Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 1 (3.1.1930)
- Date
- 1930-01-03
- Page
- Seite 9 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Das Jüdische Echo 9 Vertreters der Palästina-Regierung zu hören. Ich werde mir das merken! Sir Boyd Merriman, der Anwalt der Zionistischen Exekutive, rief von seinem Sitz aus herüber: Auch ich werde mir das merken! Preedy replizierte: Sie werden mich durch Ihre Kommentare nicht davon abhalten, Fragen zu stellen. Hopkins-Morris, das liberale Mitglied der Kommission, bemerkte zu Sacher: Sie sind — wenn ich so sagen darf — hier im Zeugenstand; Sie dürfen sich natürlich was merken, aber Sie dürfen nicht Kommentare an Fragen knüpfen. Sacher erklärte daraufhin, er nehme seine Bemerkung zurück. Preedy fuhr fort, seine Fragen in ironischem Tone zu stellen, wobei es ihm offenbar darauf ankam, die in offiziellen Kreisen Palästinas angenommene Version, daß jüdische Arroganz für die Morde verantwortlich sei, zu begründen. Gibt es auch einen gemäßigten Zionisten? fragte Preedy. Sacher behielt nun seine Ruhe und antwortete einfach: Ja. Preedy stellte einige sarkastische Fragen bezüglich der Politik der Revisionisten und bemerkte schließlich: Wer soll die für den Palästina-Dienst bestimmten britischen Beamten unterweisen? Damit spielte er auf Sachers gestrige Bemerkung an, daß die für den Palästina-Dienst bestimmten Beamten vor Antritt ihres Dienstes über die Bedeutung des Palästina-Mandates aufgeklärt werden sollen. Preedy las dann Auszüge aus einer Ansprache vor, die Dr. Eder im September d. J. in einer in London abgehaltenen Sitzung des Zionistischen Aktions-Komitees gehalten und in der er die Bestrafung der arabischen Rädelsführer, die Anwerbung von jüdischen Sonderpolizisten und die Einholung des Rates der Jewish Agency bei der Wahl von höheren Beamten für Palästina gefordert hat. Sacher erwiderte, er war bei dieser Rede Eders nicht zugegen, er hätte sie nicht gebilligt. Preedy verlas dann Auszüge aus den Resolutionen des Administrativ-Komitees der Jewish Agency, das gleichzeitig in London getagt hat, und wies darauf hin, daß auch das Administrativ-Komitee fordert, daß die Jewish Agency bei der Auswahl des Personals der Palästina-Administration zu Rate gezogen werde. Sacher erklärte, diese Resolution bedeute, daß bei der Auswahl des Personals bestimmte Prinzipien gelten sollen. Hopkins Morris bemerkte, er dächte, bei Administratoren kämen Eignung und Tüchtigkeit, nicht aber Sympathien in Betracht. Sacher entgegnete, er wünschte, daß die für Palästina bestimmten Beamten eine Position einnehmen, wie er, wenn er Beamter sein würde, sie einnehmen würde. Nachdem Preedy Sacher darüber befragte, wie oft er die Klagemauer besucht hat, ob er orthodoxer Jude sei und ob er bereits die palästinensische Bürgerschaft erworben hat, stellte er schließlich die Frage: Inwiefern war die jüdische Einwanderung für die Araber von Vorteil? Sacher erwiderte: Die Einwanderung hat die Einkünfte des Landes gesteigert. Ohne diese Einkünfte würden die Kosten des öffentlichen Unterrichtes und des Gesundheitsdienstes für die Araber nicht bestritten werden können. Auch verschafft die Investierung jüdischen Kapitals den Arabern, direkt und indirekt, Beschäftigung. Preedy wies auf die Rede Sachers auf dem letzten Zionistenkongreß in Zürich hin und versuchte, aus deren Inhalt den Schluß zu ziehen, daß der Zionistenkongreß und die Zionistische Organisation dafür sind, daß der arabische Arbeiter verdrängt werde. Er deutete an, daß die Furcht der Araber vor der Jewish Agency und vor der Mitarbeit von Persönlichkeiten wie Lord Melchett und dem verstorbenen Louis Marshall berechtigt sei. Er zitierte Aussprüche Ussischkins aus den Verhandlungen des Zionistenkongresses über den Umfang des jüdischen Bodenerwerbs in Palästina und wies darauf hin, daß Dr. Weizmann bezüglich der Einwanderung eine Schätzung gab, derzufolge im Verlauf der nächsten fünf Jahre 100 000 Juden nach Palästina gebracht werden würden. Dr. Weizmann, sagte Preedy, hat sich mit der von Lord Melchett geäußerten Unzufriedenheit hinsichtlich der Palästina-Verwaltung solidarisch erklärt und hat der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Jewish Agency bei der britischen Regierung das erreichen werde, was der Zionistischen Organisation zu erreichen bisher nicht gelungen war. Sacher erklärte daraufhin, die Führer der Jewish Agency seien der Ansicht, daß die Regierung das jüdische Nationalheim nicht fördert, den Juden keinerlei Staatsböden zur Verfügung stellt, die jüdische Einwanderung nicht unterstützt und die jüdischen Forderungen mit Bezug auf die Besteuerung nicht berücksichtigt. Was mich betrifft, fügte Sacher hinzu, so würde ich mich nicht in einen gar zu ernsten Streit mit der Regierung einlassen, weil sie die von den Zionisten geforderte Einwanderungsquote von über 5000 auf 2300 reduziert hatte. Preedy fragte: War die Forderung der Jewish Agency nicht dazu angetan, die Araber nervös zu machen? Sacher erwiderte: Ich behaupte nicht, daß die Araber nicht nervös wurden; aber unsere Forderung war nicht dazu angetan, sie nervös zu machen. Sacher fügte hinzu: Er sei überzeugt, daß die Unruhen im August vorher verabredet worden waren und daß eine arabische Verschwörung bestand, aber er gebe zu, daß es eine schwierige Sache sei, das Bestehen der Verschwörung nachzuweisen und die Schuldigen zu fassen. Aber auch die Regierung hat eine schwere Unterlassung begangen, weil sie den gefährlichen Gerüchten, daß sich die Juden der moslemitischen Heiligen Stätten bemächtigen wollen, nicht autoritativ entgegengetreten ist. Auf weiteres Befragen Preedys gab Sacher zu, daß die revisionistische' Zeitung „Doar Hayoin“ und die Wochenschrift „Palestine Weekly“ wegen ihrer scharfen Sprache hätten bestraft werden sollen; allerdings, fügte er hinzu, hätten die arabischen Zeitungen eine noch härtere Strafe verdient. Sacher bekannte sich zu seinem im „Manchester Guardian“ erschienenen Aufsatz, in welchem er der Palästina-Regierung Dummheit und Schwäche vorgeworfen hatte. Der Artikel, sagte er, führt eine starke Sprache, aber diese Sprache war richtig. Ich halte noch immer daran fest, daß die Behandlung der Klagemauer-Frage durch die Regierung nicht ungeschickter hätte sein können. Ich stimme mit dem Londoner „Jewish Chronicle“ überein, daß an die Klagemauer ein jüdisches Prestige geknüpft sei. Der Regierungsanwalt Preedy unterzog Harry Sacher bezüglich seines Artikels im „Manchester Guardian“ einem peinlichen Verhör und ging fast jedes Wort des Aufsatzes vom 30. August durch. I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kan ten. Kostüms tlcker eien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 75