Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 50 (16.12.1921)
- Date
- 1921-12-16
- Page
- Seite 648 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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648 Das Jüdische Echo Nr. 50 Die Folgen der arabischen Ausschreitungen Die Forderung nach dem Rücktritt des Gouverneurs von Jerusalem, General Storrs, wird jüdischerseits allgemein erhoben. In der Sitzung des Waad Leumi vom 15. und 16. November machte sich Dr. Thon, der Vorsitzende, zum Sprachrohr dieser Stimmung. Die Verurteilung arabischer Exzedenten zu teilweise sehr erheblichen Strafen und die Geldstrafen, die einigen arabischen Dörfern auferlegt wurden, konnten umso weniger eine Beruhigung der öffentlichen Meinung herbeiführem als auch 3 Juden zu 11, 10 und 8 Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurden, die in der Notwehr einen Araber getötet und einen verwundet hatten. — Man fordert allgemein die Begnadigung dieser Verurteilten. Im übrigen geht die Regierung ziemlich energisch vor. Die eingesetzten außerordentlichen Gerichte können jede Strafe außer der Todesstrafe mit endgültiger Wirkung verhängen. Aus der arabischen Presse J e r u s a*I e m , Mitte November. In der arabischen Presse macht sich in der letzten Zeit eine heftige Opposition gegen die im Ausland weilende Delegation vernehmbar. Diese Opposition nährt sich aus zwei Quellen. Einerseits werden schwere Anklagen persönlicher Natur gegen die Führer der Delegation laut; diese Tonart ist besonders von dem Sich einer Advokaten Abdul Hadi angeschlagen worden. Andererseits wehrt sich die Presse gegen die Stellungnahme der Delegation bei der syrischen Konferenz in Genf, wo bekanntlich die Forderung gestellt wurde, daß die britischen Truppenkörper Palästina verlassen. „Mara-tal-Schark“ greift deswegen die Delegation heftig an. „Hat“, fragt das Blatt, „die Delegation ihre Forderung zur öffentlichen Diskussion gestellt? Hat sie diese Forderung im Namen des Volkes oder im eigenen Namen gestellt? Hatte sie die Vollmacht, eine derartige Forderung zu stellen?“ Dieselbe Zeitung „Maratal-Schark“ veröffentlichte einen interessanten Leitartikel über die Wandlungen des Zionismus. Der Artikel sucht zu zeigen, daß der Zionismus in Wandlung begriffen ist, und daß er im Begriff ist, sich aus einer extremen Richtung, in eine zu Konzessionen bereite zu verwandeln. Der Zionismus, schreibt das Blatt, ist ebensosehr eine gesellschaftliche Bewegung, wie der Sozialismus und andere Bewegungen, die vom täglichen Leben täglich neu beeinflußt werden. Sie wachsen und verändern sich entsprechend dem Orte und der Zeit In den letzten drei Jahren sind starke Veränderungen im Zionismus vor sich gegangen. In der Zeit der Balfour-DeklaTation wollten die Zionisten nichts davon wissen, daß sie in Palästina mit einem anderen Volke Zusammenarbeiten werden. Ihre Führer verkündeten und ihre Zeitungen schrieben, daß Palästina jüdisch sein müsse, wie Engand englisch. Ihre Extremisten träumten von der Gründung eines jüdischen Reiches mit Ministerium und Militär. Als dann die Zionisten sahen, daß die Bewohner des Landes bereit sind, sich zur Wehr zu setzen, sahen sie ein, daß ihre Träume Phantasien seien, und ihre Führer verstanden, daß sie Hand in Hand mit den Bewohnern Palästinas an der Entwicklung und dem Fortschritt des Landes arbeiten müßten. Dies ist die zweite Phase des Zionismus und wir sehen jetzt, daß eine dritte Phase iim Werden begriffen ist,» wo die Zionisten bereit sein werden, auf alle aus der Balfour-Deklaration erfließenden Rechte zu verzichten und als einfache Einwanderer gleich allen anderen Landesbewohnern hieherzukommen. Wenn die Bewohner des Landes Anstrengungen machen werden in wirtschaftlicher und politischer Beziehung und wenn siie vollständig einig sein werden, dann wird die vierte Phase kommen, Palästina wird ein arabisches Land sein, das mit offenen Armen, wie alle anderen aufgeklärten Länder, Einwanderer aufnehmen wird. Wenn im Laufe von vier Jahren seit der Balfour- Deklaration der Zionismus so manche Wandlungen durchgemacht hat, wie wird es sein, wenn zwanzig und dreißig Jahre verstreichen werden?“ Im Gegensatz zu dieser Betrachtung, welche die Entwicklung der arabischen Frage für das arabische Volk günstig sieht, stehen einige andere Artikel in der arabischen Presse, besonders im Haifaer „Carrnel“ und iim Jaffaer „Felestine“, welche im Anschluß an die Jerusalemer Rede des Generals Chadad Pascha erschienen sind. Chadad Pascha hat bekanntlich die Araber aufgefordert, von der 'englischen Regierung nicht zu verlangen, daß sie ein den Juden gegebenes Versprechen zurückziehe. Die beiden genannten arabischen Zeitungen führten aus, daß die Araber nicht die Aufhebung, sondern die Erfüllung eines Versprechens verlangen, des Versprechens nämlich, das die englische Regierung dem König Hussein gegeben hat, in welchem allen arabischen Ländern die Freiheit versprochen wurde. Nur einige Länderstriche waren ausgenommen und Palästina war nicht unter ihnen. Man verweist uns, schreibt „Felestine“, immer wieder auf das neue arabische 7/AV POßZEEL,.4N-NIEDERI-A©E MÜNCHEN THE ATJNERSTR ASSE gegenüber der Feldhermhalie GRÖSSTE AUSWAHL IN G E B R Al? C H S PO R ZE L L AN TÄGLICHE LAGE REBGÄNZ U N G