Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 1 (3.1.1930)
- Date
- 1930-01-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Das Jüdische Echo Nr. 1 maßend sein, wenn ich behaupte, es war dies ein Kampf der Wüste gegen Fortschritt und Zivilisation. Noch heute gibt es Leute, die sagen: Ja, was ihr getan habt, mag sehr gut sein, aber die Araber sind für ein ruhigeres Leben, sie sehen malerisch aus, sie passen in die Landschaft. Das jüdische Volk aber ist beharrlich in der Arbeit, es ist nicht malerisch, ihr paßt nicht in die Landschaft hinein, ihr trocknet Sümpfe aus, ihr rottet die Malaria aus, so daß die Moskitos sich in die arabischen Dörfer flüchten. Solche Gedanken wurden soeben vor der Untersuchungskommission in Palästina vertreten. Ist das nicht ein wie gewöhnlich zu beobachtender Kampf der Sterilität gegen den Fortschritt, gegen Tüchtigkeit, Gesundheit, Unterricht; ein Kampf der Wüste gegen Zivilisation? Dies nun ist unser Fall, den wir vor der Welt führen, mit Würde führen. Wir sind nach Palästina gegangen nicht nur auf Grund der Versprechungen großer Regierungen, sondern auch auf Grund unseres Rechtes. Dieses Recht ist anerkannt, ist fest gegründet; dieses Recht haben die Juden durch Tausende von Jahren mit sich getragen. Niemals haben wir dieses Recht aufgegeben, wir haben es niemals vergessen, niemals je darauf Verzicht geleistet, und heute sind wir zurückgekehrt, ungeachtet der Schwierigkeiten; je schwerer die Aufgabe, um so stärker unser Mut. Die letzten Ereignisse haben vor allem dargetan, daß nicht ein einziger Jude durch sie in seinem Glauben an die jüdische Zukunft erschüttert worden ist. Man ist erschreckt in London und in Neuyork, nicht aber in Jerusalem. Ein Wort über die Araber: Ich beabsichtige nicht, Worte des Komplimentes zu sagen. Lange bevor der Angriff auf uns gemacht wurde, hat die oberste zionistische Institution eine Resolution angenommen, die unsere Beziehung zu dem Arabertum ausdrückt und die, ich hoffe es, zwischen uns und den Arabern bestehen wird. Es heißt in dieser Resolution: Wir sind entschlossen, mit dem arabischen Volke in Eintracht und in gegenseitiger Achtung zu leben und zusammen mit ihm die gemeinsame Heimat in einen blühenden Staat umzuwandeln, dessen Aufbau allen seinen Bevölkerungsteilen ungestörte nationale Entwicklung sichert. Dies ist der große Wunsch des großen semitischen Volkes. Als einer, der das Privileg besitzt, die Angelegenheiten der Zionistischen Organisation zu führen, erkläre ich, daß wir von dieser Entschlossenheit nach keiner Seite hin abgewichen sind. Nicht Pogrome und nicht irgendwelche Erhitztheit, sei es außerhalb, sei es innerhalb unserer Organisation, wird uns von diesem Ziele ablenken. Wir werden mit den Arabern Zusammenleben, wir werden mit ihnen Zusammenarbeiten und gemeinsam mit ihnen Palästina als ein Land aufbauen, in welchem zwei Völker in Achtung und Freundschaft gegeneinander leben. Das ist die Politik der Zionistischen Organisation, die Politik der Jewish Agency. Für ein friedliches Zusammenleben sind zwei Partner notwendig. Wir, der eine Partner, sind zum Frieden bereit, die Araber von heute, jedenfalls einige ihrer Führer, Leute, die sich selbst zu Führern ernennen, denken, daß die einzige Antwort auf das in dieser Resolution zum Ausdruck gebrachte Bestreben die ist, uns ins Meer zu werfen. Das wird ihnen nicht gelingen. Wir sind im Lande und beabsichtigen, im Lande zu bleiben. Aber es gibt auch einen dritten Partner, fuhr Dr. Weizmann in seiner Rede fort; es ist dies die britische Regierung, der die schwere Aufgabe zufiel, das Mandat für Palästina zu verwirklichen. Mit reinem Gewissen kann ich es sagen, daß alle diejenigen, die in diesen schweren zehn Jahren mit mir zusammen gearbeitet haben, von dem Bestreben erfüllt sind, die Mandatarmacht nicht in Verlegenheit zu bringen, ihr die Aufgabe nicht zu erschweren. Wir wissen, daß man in den ersten zehn Jahren im Dunkeln tastet, einen Weg sucht. Wir selbst hatten z. B. noch nicht die Sicherheit, daß das Wunder kommen würde, daß diese Generation von Juden dem Werke gewachsen sein wird. Wir mußten deshalb langsam unseren Weg gehen. Es mußten neue Verwaltungsformen gesucht werden. Das ganze Mandatssystem war neu, und man mußte sich langsam vorwärts tasten. Es war ein Experiment. Ich fürchte aber, daß das, was uns in den ersten fünf oder zehn Jahren als ein Experiment erschien, in ein System umgewandelt worden ist; dies nicht in Whitehall und nicht in Downing Street, aber — ich fürchte es — in Jerusalem. Das hat unser Volk in der Arbeit gehemmt. Es ist dies vielleicht auf einen Mangel an Verständnis und richtiger Einschätzung der Lage seitens einiger jener zurückzuführen, denen die Aufgabe der laufenden Verwaltung anvertraut ist. Wir sind eine Bewegung, die auf Freiwilligkeit aufgebaut ist; alles ist auf Vertrauen gegründet. Wir sind Arbeiter, die freiwillig ihr Leben hingeben. Ist unser Vertrauen erschüttert, so ist auch der Fels erschüttert, auf dem wir alles aufgebaut haben. Ihr berühret ewige Dinge; keiner, so mächtig er auch sei, darf da hineinpfuschen. Es sind Dinge ewiger Gerechtigkeit, und um des guten Namens Großbritanniens willen werden wir nicht zulassen, daß diese große Arbeit zerstört wird Das ist nun die Lage. Haben Sie je erlebt, daß ein praktisch denkendes Volk etwa 45 Millionen Pfund in zehn oder elf Jahren einfach hinauswirft? Mit diesem Gelde wurde der Boden Palästinas buchstäblich bedeckt; schon nicht zu reden von unseren Menschen, unserer Arbeit, mit der wir unseren Willen, in Palästina zu leben, zum Ausdruck bringen. Diesen Willen können wir nicht in Schlachtschiffen zum Ausdruck bringen, und wir würden dies, auch wenn wir es könnten, nicht tun. Wir können ihn nur in unserer Arbeitsbereitschaft zum Ausdruck bringen. Wir schaffen Palästina. Darin liegt unser Anspruch auf Adel, die Begründung unserer Weltexistenz. Das ist es, was der Zionismus schafft, nicht irgendeine vage Kulturheimstätte. Und was wir wollen, wollen wir aus eigener Kraft, wir wollen uns nicht auf die Rücken anderer schwingen. In vergangenen Zeiten, in Spanien, haben wir mit den Arabern zusammengearbeitet. Es ist nicht zu- '\iel, wenn ich heute um die Sympathie einer uns CONTINENTAL Schreibmaschinen das Fabrikat der Wanderer-Werke A.G Hauptvertrieb für Südbayern: Joh.Winklhofer&Söhne München 50 Telephon 73844 :: Forstenrieder Str. 53 Reparaturen aller Systeme