Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 1 (3.1.1930)
- Date
- 1930-01-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 1 Das Jüdische Echo 5 wohlgesinnten Regierung werbe, daß sie das Mandat durch eine hilfreiche und durch Mitgefühl betonte Aktion erfüllt. Weizmanns Rede machte tiefen Eindruck auf die versammelten Mitglieder des Anglo-Palestinian Club und die anderen englischen Persönlichkeiten, die sich eingefunden haben, um den Präsidenten der Jewish Agency zu hören. Der Vorsitzende der Versammlung, Herr James de Rothschild, würdigte die große Arbeit Weizmanns, die die Bewunderung der Welt weckt, und stellte fest, daß ungeachtet der entstandenen ungeheueren Schwierigkeiten die Arbeit in Palästina weiter geht. Die Juden wollen nicht in Palästina herrschen, sondern mit dem arabischen Volke in Frieden leben. Frau Philip Snowden, die Gattin des Schatzkanzlers, die selbst eine große Rolle in der britischen Arbeiterbewegung spielt, führte aus, sie habe die große Ehre genossen, die Mitarbeiterin von Dr. Weizmann zu sein, dessen Name von Floyd George und anderen hervorragenden Männern nur in Ausdrücken der Bewunderung genannt wird. Als sie in Palästina weilte, hörte sie auch dort Weizmanns Namen nur mit dem Ausdruck tiefster Zuneigung und höchsten Respekts nennen. Die Rednerin gab der Hoffnung Ausdruck, daß der schrecklichen Tragödie in Palästina nunmehr eine Zeit des Aufschwunges folgen wird. Den Abschluß des Abends bildete eine Rede von Sir Arnold Wilson. Harry Sacher vor der Untersuchungskommission Am 16. Dezember vernahm die Untersuchungskommission mehrere arabische Zeugen, die zugunsten der jüdischen Sache aussagten. Dabei kam es zu einem Zwischenfall, als Sir Boyd Merriman nachwies, daß von seiten des Mufti und seiner Anhänger versucht worden war, diese Zeugen einzuschüchtern. Der eine dieser Zeugen, Elias Kawar aus Tiberias, entzog sich denn auch nach dem ersten Teil des Verhörs aus Furcht vor Racheakten einer weiteren Vernehmung, indem er nach Transjordanien flüchtete. Ferner wurde am 16. und 17. Dezember der Rechtsanwalt Horowitz (in den Unruhetagen stellvertretendes Mitglied der Zionistischen Exekutive) einem eingehenden Verhör unterzogen; als weitere Zeugen traten auf Herr Pasman, der frühere Feiter der American Zion Commonwealth, und die Kolonistenführer Smiliansky und Schapiro. Am 21. Dezember begann die mit Spannung erwartete Vernehmung Harry Sachers. Darüber berichtet die JTA.: Jerusalem, 21. Dezember. (JTA.) Zum ersten Male seit ihrer zweimonatigen Tätigkeit in Palästina befaßte sich die britische Untersuchungskommission mit einer Frage höherer Politik, mit Wesen und Begriff des Jüdischen Nationalheims, wie sie in der Balfour-Deklaration und in dem von England verwalteten Palästina-Mandat des Völkerbundes niedergelegt sind. Anlaß hierzu bot die Vernehmung von Harry Sacher, dem hervorragenden Rechtsanwalt und Feiter der Palästina-Exekutive der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency. Die Aussagen Sachers wurden von den Mitgliedern der Kommission mit respektvoller Aufmerksamkeit angehört. Sacher erläuterte vor der Untersuchungskommission Geschichte und Ziele der zionistischen Bewegung und schilderte das jüdische Aufbauwerk in seinen Grundsätzen, Methoden und Auswirkungen. Als Sacher auf die Idee des Jüdischen Nationalheims zu sprechen kam, ersuchte ihn das liberale Mitglied der Kommission, Herr Hopkins-Morris, eine Definition des Begriffs „Jüdisches Nationalheim“ zu geben. Sacher erwiderte: Unter „Jüdisches Nationalheim“ verstehe ich eine Politik, die den Juden die gesetzliche Grundlage gibt, in Palästina einzuwandern, das Land wieder aufzubauen und hier eine jüdische Zivilisation zu schaffen, die den wahren jüdischen Genius ausdrückt. Palästina, fuhr Herr Sacher fort, hat ohne eine Verbindung mit dem jüdischen Volke, dem jüdischen Genius, keine Bedeutung für die Menschheit. Es wird gesagt, daß die Araber seit 1300 Jahren in diesem Lande wohnen; während all dieser Zeit aber hat Palästina zur Weltzivilisation nichts beigetragen. Die hohen Leistungen Palästinas für die Menschheit ergaben sich aus der innigen Verbindung des Volkes mit dem Lande, aus der Vermählung Israels mit Erez Israel. Das Judentum und dieses Land schenkten der Welt Propheten und Lehrer, und eben durch diese Schenkung hat Palästina noch hohe Bedeutung für die Welt. Es kam die Zeit, in der die Juden aus Palästina vertrieben wurden. Mit dem Auszug der Juden zog die Seele aus diesem Lande aus. Das Judentum behielt seine jüdische Seele. Wir bildeten zwar nicht mehr einen Staat, aber wir hörten nicht auf, eine Nation zu sein. Im Verlauf der 2000 Jahre, in denen die Juden in der Diaspora lebten, hat es nicht einen Augenblick gegeben, in dem die Juden die Rückkehr nach Palästina als Nation nicht ersehnt hätten. Wenn wir Juden nun in dieses Land zurückzukehren beginnen, kommen wir nicht hierher, um Geld zu verdienen, sondern um unsere Seele zu läutern und unseren Beitrag zu der Kultur der Menschheit zu leisten. Die zweite Araber-Generation in Palästina, fuhr Sacher fort, die Kinder jener, die in den August- Tagen Juden abgeschlachtet haben, werden sich darüber klar sein, daß die Zukunft Palästinas unzertrennlich mit uns Juden verbunden ist. Wir wollen uns nicht in die Angelegenheiten der arabischen Zivilisation einmischen, wir wollen unsere eigene Zivilisation schaffen. Und niemand — rief Sacher mit fester Stimme — soll sich einbilden, daß Mord und Gewalt uns davon abhalten könnten. In Beantwortung einer zweiten Frage von Hopkins Morris erklärte Sacher, die Juden wünschen eine freie Einwanderung ohne jede künstliche Schranke; er hege die Hoffnung, daß die Juden einmal die Mehrheit im Lande bilden werden. Aber wir Juden haben nicht im geringsten die Absicht, über andere zu herrschen, ebenso wie wir nicht wünschen, von anderen beherrscht zu werden. Der Sekretär der Untersuchungskommission, Herr Lloyd vom Kolonialamt in London, überreichte Hopkins-Morris ein Weißbuch der britischen Regierung, aus welchem Morris den Abschnitt verlas, der lautet, es bestünde nicht die Absicht, die Araber zu unterwerfen oder sie aus dem Lande zu verdrängen. Nach der Verlesung erklärte Sacher: Cafe Wintergarten Franz Schnabel Vollständig renoviert (m. Parkettboden) neu eröffnet Nachmittags-Konzert / Äbend Tanz Kapelle Josd Zangelas Zivile Preise / Kein Weinzwang / Kein Eintritt Tassen und Portionen Kaffee werden verabreicht