Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 49 (9.12.1921)
- Date
- 1921-12-09
- Page
- Seite 627 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 Das Jüdische Echo 627 nicht abweichen. (Starker Beifall.) Die Zionisten aber würden sagen, im April habe nur der Hauptvorstand mit seinem kleinen Anhang den negativen Beschluß in der Palästinafrage gefaßt, nun seien die Delegierten aus dem Reich gekommen und hätten den Vorstand desavouiert. Darum bekämpfe Redner die Resolution. Justizrat Brodnitz, der Vorsitzende des Zentralvereins, erklärte, er halte die Resolution für überflüssig, soweit sie einfach an dias Gedächtnis appelliert. Im allgemeinen identifiziert er sich mit den Anschauungen von Marx und bittet die Antragsteller, die Resolution zurückzuziehen, da die Abstimmung in jedem Falle ein Malheur wäre. Wird der Antrag abgelehnt, so ist es eine Verschärfung des Verhältnisses zu den Zionisten, die die Antragsteller nicht wollen; wird er angenommen, so wird die von der Versammlung gutgeheißene Taktik des Zentral Vereins unterbunden. Redner erklärt, er habe es stets abgelehnt, eine Interpretation des April-Beschlusses zu geben, die nur eine Abschwächung gewesen wäre, obwohl von mehreren Seiten an ihn hierwegen herangetreten worden seil. Der Beschluß beziehe sich aber natürlich nur auf die Stellung des Zentralvereins. Darüber hinaus wollen wir natürlich niemanden binden. Z. B. ist darauf hingewiesen worden, daß manche Mitglieder, die gleichzeitig dem Rabbinerverband angehören, von dort andere Direktiven bekommen haben. Nun ist es selbstverständlich, daß sie in ihrer Eigenschaft als Angehörige eines anderen Verbandes sich anders verhalten können als in ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Zentralvereins. Der Zentralverein sei keine Polizei und könne nicht die persönliche Freiheit einschränken. Insofern sei die Erklärung der April-Resolution selbstverständlich und daher überflüssig. Nachdem noch mehrere Redner gesprochen hatten, darunter auch ein Mitglied des Neutralen Jugendbundes, der für die Resolution eintrat, wurde schließlich die Resolution von Dr. Krombach zurückgezogen, unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, sie bei einer späteren Gelegenheit wieder einzubringen. Justizrat Brodnitz erklärte aber, daß eine Vertagung unzulässig sek er müsse darauf bestehen, daß die Resolution im materiellen Sinne zurückgezogen werde. Dieser Effekt wurde schließlich durch die Erklärung des Vorsitzenden erzielt, daß die Angelegenheit für diese Hauptversammlung erledigt sei, und es seil nicht Sache der Hauptversammlung, sich darum zu kümmern, was bei einer späteren Hauptversammlung geschehen wird Es stand nun nichts im Wege, den unangenehmen Gegenstand durch einen Antrag auf Schluß der Debatte zu beenden imd zu den feierlichen Schlußreden. überzugehen. Neben dem Palästinapunkt handelte es sich in dieser ganzen Debatte auch um die Jugendbewegung. Auch zu dieser Frage war von denselben Antragstellern eine Resolution eingebracht worden, die zum Ausdruck bringen sollte, daß der Aprilbeschluß keine Kampfansage an den Juge.ndverband bedeutet habe. Diese Resolution erfuhr dieselbe Behandlung wie die Palästinaresolution. In der Tat handelt es sich um diie nämliche Sache, denn die feindliche Stellung des Zentral Vereins gegenüber dem Jugendverband ist darauf zurückzuführen, daß der Jugendverband sich der Zionismusfreundlichkeit verdächtig gemacht hat. Die eingebraohten Resolutionen zur Palästina- und zur Jugendfrage waren gezeichnet von folgenden Herren: Ortsgruppe Essen: Dr. Krombach, Dr. Hahn, Dr. Reis-Krefeld, Moritz Levy-Krefeld, Dr. Alexander-Krefeld, Rülf-Detmold, Dr. Kronheim-Bielefeld, Rabbiner Dr. Rosenthal-Cöln, Dr. David-Hagen, Loewenstein-Aachen, Dr. Veis- Andernaeh, Jacobi-Cöln, Dr. Eschelbacher-Düsseldorf, Jonas-M.-Gladbach, Rosenthal-Hörde, S. Stern-Steele, Rabbiner Dr. Galliner-Gelsenkirchen, Rabbiner Dr. Neumarkt-Duisburg, Rabbiner Dr. Kaelter-Danzig, Dr. Levy-Polzin, Dr. Regensburger-Braunschweig, Dr. Walter-Dessau, Dr. Kantorowitz-Neukölln, Dr. Kehr-Kaiserslautern, Stein-Berlin, Rabbiner Nobel-Schneidemühl, Dr. Sonder-Zerbst, Siegfried Weinberg, Dr. Kahlberg- Halle, Stern-Kattowitz, Dr. Dienemann-Offenbach, Pollack-Seesen, Dr. Leo Löwenstein-Berlin, Rabbiner Dr. Wohlberg-Berlin, Bollmann-Bonn.“ Wenn auch die offenbar offiziellen Erklärungen, die der Vorsitzende des Zentral Vereins, Herr Justizrat Brodnitz, und der Referent, Herr Dr. Alexander-Crefeld abgaben, in praxi eine Milderung der früheren Zentralvereinsresolution zur Keren Hajessodfrage bedeuten mögen, so ist doch zu bedauern, daß die Organisation selbst aus den oben gekennzeichneten Gründen sich zu positiver Stellungnahme nicht entschließen konnte. Immerhin wurde das Recht des Einzelmitgliedes „unter Wahrung des vaterländischen Standpunktes nach freiem Ermessen seine Stellung zu nehmen“, ausdrücklich festgestellt und so zum Heil des deutschen Judentums der Kampf vermieden, den eine Sabotage des Keren Hajessodwerkes dmch den Zentralverein notwendig hätte zur Folge haben müssen. . Wir sind überzeugt, daß zahllose Mitglieder des Zentralvereins mit Freuden von der Möglichkeit