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Das jüdische Echo · 1921-12-09 · 49 (9.12.1921) · p. Seite 629

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
49 (9.12.1921)
Date
1921-12-09
Page
Seite 629 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 49 Das Jüdische Echo 629 jüdischen Wanderung eintrat. Diese Stauung ist seit langer Zeit beseitigt, es ist eine ständige Fluktuation der ostjüdischen Durchwanderer zu verzeichnen. — Die politischen Verhältnisse, die allgemeine Erschwerung der Wanderung haben dazu geführt, daß insbesondere die sogenannten Staatenlosen oft nicht weiterwandern konnten, so daß in Deutschland eine neue hinzugewanderte ostjüdische Bevölkerung von rund 55—60 000 Seelen überbleibt. Eine jüdische Sozialpolitik, die an die Lösung der durch die Einwanderung geschaffenen Probleme he ran gehen will, mußte dahin wirken, die notwendige Institution zu schaffen, um politischkonsularischen Schutz, Arbeitsbeschaffung und soziale Hilfe für die Ostjuden in Deutschland in die Wege zu leiten. Es wurde, nachdem sich die deutsche Judenheit zu dieser ostjüdischen Sozialpolitik entschlossen hatte, das Arbeiterf ürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands und das jüdische Arbeitsamt geschaffen, die sich mit ihren Nebenstellen über das ganze Reich ausbreiteten. Im Arbeiterfürsorgeamt sowie im Arbeitsamt und den ArbeiterfürsoTgestellen wurden die politüschkonsularische Tätigkeit, die Arbeitsbeschaffung und die soziale Fürsorge für die ostjüdischen Arbeiter zentralisiert. Wie mußte und muß nun eine solche Sozialpolitik für die Ostjuden in Deutschland aussehen? Boten die Tatsachen die Möglichkeit, etwa hier in Deutschland eine einigermaßen starke jüdische national jüdische Wirtschaft aufzubauen, diese Wirtschaft räumlich und sachlich von der umgebenden deutschen Wirtschaft zu trennen, wie es vielleicht vom Standpunkt einer jüdlschnationalen Sozialpolitik, die Zentren des jüdischen Lebens schaffen will, wünschenswert erscheint? Es hat sich heraus gestellt, daß ein solches Vorgehen in der Praxis völlig unmöglich ist. Die jüdische Arbeiterschaft in Deutschland kann ohne die engste Verbindung mit der Wirtschaft des Wirtsvolkes, ohne die engste Verbindung mit der deutschen Arbeiterschaft in Deutschland nicht existieren. Die jüdischen Arbeiter müssen in die L ü c k e n des deutschen Arbeitsmarktes einspringen. Sie müssen oft unter den schwierigsten Verhältnissen als ganz einzelne unter Hunderten und Tausenden deutscher Arbeiter arbeiten, und diese Vereinzelung, dieses Eindringen in die Lücken des Arbeitsmarktes ermöglicht überhaupt erst sehr oft dem jüdischen Arbeiter seine Existenz. Daß dem so ist, ist vom nationalen Standpunkt aus zweifellos außerordentlich zu bedauern. Denn naturgemäß unterliegt der einzelne jüdische Arbeiter, der gezwungen ist, inmitten einer fremden wirtschaftlichen Umgebung, inmitten einer fremden kulturelle]! Umgebung zu leben, rascher der Assimilation, ja, mehr noch, da die Assimilation mit seinen ökonomischen Vorteilen im Einklang steht, wird er sie oft wollen und wollen müssen. Trotzdem hat eine jüdische Sozialpolitik in Deutschland, die zunächst einmal das Leben des ostjüdischen Arbeiters erhalten will, keine andere Möglichkeit, als den jüdischen Arbeiter in engster Verbindung mit dem deutschen Arbeiter in die deutsche Volkswirtschaft einzugliedein. Wenn Politik die Kunst des Möglichen ist, so ist die jüdische Sozialpolitik ganz gewiß eine solche Kunst des Möglichen, und wie bei unseren anormalen Existenzbedingungen alle jüdische Politik immer nur eine Politik auf kurze Sicht, um wenigstens das Leben zu bewahren, sein kann, so kann auch eine jüdische Sozialpolitik in Deutschland zunächst nichts weiter erreichen, als solche Erhaltung eben dieses materiellem Lebens des jüdischen Arbeiters, der ohne diese Sozialpolitik dem H unser t o d e und der völligen Verelendung rettungslos preisgegeben wäre. Es mag hier erinnert werden an ein Wort Achad Haams: daß das jüdische Volk den Willen zu seiner Existenz nicht von Bedingungen abhängig machen kann, daß es den Willen hat, unter jeder Bedingung zu leben, und daß wir, wenn wir die nationale Existenz des jüdischen Volkes wollen, vor der Alternative völligen Untergangs und der Erhaltung des Körpers dieses Volkse im Grunde genommen gar keine Wahl haben, sondern verpflichtet sind, diesen Körper aufrecht zu erhalten, aus dem sich einmal ein geistiges nationales Leben wieder entwickeln wird. Wile nun hat sich in der Praxis eine Sozialpolitik für die Ostjuden in Deutschland zu gestalten? Es ist evident, daß das Grundprinzip einer solchen Sozialpolitik die Produkt ivierung der eilngewänderten jüdischen Masse sein muß, und es versteht sich von selbst, daß die in jedem Fall doch nur ganz beschränkt zur Verfügung stehenden Mittel eine möglichst produktive Verwendung des doch schließlich dem Nationalvermögen entnommenen Kapitals erfordert. In allererster Linie nun besteht die Produktvierung selbstverständlich in der Beschaffung von A r - b e i t. Eine solche Arbeitsbeschaffung kann erfolgen entweder durch Arbeitsvermittlung innerhalb des deutschen Arbeitsmarktes, sei es bei deutschen oder auch jüdischen Arbeitgebern, oder sie kann erfolgen durch Arbeitsbeschaffung für selbständige Handwerker oder Gewerbetreibende. Die Versuche nun, die in dieser letzten Hinsicht 8 5 8 L. Kielleuthner kgl. bayer. Hoflieferant 43 Maximilianstrasse 43 Bekanntes Haus, für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass y i; y 8 8 8 8 8

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