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Das jüdische Echo · 1930-01-03 · 1 (3.1.1930) · p. Seite 10

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
1 (3.1.1930)
Date
1930-01-03
Page
Seite 10 (sequence 15)
Language
German
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10 Das Jüdische Echo Nr. 1 Sacher sagte, wenn auch heute die Atmosphäre beruhigter ist, so bin ich dennoch nicht in der Lage, meine gegen Luke gerichteten Klagen zurückzunehmen. Es gab gefährliche Ausschreitungen, es wurde gemordet; was kann ich anders als klagen! Die elementarste Pflicht einer Regierung ist es, Leben und Eigentum der Einwohner zu schützen. Luke, als der damals oberste Beamte, hätte richtig zupacken sollen. Bei einem gewissen Maß an Entschlußkraft hätte auch die schwache Polizeikraft ausgereicht, um das Schlimmste zu verhüten. Meiner Meinung nach hätte der Einfluß des an der Spitze des Landes stehenden Mannes überall gespürt werden müssen. In der Direktion der Polizeimacht machte sich ein Mangel an Urteilskraft geltend. Preedy wies darauf hin, daß Colonel Kisch am 22. Oktober dem Major Saunders, Stellvertretenden Chef der Palästina-Polizei, im Namen der Palästina-Exekutive und der palästinensischen Judenheit aus Anlaß der Verleihung der Polizeimedaille an ihn gratuliert hat und ihm dabei den Dank dafür aussprach, daß er sich um die Erhaltung der Ordnung und um den Schutz von Leben und Eigentum bemüht hat. Sacher erwiderte: Ich stimme diesem Dankesausdruck zu, soweit er sich auf das spätere Stadium bezieht; in den ersten Stunden der Katastrophe hat alles versagt. Aus der jüdischen Welt Der Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Der XXIII. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, über den wir noch ausführlich berichten werden, fand unter lebhafter Anteilnahme am 29. und 30. Dezember in Jena statt. In der Nacht vom 30. zum 31. Dezember wurden die Wahlen für den Geschäftsführenden Ausschuß und die anderen leitenden Instanzen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland vorgenommen. Die Radikalen, Revisionisten und die Kollenscher-Gruppe gaben Deklarationen ab, in denen sie erklärten, daß sie sich an den Wahlen zum Geschäftsführenden Ausschuß nicht beteiligen werden. Hierauf wurde mit den Stimmen der in der Mehrheitskoalition vertretenen Parteien Kurt Blumenfeld zum Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wiedergewählt. Zu Mitgliedern des Geschäftsführenden Ausschusses wurden gewählt: Dr. Siegfried Moses, Dr. Siegfried Kanowitz (Gruppe Linkes Zentrum), Dr. Georg Landauer, Alfred Berger (Zionistische Sozialisten), Alexander Adler, Dr. Edmund Levy, Dr. Oskar Wolfsberg (Misrachi). Die neue Leitung wird also gebildet von einer Koalition aus Linkem Zentrum, Misrachi und Zeire Misrachi, Hapoel Hazair und den freien sozialistischen Zionisten. Der neugewählte Landesvorstand besteht aus 53 Mitgliedern. Er ist aus allen Parteien, einschließlich der drei Parteien, die sich an der Wahl des Geschäftsführenden Ausschusses nicht beteiligten, nach der Proportion der Mandate zum Delegiertentag gebildet. Im ganzen waren zu dem Delegiertentag 161 Delegierte ordentlich gewählt worden. Um 1 Uhr nachts wurde der Delegiertentag beendet. Wieder eine Friedhofschändung in Bayern Nürnberg, 29. Dezember. (JTA.) Wie aus Nürnberg gemeldet wird, wurde auf dem Israelitischen Friedhof in Gunzenhausen bei Ansbach eine neue Friedhofschändung entdeckt. Man fand 18 zertrümmerte Grabsteine. Die Täter konnten noch nicht gefaßt werden. Auf ihre Ergreifung ist eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt. Der neuernannte Staatssekretär Dr. Schäffer Berlin, 28. Dezember. (JTA.) Der zum Staatssekretär im Finanzministerium ernannte Dr. Hahs Schäffer entstammt einer alten Breslauer jüdischen Juristenfamilie. Ursprünglich Jurist in Breslau, dann Vortragender Rat, und seit 1923 Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium, betätigte er sich auch als Verfasser verschiedener rechts- und wirtschaftswissenschaftlicher Werke. Er ist auch Verfasser des vorläufigen Gesetzes des Reichswirtschaftsrats. Schon als Schüler von Prof. Dr. Benno Badt am Breslauer Gymnasium interessierte sich Dr. Schäffer für jüdische Ideen und beschäftigte sich mit jüdischen Fragen. Er steht im 44. Lebensjahr und ist tätiges Mitglied des Pro- Palästinakomitees, hat Palästina besucht und verschiedentlich in Veranstaltungen des Pro-Palästina- Komitees über diese Reise berichtet. Eine der ersten Aufgaben des neuernannten Staatssekretärs Dr. Schäffer wird die Vertretung des Reichsfinanzministeriums innerhalb der deutschen Delegation auf der Haager Konferenz sein. Nationalsozialistischer Sturm auf Warenhäuser in Köln Berlin, 24. Dezember. (JTA.) Wie aus Köln telegraphiert wird, kam es am Montag, dem 23. Dezember, gegen 6 Uhr abends, zu schweren Unruhen in Verfolg der nationalsozialistischen Hetze gegen die „jüdischen Warenhäuser“. In den Geschäftsvierteln erschienen größere Trupps von Nationalsozialisten. die, mit schweren Feldsteinen bewaffnet, einen planmäßigen Sturm gegen die Warenhäuser unternahmen. Sie hatten bald mehrere große Fenster der Warenhäuser Tietz, Alsberg und anderer Geschäfte, sowie eine große Scheibe des Kaffeehauses Wien am Ring zertrümmert. Zwei Nationalsozialisten in Thüringens neuer Regierung Weimar. 23. Dezember. (JTA.) Die Nationalsozialisten haben dem Drängen der übrigen Rechtspartei nachgegeben und sich bereit erklärt, in die neue Rechtsregierung einzutreten. Sie beanspruchen das Innenministerium, ein weiteres Ministerium, sowie einen Staatsratsposten. Zwei Ministerien wurden ihnen bereits zugesichert. Ein Hitlemarteiführer in Mecklenburg zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt Ludwigslust, 27. Dezember. (JTA.) Das große Schöffengericht in Ludwigslust verurteilte einen der Führer der Hitlerpartei in Mecklenburg, den Kassenrendanten Ahlgrimm, wegen fortgesetzter Amtsunterschlagung zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus. Ahlgrimm hatte aus der ihm änvertrauten Kasse 62 000 Mark unterschlagen. Antisemitische Studentenunruhen in Debrecen Budapest, 22. Dezember. (JTA.) Mehrere Hörer der Landwirtschaftlichen Akademie in Debrecen überfielen den jüdischen Pächter des Graf Degenfeldschen Besitztums, Josef Deutsch, im Debrecener Personenzuge und schlugen ihn blutig. Als der Direktor der Akademie, Oberhausmitglied Dr. Koloman Vargha eine Bestrafung der Schuldigen ankündigte, hielten die Akademie-

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