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Das jüdische Echo · 1921-12-16 · 50 (16.12.1921) · p. Seite 642

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
50 (16.12.1921)
Date
1921-12-16
Page
Seite 642 (sequence 5)
Language
German
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642 Das Jüdische Echo Nr. 50 Noch interessanter ist die Tatsache, daß die Juden auf einem Gebiet, das typisches „fighting“ erfordert, eine bemerkenswerte Rolle spielen. Der Amateurboxmeister von Österreich Kurz ist ein Jude. Der Mittelgewichtsboxmeister von Europa, der zugleich Leichtschwergewichtsmeister von England ist, Ted Kid Levis, ist Jude. Juden sind ebenfalls Beny Leonard, der für den technisch besten Boxer der Welt gilt, und Lewinsky, der vor Carpentier Weltmeister im Leicht-Schwergewicht war. Dasselbe gilt für Lew Tendier, den bisher äußerst erfolgreichen, aussichtsvollsten Anwärter auf den Weltmeisterschaftstitel im Leichtgewicht, und diese sensationellen jüdischen Erfolge haben amerikanische Sportsblätter zu Untersuchungen über die Eignung der einzelnen Nationen für den Boxsport veranlaßt, die das Ergebnis hatten, daß Juden und Italiener quantitativ und qualitativ an erster Stelle marschieren. Die Erfolge jüdischer Läufer sind zu zahlreich und bekannt, um einzeln erwähnt werden zu müssen; eine Anzahl der besten Leichtathleten in deutschen Sportklubs z. B. sind Juden. Im Tennis und im Eislaufsport ist er nicht viel anders. Juden sind auch mit die besten Schwimmer im Österreichischen Schwimmverband. Es gibt Ärzte, die behaupten, daß sich der Jude seiner körperlichen Beschaffenheit nach als besonders für Sport disponiert erweise. Wenn es richtig ist daß Leistung im Sport noch mehr geistige und moralische Anspannung und Zähigkeit erfordere als körperliche, dann wird man die jüdischen Erfolge leicht begreifen können. — Notwendig freilich ist es, den jüdischen Sport, der eine Volkssache sein soll, nicht zum Rekordrummel, zur Sensationssache herabwürdigen zu lassen. Freilich soll jeder sein Bestes geben, stets seine Leistung zu steigern entschlossen sein. Die Erfolge. Rekorde kommen als Lohn ehrlicher Arbeit von selbst. Ihre Träger sind keine Heroen und die Verhimmelung tüchtiger Sportsleute und Vereine, wie das etwa in Wien der Hakoah gegenüber in jüdischen Blättern üblich ist, erscheint uns geschmacklos. Nie darf — bei uns noch weniger als sonstwo — Sport Selbstzweck werden. Er hat Sinn, wenn er unser Volk tüchtig, aufrecht und gesund macht und erhält Er hat Wert, wenn er sich von dem großen Gedanken der nationalen Wiedergeburt tragen läßt, der immer mehr alle Lebensäußerungen der Judenheit durchdringt. Dann wird die jüdische Sportbewegung eine eminent geistige sein, die Menschen starken Willens und Streberis starke Körper gibt. Dann wird sie ihre Anziehungskraft auch auf diejenigen Sportsleute unseres Stammes ausdehnen können, die heut in nichtjüdischen Verbänden vielleicht eine gute technische Ausbildung genießen, die dort aber menschlich und geistig verkümmern. Dann wird sie — immer enger um das nationale Banner geschart, unter dem sie ihrem Wesen nach allein leben kann — Menschen hervorbringen, die am Wiederaufbau unseres Volkes in unserem Lande unmittelbar mitzuarbeiten wünschen und die für den hart arbeitenden und schwer angefeindeten Jischuw von besonderem Wert sein werden. G—. Manifest der Zionistischen Exekutive An die Zonisten! Der Zionismus ist in eine neue Phase ein getreten. Nach achtjähriger Pause hat der zionistische Wille des jüdischen Volkes im September 1921 in Karlsbad wiederum seinen historischen Ausdruck gefunden. Unter dem Eindruck und dem Widerhall einer Katastrophe, wie sie seit Jahrhunderten das jüdische Volk nicht mehr getroffen hat, hat der XII. Zionistenkongreß ein Fazit der neuesten jüdischen Vergangenheit gezogen und dabei seinem Schmerz und seinem Zorn gegenüber den schändlichsten Gewalttaten Ausdruck verliehen, hat der Kongreß die großen politischen Errungenschaften des Zionismus gewürdigt und die bevorstehenden Palästinaaufbauaktionen sanktioniert. Der Zionistenkongreß hat den entscheidenden Tatsachen, welche in der zionistischen Bewegung und im Leben der Zionistiscben Organisation sich abgespielt haben, die Legalität verliehen. Durch den Kongreß hat das jüdische Volk die Balfourdeklaration entgegengenommen, die jüdischen Ansprüche auf Palästina formuliert und nochmals vor aller Welt die Perspektiven des künftigen Judentums offenbart Seit der Karlsbader Tagung existiert von neuem die Zionistische Organisation in ihrer disziplinierten Form. Durch konstitutionelle Akte sind sämtliche Instanzen der Zionistischen Organisation, Exekutive, Aktions-Komitee, Wirtschaftsrat. Verwaltungen der Finanzinstiitute usw., entsprechend dem Willen des Kongresses bestätigt oder neu gewählt worden. Nicht unmittelbar nach jenem großen Tag des Jahres 1917, der bleibend sein wird, nicht nach der Entscheidung von San Remo hat der Kongreß Sich versammeln können. Bruder und Bruder, Gesinnungsgenosse und Gesinnungsgenosse blieben noch immer von einander getrennt bis endlich nach Beseitigung der schwersten technischen Hindernisse die Zusammenkunft der von den zionistischen Massen Gewählten erfolgen konnte. Zwischen den historischen Ereignissen, welche der jüdischen Geschichte der Neuzeit ihren Stempel aufprägen werden und dem Karlsbader Kongreß vergingen Monate, ja Jahre, in denen dile Begeisterung in zahllosen und unvergeßlichen Kundgebungen das ganze Judentum erschütterte. Erst in einer Zeit, da das jüdische Volk die mit großen politischen Erfolgen entstandenen Möglichkeiten endlich in konkreten Ergebnissen in Palästina erfüllt sehen wollte, kam die Vertretung der Million zionistischer Juden in Karlsbad zusammen. Eins gegenüber der alten Jlkodemie

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