Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 49 (9.12.1921)
- Date
- 1921-12-09
- Page
- Seite 626 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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626 Das Jüdische Echo Nr. 49 abdrängen lassen. In dem uns auf gezwungenen Abwehrkampf um unser Recht und unsere Ehre, sehen wir eine wertvolle und notwendige Leistung zugleich für unser deutsches Vaterland, dessen Wiederaufrichtung der Mitarbeit aller seiner Bürger bedarf. Mit tiefem Schmerz gedenken wir der Einbußen des Reiches an Menschen und Ländern; den staatsrechtlich von uns getrennten Mitbürgern aller Bekenntnisse versprechen wir unwandelbare Treue.“ Leider brachten auch die Beratungen über die sogen, „innere Mission“ keinen erkennbaren Aufschwung, die sich an die Verhandlungen über die im Großen und Ganzen recht günstige Finanzlage des Zentralvereins anschlossen. Hier mußte gesagt werden, was man unter „innerer Mission“ versteht, ein wirkliches Arbeitsprogramm, ein Plan war zu entwickeln, und es hätte keinen gegeben, der mehr einer wahrhaft jüdischen Arbeit des Zentralvereins Erfolg und Fortschritte gewünscht hätte, als wir. Aber eben das ist ja nicht möglich; denn jede positive Betätigung des Vereins würde Stellungnahme, Konflikt, Sprengung der Organisation bedeuten, und so gut gemeint die Ausführungen der Herren R.-A. Dt. Eugen Strauß- Augsburg und Dr. Jsmar Freund auch waren — wir vermögen neben allgemeinen Erkenntnissen und Wünschen nichts Greifbares in ihnen zu finden. Frau Henriette Fürth-Frankfurt a. M. hatte schon recht, wenn sie im Verlauf der Debatte erklärte, durch die „neue jüdische Jugendbewegung“ — wie sehr ist sie vom Zentralverein bekämpft und gehemmt worden — besonders aber durch den Zionismus sei ein neuer Aufschwung in das Leben der jüdischen Jugend gekommen.“ Das ist nun gewiß richtig und wir glauben etwas davon auch in der Jugend, die heut auf Zentralvereinsboden steht, zu verspüren. Von ihr werden, wie wir glauben und hoffen, neue Wege gewiesen, neue Entwicklungen angebahnt werden, die anfänglich wohl eine Verschärfung des Gegensatzes zum Zionismus und anderen jüdischen Gruppen bedeuten könnten, schließlich aber doch in der Linie der lebendigen jüdischen Bewegung liegen würden. Noch freilich sind diese Kräfte recht schwach und zaghaft. Das zeigte sich in der Aussprache über die Palästinafrage, an der sich bei weniger geschickter und vorsichtiger Verhandlungsleitung /Ve uh aus ers/r. 75, gegenüber der alten Mademie 'eine die Geister hätten scheiden müssen. Wir bringen im folgenden den ausführlichen VerhandJungsbericht der „Jüdischen Rundschau“ zum Abdruck, der unsere Auffassung iin sehr bezeichnender Weilse bestätigt: „In der Schlußsitzung der Tagung, beim Referat des Herrn Dr. Alexander, über innerjüdische Fragen, wurde von einer von Dr. Krombach (Essen) geführten Gruppe eine Resolution folgenden Wortlauts vorgeschlagen: „Diie Hauptversammlung 1921 stimmt der in der Hauptvorstandssitzung vom 6.11.1921 vom gesamten Vorstand vertretenen Auffassung bei, daß in der Palästinafrage es jedem Mitglied, auch jedem Vorstandsmitglied als Einzelperson, freisteht, unter Wahrung des deutschvaterländischen Standpunktes nach freiem Ermessen seine Stellung einzunehmen und zu vertreten.“ Schon die Tatsache der Einbringung dieser Resolution hat Unruhe hervorgerufen. Die Herren des Hauptvorstandes wurden deutlich nervös. Dr. Krombach hat in seiner Begründung erklärt, daß die im April gefaßte Resolution der Arbeit des Zentral Vereins sehr geschadet hat. Viele Leute, die über die Bedeutung Palästinas anders denken, hätten sich dadurch vom Zentralverein entfernt. Auch Dr. Krombach ist der Ansicht, daß der Zentralverein nicht im zionistischen Sinn iin Palästina arbeiten könne (das wurde auch nie von ihm verlangt! Anm. d. Red.), wohl aber sei die Palästinafrage ein Problem, bei dem auch das Gefühl mitzusprechen hat und dlas für viele eine religiöse Bedeutung hat. (Zwischenruf: Sehr richtig!) Man dürfe nicht aus parteipolitischen Gründen diese heute akute Frage einfach ignorieren. Es sei, um Mißverständnisse zu beseitigen, dringend notwendig, zu erklären, daß die Aprilresolution in dem auch schon vom Vorstand angenommenen und jetzt Lri der vor geschlagenen Resolution ausgesprochenen Sinn zu verstehen ist. Als Hauptredner contra trat Herr Marx aus Karlsruhe auf. Er legte namens des Landesverbandes Baden Protest ein gegen die Behandlung dieser Frage, diern|.cht ,apf der Tagesordnung gestanden habe und erklärt, daß «diese Resolution eine deutliche Abänderung des Beschlusses des Hauptvorstandes wäre. Im April sei es allen Teilnehmern klar gewesen, daß es sich um eine Frage hochpolitischen Charakters handle. Dieselben politischen Bedenken bestehen auch heute. Praktsiche Palästinaarbeit ist; Mitarbeit am Keren Hajessod, die aber heue auch Dr. Krombach ablehne. Die Kolonisation Palästinas ist heute, nach dem Friedenskongreß, nichts anderes als politische zionistische Arbeit. Wer meint daß er in Palästina unpolitische oder unzionistische Siedlungsarbeit leisten kann, befinde sich in einem großen Irrtum. Redner erklärt, der Hauptvorstand habe durch seinen Beschluß verboten, daß der Zentralverein oder seine Mitglieder qua Mitglieder des Zentralvereins sich an der als politische, nationaljüdische Arbeit erkannten Palästinaarbeit beteiligten. Schließlich wies Redner darauf hin, welche Wirkung eine Annahme der neuen Resolution im Naumann-Lager und im zionistischen Lager haben müßte. Besonders dürfe man die Naumannsche Gefahr nicht gering schätzen. Naumann würde sofort die Resolution so interpretieren, daß der Beschluß des Hauptvorstandes aufgehoben sei und der Zentralverein zuir politischen Palästiinaarbeit eingeschwenkt habe. Der Zentralverein könne aber von seiner feindlichen Haltung gegenüber dem Zionismus