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Das jüdische Echo · 1921-12-09 · 49 (9.12.1921) · p. Seite 625

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
49 (9.12.1921)
Date
1921-12-09
Page
Seite 625 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Kummer 49 9. Dezember 1921 8. Jahrgang Än unsere Leser! Durch die stetig steigenden Herstellungskosten sehen nunmehr auch wir uns gezwungen, dem Vorgehen aller anderen Zeitschriften zu folgen und den Äbonnementpreis für „Das Jüdische Echo“ zu erhöhen. Er beträgt ab 1. Januar 1922 Mk. 36.— für das Jahr Mk. 9.— für das Vierteljahr Verlag und Redaktion des „Jüdischen Echo“ München, Herzog Maxstraße 4 Nach der Hauptversammlung des Zentralvereins Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens versteht sich auf Propaganda; das müssen auch seine Gegner zugeben. Seine Hauptversammlung Ende November in Berlin war überraschend gut beschickt; zweifellos hat ihm der wachsende Antisemitismus neue Anhänger zugeführt, obwohl der geringe Erfolg seiner Abwehrtätigkeit nicht gerade t zum Beitritt ermutigen sollte. Jedenfalls ist dleT' Zentralverein noch immer die numerisch stärkste Gruppe im deutschen Judentum. Ebenso zweifellos aber ist es — die Hauptversammlung zeigte es überdeutlich — auch diejenige Gruppe, deren innerer Zusammenhang, deren lebendige Kraft am schwächsten ist. Nichts von dem hinreißenden Schwung der zionistischen Bewegung, nichts von der zähen Kraft der Aguidas Jisroel! Es fehlt das große einigende Ziel, die gern eifnschaftsbi 1 d!ende Macht eines alle verbindenden Ideale, eines positiven Programms, das nun schon seit langem auf jeder Hauptversammlung verlangt wird und nile zustande kommt. Alle Reden und Proklamationen helfen eben nicht darüber hinweg, daß weder Deutschtum noch Judentum im Zentralvereinssinn so tragfähige Säulen sind, daß sich eine große jüdische Partei auf ihnen aufbauen könnte lind wenn von Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchis und anderen eine „positive Judentumspolitik“ verlangt wurde, so zeigt das, wie sehr klare Köpfe und gute Juden eine Interpretation dieser Begriffe durch gedankliche und reale Arbeit für nötig halten, um den Zentralverein zu einem eigentlich jüdischen Faktor zu machen. Wie aber sollte das möglich sein, da er in seinen Reihen Menschen und Gruppen aller jüdischen Richtungen vereinigt, von nationaldeutschen Juden bis zu Zionsfreunden und Orthodoxen. Wie will man zu einer einheitlichen jüdischen Auffassung gelangen, wenn d'ie ältere Generation mit ihrer Taktik übertriebener Vorsicht, zaghaftester Zurückhaltung, mit ihrem undemokratischen Notabelnsystem, ihrer sehr unjüdischen Einstellung sich schon kaum mit einer jüngeren Generation einigen kann, die bei aller ideellen Übereinstimmung doch in jeder praktischen Frage anders Vorgehen, würde als die augenblicklichen Machthaber! Nicht ohne Grund bringt das „Hamburger Jsraelitischie Familienblatt“ in einem offenbar inspirierten Aufsatze von fast lyrischer Begeisterung folgende etwas gar zu offenkundige Würdigung der geschickten Regie, die sich im Verlaufe der Hauptversammlung sehr deutlich geltend machte: „Während bei früheren Tagungen öfter eine gewisse Konfliktstimmung, die Vorahnung des unvermeidlichen Aufeiinandeirplatzens scharfer Gegensätze über grundlegende Fragen auf den Teilnehmern lastete, hatte man diesmal von vornherein die Sicherheit vollständiger Harmonie für die bevorstehenden Beratungen. Die Tagesordnung wies nur Verhandlungsstoffe auf, über welche wohl von Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Zweckmäßigkeit einzelner Maßnahmen, aber keine prinzipiellen Verschiedenheiten ifn, den Grundanschauungen die Rede sein konnte. Wohl nicht ohne Absicht hatte man Referat und Debatte über die inner jüdische Bewegung, welche eine solche Gefahr in sich bergen konnten, an die letzte Stelle geschoben.“ Über Thema, also über die großen Gegenstände der jüdischen Bewegung, die erschütternden Probleme der jüdischen Gegenwart, durfte also überhaupt nicht oder doch nur sehr vorsichtig gesprochen werden. Sonst hätte wohl auch auf dieser Tagung „die Vorahnung des unvermeidlichen Aufeinandeirplatzens scharfer Gegensätze über grundlegende Fragen“ auf den Teilnehmern gelastet. So begnügte man sich mit einem historisch recht anfechtbaren Referat des Herrn Landesrabbiners Dr. Rieger über: „Das Heimatriecht der deutschen Juden“ mit einigen wenig grundsätzlichen Ausführungen des Syndikus Dr. Holländer, die übrigens einen scharfen Protest gegen die Verleumdungen Ludendorffs und Mitteilungen über einen wenig rühmlichen Versuch des Generals, sich aus der für ihn allmählich doch recht peinlichen Affäre zu ziehen, brachte, sowie mit ein paar Diskussionsreden, von denen die der Frau Jusfizrat Dormitzer-Nümberg und des Herrn Dr. Urias-Hamburg erwähnt seien. Man kann nicht sagen, daß diese Aussprache wesentliche neue Gesichtspunkte gebracht hätte oder daß die folgende Resolution, mit der die Generaldebatte abschloß, irgendwelchen Fortschritt von der bekannten Zentralvereins-Argumentation zu positiver jüdischer Arbeit bedeutet: „Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens schart seit seiner Gründung die deutschen Juden um das Banner des Deutschtums. Von der treuen und freudigen Erfüllung klar erkannter vaterländischer Pflichten werden wir weder durch völkische Irrlehren noch durch antisemitische Drohungen oder Beschimpfungen uns

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