zahlreiche Begrüßungen aus allen Teilen der Welt eingegangen. Aus der Fülle dieser Depeschen und Begrüßungsschreiben seien erwähnt: Der Waad Leumi (Jerusalem) telegraphierte: „Den Gruß des Jischuws an die Konferenz der deutschen Zionisten, die in einer schweren Stunde unserer Bewegung Zusammentritt. Durch Fortsetzung unseres Werkes, durch Steigerung der Alijah und der Kolonisation werden wir alle Hindernisse überwinden. Unser Ziel gilt stets dem Frieden, aber ohne zionistischen Verzicht und ohne Prämie für die Pogromstifter. Der Glaube des Jischuws an das Gelingen unserer Aufgabe ist stark. Die Golah muß ihre Pflicht erfüllen.“ Alle Gruppen der „Allgemeinen Zionisten“ Palästinas depeschierten: „Unseren Gruß unseren Freunden in Deutschland! Von der Verteidigungsfront unserer Heimat fordern wir von Euch Einigung durch Anstrengungen für die Alijah und den Äufbau in großem Umfang, die allein das Unterpfand unseres Sieges sind. In Beziehung auf unsere Nachbarn sind wir immer für Frieden, aber niemals werden wir Verzichten zustimmen gegenüber denen, die an die Grundlagen unserer Bewegung rühren, und keinerlei Änderungen in der Ordnung des Landes,