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Das jüdische Echo · 1921-12-16 · 50 (16.12.1921) · p. Seite 641

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
50 (16.12.1921)
Date
1921-12-16
Page
Seite 641 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 50 16. Dezember 1921 8. Jahrgang Die Juden und der Sport Es gibt utopische Romane, däe eine Zukunft des Menschengeschlechtes ohne Haß und Krieg, ohne Vernichtung von Menschenleben und Sachgütern auszumalen suchen. Es werden Wenige leben. die nicht wünschen möchten, daß so schöner Traum Wahrheit werde. — Und doch gibt es tausend Gründe, aus denen immer wieder pazifistische Bestrebungen scheitern; selbst der Wohlwollende mag nach Beteuerung seiner lebhaften Sympathie und seiner Bereitschaft zu jeder möglichen Unterstützung dem enthusiastischen Friedensfreund ein wenig skeptisch zu bedenken geben, daß schon der eingeborene Kampftrieb des Menschen die Völker immer wieder zu blutigem Ringen, zu verhängnisvoller Erprobung der gegenseitigen Kräfte verleiten wird. Tatsächlich ist dieser Kampf trieb ein Faktor von ungeheurer Bedeutung für die Entwicklung des Einzelnen und der Nationen. Überall macht er sich — erfreulich oder unerfreulich — bemerkbar: seine künstliche Niederhaltung, sein dauerndes Brachliegen führt entweder zu plötzlichen, umso fürchterlicheren Ausbrüchen oder zu Verkümmerung und endlichem Untergang. Natürliche Anlagen des Menschen drängen stets nach Betätigung; sie unterdrücken zu wollen ist undankbar und gefährlich. Umso wichtiger ist es, sie in die rechten Bahnen zu lenken, sie zu Bundesgenossen des menschlichen Fortschritts, nicht zu seinen Gegnern zu machen. Die Klügsten unter den schriftstellernden Pazifisten haben erkannt, daß dem Sport bei) ihren Bestrebungen eine besondere Rolle zukommt, daß er imstande ist, Kräfte, die nach körperlicher Auswirkung drängen, denen der geistige und wirtschaftliche Wettbewerb nicht genügt, von zerstörender zu lebensfördemder Betätigung zu führen. So haben in manchen jener utopischen Romane die großen Konkurrenzen der sporttreibenden Nationen eilne außerordentliche Bedeutung. Tatsächlich stellen schon heut gerade diejenigen Völker die begeistertsten Vorkämpfer jeglichen Sports bei denen der Pazifismus die größte Anhängerschaft und dementsprechende Macht besitzt Und es ist anzuerkennen, daß trotz mancher gegenteiliger Tatsachen der völkerverbrüdemde Gedanke des hellenischen Olympia und seiner Spiele noch heut besteht und allen chauvinistischen Bemühungen gegenüber eine erhebliche Widerstandskraft gezeigt hat. Er wird — das ist mit einiger Sicherheit zu hoffen — auch den Boykott der Sportverbände mancher Ententestaaten gegen Deutschland und alle Bemühungen deutscher Antisemiten gegen die jüdische Gleichberechtigung im Sport überleben.— Man kann nicht verkennen, daß der Einfluß des Sports auf das Leben aller Nationen im Wachsen begriffen ist, ja daß er nie so groß und bestimmend war wie heut. Er hat in seinen verschiedenen Spielarten von allen Klassen aller Nationen Besitz ergriffen, hat Schule und Hochschule, Heere und Flotten erobert, hat selbst vor dem weiblichen Geschlecht nicht Halt gemacht und ist einer der besten Bundesgenossen der modernen Technik geworden. Er ist eine Macht, von der Presse. Parlamente, Regierungen Notiz nehmen müssen. Man hat in ihm den wirksamsten Bekämpfer jenes Militarismus erkannt, der die Jugend der Völker jahrelang in Kasernen sperrt und zu totbringenden Maschinen drückt; denn er schafft Geschlechter mit stählernen Körpern und unzerstörbaren Nerven, wehrhafte Nationen, die der kostspieligen und geisttötenden Ausbildung nicht bedürfen, um lebensgefährdendem Angriff zu widerstehen. Er ist schließlich das wirksame Gegengewicht gegen all die Schädigungen, die der wirtschaftliche Kampf von heute, die Nachkriegsnot, der Niedergang der öffentlichen Moral zur Folge haben müssen. Schließlich ist der Sport ein Verbündeter unterdrückter und schwacher Völker, die keine Machtmittel besitzen, um ihre Lebensnotwendigkeiten durchzusetzen, als diejenigen, die in der Person, in der Hingabe und Leistungsfähigkeit ihrer Menschen begründet sind. Wir Juden, die ohne Staat und Heer ein Land kolonisieren, in den Ländern des Galuth aber allen inneren und äußeren Anfechtungen zum Trotz als Juden leben wollen, brauchen eine harte, unverwüstliche Jugend, die überall körperlich und geistig ihren Mann steht. Darum auch finden wir jenes „Muskeljudentum“ abgeschmackt, das alle Verirrungen des Sportbetriebs anderer Völker mitmachen zu müssen glaubt. Wir Juden als ein geistiges Volk wissen, daß der Ölzweig des Siegers nur den schmückt, dessen geistiger und menschlicher Wert seinem körperlichen entspricht. Darum auch verlangen wir von unseren Sportsleuten, sich dessen bewußt zu sein, daß sie dem Volke dienen, während sie zu spielen scheinen. Wie groß die Ausdehnung der jüdischen Sportbewegung heut ist, wird den wenigsten bekannt sein. Neben großen Wanderbünden und Turnvereinen gibt es in Deutschland akademische und nicht akademische Ruderklubs, Fußballvereine, Leichtathletikabteilungen.. Die Erfolge des Jüdischen Ruderklubs Jvica, der Leichtathletikabteilung des Jüdischen Turnvereins _ Bar Kochba-Berlin dürften auch einer größeren Öffentlichkeit bekannt sein. In München ist der Jüdische Turnverein Bar Kochba, der zahlreiche bedeutsame Konkurrenzen für sich entscheiden konnte. Ausgedehnter und erfolgreicher als in Deutschland ist die Jüdische Sportbewegung im Osten und in Amerika, was bei der weitaus zahlreicheren jüdischen Bevölkerung dort nicht zu verwundern ist. — Der Jüdische Fußballklub Hakoah zu Wien hat Aussicht, bei den dortigen Ligakämpfen Tabellenerster zu werden; in Budapest schlug der jüdische Vivo es Athlekai Club den bisher ungeschlagenen ungarischen Fußballmeister M. T. K„ dessen Stärke der des deutschen Meisters l.F.-C. Nürnberg mindestens gleichwertig ist. Die Stärke des jüdischen Fußballverbandes in der Tschechoslowakei, wo im allgemeinen glänzender Sport geboten wird, ist bekannt, und es dürfte nicht ohne Interesse sein, daß sogar in Palästina jüdische Fußballmannschaften erfolgreich gegen englische Armeetams anzutreten imstande waren.

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