Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 52 (30.12.1921)
- Date
- 1921-12-30
- Page
- Seite 676 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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676 Das Jüdische Echo Nr. 52 die Hoffnung sei berechtigt, daß diese Beratungen Wir haben alle Ansprüche auf dieses Land, die aufs neue bestätigt worden sind, aber es wohnen dort Tausende von Arabern und wir müssen deshalb einen Weg suchen zu freundlicher Verstände gung und gemeinsamer Arbeit. Ich bin überzeugt, daß ein solcher Weg vorhanden ist, man braucht ihn nur zu suchen. Die Palästinenser müssen noch eines bedenken: England ist bereit, am Aufbau des nationalen Heims behilflich zu sein, aber England glaubt bloß an Tatsachen. Den Palästinensern fehlt das Verständnis für Maß und Proportion, die Fähigkeit, die Lage so beurteilen, wie sie wirklich ist. Der richtige Weg nach Zion ist, in allem Maß zu wissen. Seid bescheiden, macht keinen Lärm und lernt von England; wenn die Palästinenser, Juden wie Araber, dies begriffen haben werden, wird die Krise für immer verschwunden sein. Die Enttäuschung der arabischen Delegation Vor kurzem gab General Haddad Pascha, der Vertreter des Königs der Hedschas in London und Vertrauten des Königs Faisul, dem Kairoer Blatte „Hamiikdar“ ein Interview, das er durch eine Rede vor den arabischen Notabeln in Jerusalem ergänzte. In beiden Fällen empfahl Haddad Pascha den palästinensischen Arabern, die Balfour-Deklaration zu akzeptieren und der arabischen Sache nicht durch die Forderung an England, das gegebene Versprechen nicht einzuhalten, zu schaden. Wegen dieser Stellungnahme wurde Haddad Pascha von den arabischen Nationalisten in heftigster Weise angegriffen. Auf diese Angriffe antwortet General Haddad Pascha im „El Karmel“ und sagt unter anderem: „Was meine Stellungnahme hauptsächlich beeinflußt hat, war die politische Atmosphäre, die ich in den informierten europäischen Kreisen vorfand Ich erfuhr hier manches, was denen, die fern von diesen Ländern zu Hause Politik machen, noch unbekannt ist. Ich glaube, daß die britische Regierung in dem zweiten Teile der Balfour- Deklaration das Mittel finden wird, die arabischen Aspirationen zu befriedigen. Ich bin auch überzeugt, daß die Mitglieder der Delegation nach ihrer Heimkehr bestätigen werden, daß alles, was ich euch sagte, auf unumstößlicher Wahrheit beruht.“ In ähnlichem Sinne muß auch das Organ des palästinensischen Kongresses „El Sabach“ die Enttäuschung der Delegation zugeben, indem es feststellt: „Die Delegation befindet sich jetzt in einer sehr schweren Situation. Die Mitglieder waren vor ihrer Abreise überzeugt, daß sie in London eine englische Organisation finden würden, welche das Arrangement ihrer Aktion übernehmen würde, wie ihnen dies auch von einigen Engländern in Palästina versichert wurde. In Wirklichkeit jedoch fanden sie nichts dergleichen vor.“ Die arabische Delegation und die zionistische Exekutive London. Die Reuter-Agentur versendet eine Information, dahingehend, daß das britische Kolonialamt noch immer in Fühlung mit der in London weilenden Delegation der palästinensischen Araber sei und ebenso mit den Führern der zionistischen Organisation das Einvernehmen pflege. Die Regierung sei weiter bemüht, eine Grundlage für ein Übereinkommen zwischen den beiden Parteien zu finden. Die arabische Delegation ist mm mit der Leitung der zionistischen Organisation in engere Berührung getreten una zu dem gewünschten Ergebnis führen werden. Die Verhandlungen mit den Arabern Wie die „Zeit“, London, aus sicherer Quelle erfahren haben will, soll das Kolonialministerium eine Presseagentur ermächtigt haben, mitzuteilen, daß W. Churchill mit zionistischen Führern sowie mit der arabischen Delegation verhandelt habe. Er glaube am die Möglichkeit, bereits jetzt ein Einvernehmen herbeizuführen und bereite einen Entwurf eines Abkommens vor. Aus der Jüdischen Welt Palästina Die Entwicklung von Tel-Awiw. Dr. A. Mibasham schreibt im „Israelitischen Wochenblatt für die Schweiz“ aus Tel-Awiw u. a.: Soeben erhielt Tel-Awirw, als erste Stadt Palästinas, die Erlaubnis, eine städtische Anleihe von 75 000 Pfund auszugebep, welche zum Zwecke der Durchführung wichtiger öffentlicher Arbeiten, wie: Vergrößerung der Wasser- und Lichtanlage, Kanalisation, durchgreifende und moderne Straßenpflasterung, Kleinhafenbau, Trambahn usw. verwendet werden soll. Der Bürgermeister von Tel- Awiw. Herr Dizengoff, verreist nach Europa, um dort die Verhandlungen wegen der Unterbringung der Anleihen zu führen. Die Anleihe soll zu sieben bis acht Prozent verzinslich und in zwanzig Jahren rückzahlbar sein, und wird sowohl in bar wie in Maschinen, Materialien und Geräten aufgenommen werden. Es ist interessant, daß bei der Gelegenheit der Genehmigung durch die Regierung für diese Anleihe, eine Reihe bedeutender Informationen über das Vermögen und die Finanzkraft Tel- Awiws bekannt wurden, die früher nur Eingeweihr ten mitgeteilt werden durften. So besitzt Tel- Awiw heute nach knapp zwölf Jahren des Bestehens, wovon fast die Hälfte Kriegs- und Stuirmjahre waren, ein Vermögen an Häusern (zirka 400), Grundstücken (zirka 2000), öffentlichen Anlagen usw. von 1 700 000 Pfund oder zirka 44 Millionen Goldfranken, wovon 36 000 Pfund oder nahezu eine Million Goldfranken Gemeindegut sind. Die Einnahmen der Hausbesitzer im ganzen Areal Groß-Tel-Awwis an Mieten belaufen sich auf zirka 196 000 Pfund, während das diesjährige Budget der Stadt 20 000 Pfund beanspruchen wird. Die Steuerkraft der Gemeinde Tel-Awiw ist durch Regierungsverordnungen und den eben erwähnten Besitz derart gesichert, daß eine Jahresamortisation von 7500 Pfund zur Deckung der obengenannten Anleihe mit Leichtigkeit aufgebracht werden kann, auch wenn die aus den Geldern der Anleihe durchzuführenden Arbeiten, die sämtlich reichhaltige Einkommenquellen bilden werden, keinen Heller Ertrag abwerfen sollten. Hieraus erklärt sich auch der Umstand, daß, während im ganzen Lande die Erschließungsarbeit nur langsam und tastend vor sich geht, hier in Tel-Awiw das amerikanische Tempo vorherrscht, wo mit jedem Tag neue Gründungen, Industrien, Geschäfte, Verdienstzweige entstehen und an die 2000 Arbeiter- und Handwerkerfamilien bereits ernähren können. Die sprichwörtliche Fieberhaftigkeit der Entwicklung Tel-Awilws lockt immer neue Menschen, immer weitere Unternehmer und Palästina-Freunde hieher. Eben beginnt auch die Gruppe der Schweizerjuden hier Boden zu fassen. Der junge Rechtsanwalt Farbstein, der vor kurzem aus Europa zurückgekehrt ist, arbeitet mit dem erst einge-