Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 2 (10.1.1930)
- Date
- 1930-01-10
- Page
- Seite 19 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Das .Jüdische Echo 19 „Ich muß mich auch gegen Bileskis Auffassung wenden, daß die Qualität unseres Nationalismus erst genau festgestellt werden muß. Es gibt nur eine Qualität unseres Nationalismus. Wir sind nicht eine Nation von Eroberern, sondern eine Nation, die in ihr Eigentum zurückkehrt. Die zionistischen Kongresse haben niemals einen anderen Nationalismus vertreten. Preedy darf ihn anzweifeln, nicht wir. Nicht in dieser schweren Stunde.“ Der Montagvormittag war durch Sitzungen des Permanenzausschusses und der Fraktionen ausgefüllt. Ein Versuch, die Sitzung um 12 Uhr zu eröffnen, scheiterte daran, daß die politischen Resolutionen noch nicht zur Abstimmung reif waren und Blumenfeld es ablehnte, das Referat über die künftige Arbeit der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zu halten, solange man nicht wußte, ob nicht als Konsequenz der politischen Abstimmung eine andere Führung gewählt werden müsse. Um Uhr erfolgten dann im Plenum die Abstimmungen über die politischen Anträge. Die Abstimmung über die außenpolitische Debatte wurde durchgeführt in der Form der namentlichen Abstimmung über drei Resolutionen. Die erste Resolution, eingebracht von Radikalen und Revisionisten, lautete: „Der Delegiertentag mißbilligt die Haltung der „J. R.“, die die eindeutige Betonung der politischen Grundauffassungen des Zionismus vermissen läßt und den Erfordernissen der gegenwärtigen Politik widerspricht.“ Abgelehnt mit 47:94 Stimmen bei 4 Enthaltungen. Die zweite Resolution, eingebracht von Misrachi und „Unabhängigen Allgem. Zionisten“, lautet: „Der XXIII. Delegiertentag fordert nachdrücklich Wahrung unseres völkerrechtlich gewährleisteten Rechtes auf Schaffung einer Nationalen Heimstätte in Palästina. Er lehnt jede neue Zielsetzung ab. An dieser Grundeinstellung ist insbesondere festzuhalten bei den zur rechten Zeit einzuleitenden Verhandlungen, die die Schaffung eines friedlichen Zusammenlebens mit den Arabern in Palästina zum Gegenstand haben. Der Delegiertentag verlangt, daß die Haltung der „Jüdischen Rundschau“, des offiziellen Organs der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, mit diesen Grundsätzen in Einklang gebracht wird.“ Zu diesem Antrag erklärt Herr Blumenfeld, daß er mit der Ablehnung des Antrages die Vertrauensfrage verbindet. Der Antrag wird sodann mit 84:54 bei 4 Enthaltungen abgelehnt. Sodann folgt die Abstimmung über die Resolution Blumenfeld, die mit 82:53 Stimmen bei 8 Enthaltungen angenommen wird, nach Ablehnung eines Amendements Dr. Halpern, das in dem vierten Absatz der Resolution, wo von aktiver Verständnispolitik die Rede ist, den Zusatz „zur geeigneten Zeit“ verlangt. Die angenommene Resolution zur zionistischen Außenpolitik lautet: Der Delegiertentag ermächtigt die Leitung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, zu den außenpolitischen Fragen nach den folgenden Grundlinien Stellung zu nehmen: I. Das Fundament jeder zionistischen Politik ist der unzerstörbare Lebenswille des jüdischen Volkes, ihr notwendiges Ziel die Errichtung der nationalen im Palästina-Mandat anerkannten öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte. II. Zur Durchführung dieser Politik verlangen wir nicht nur, daß in Zukunft unter allen Umständen Schädigungen des Aufbaus der Heimstätte durch die Regierung vermieden werden, wie sie in der Vergangenheit aus Gleichgültigkeit oder Nachlässigkeit oder aus verständnisloser Abneigung gegen unsere Sache entstanden sind, sondern wir fordern die aktive Unterstützung der Mandatarmacht, zu deren Gewährung sie durch das Mandat verpflichtet ist und die sie uns bisher in hohem Maße vorenthalten hat. III. Der Erfolg unserer Politik beruht entscheidend auf der eigenen Leistung des jüdischen Volkes. Daher bietet der Zusammenschluß des Gesamtjudentums in der Jewish Agency für unser Werk eine neue bedeutende Chance, die durch die Kraft und das Wachsen der Zionistischen Organisation zu einer Verbreiterung unserer politischen und wirtschaftlichen Basis geführt werden muß. Schon heute ist unsere Position in Palästina und die Stärke des Jischuw eine zuverlässige Stütze für die Durchführung unserer nationalen Politik. Unser Recht, in vollkommener Freiheit in das Land einzuwandern, darf nicht angetastet werden. Die volle Verwirklichung unserer Hoffnungen auf eine Wiedergeburt des jüdischen Volkes in Erez- Israel erfordert das ständig sichtbare Wachsen unseres Aufbauwerkes. Auf die Förderung und Unterstützung der Chaluzbewegung ist besonderer Wert zu legen. IV. Die zionistische Bewegung wünscht mit dem arabischen Volk in Eintracht und in gegenseitiger Achtung zu leben und zusammen mit ihm die gemeinsame Heimat in ein blühendes Gemeinwesen umzuwandeln, dessen Aufbau allen seinen Bevölkerungsteilen ungestörte nationale Entwicklung sichert. (Resolution des XII. Zionistenkongresses.) In diesem Geiste soll die Zionistische Organisation eine aktive planmäßige, die Errungenschaften des Mandates dem Wortlaut und dem Geiste nach sichernde Politik der Verständigung mit dem arabischen Volke aufnehmen, durch welche die der Schaffung der Nationalen Heimstätte entgegenstehenden Hindernisse auf friedlichem Wege beseitigt werden sollen. Politische Verhandlungen liegen ausschließlich in den Händen der Exekutive. Hierauf hielt Herr Blumenfeld sein Referat wegen der vorgeschrittenen Zeit in abgekürzter Form. Die Debatte, die auch Fragen der Gemeindepolitik berührte, nahm den Rest des Nachmittags sowie die Abendsitzung in Anspruch. Inzwischen wurde der Versuch gemacht, eine Koalition auf breiter Basis zustande zu bringen und erst in SCHRAMM * ff r t r?——-^raJbe'S