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Das jüdische Echo · 1921-11-25 · 47 (25.11.1921) · p. Seite 605

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
47 (25.11.1921)
Date
1921-11-25
Page
Seite 605 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 47 Das Jüdische Echo 605 stens die französischen Schulen leiten, eine Art Hochschule, die Universität St. Joseph, die sogar dem französischen Kultusministerium als vollwertige Anstalt untersteht. Aber auch die kleineren Nationen entfalten eine lebhafte Propaganda. Außer auf die Schulen erstreckt sich die Missionstätigkeit auch auf Waisen- und Krankenhäuser. Selbstverständlich sind auch, abgesehen von Jerusalem im Lande eine erhebliche Zahl von Klöstern von den verschiedenen Kirchen gegründet worden. Die Folgen dieses so wenig einheitlichen Schulwesens für die Entwickelung der arabischen Bevölkerung liegt klar zu Tage. Von einer Einheitlichkeit der Erziehung oder der nationalen Ideale konnte bisher hier kaum gesprochen werden, da die einzelnen Bevölkerunggruppen nicht nur gegeneinander ausgespielt, sondern als Vorspann fremder Interessen benutzt wurden. Einige Sätze aus Löhrs „Volksleben im Lande der Bibel“ sind so charakteristisch, daß ich sie hier wörtlich abdrucken möchte. „Man vergegenwärtige sich die vorher entrollte bunte Musterkarte von Schulanstalten, die noch dazu miteinander aufs heftigste konkurrieren. Wie buntscheckig muß, seinem Charakter, seiner Bildung, seinem religiösen Glauben und seinen sittlichen Idealen nach das Volk werden, das aus diesen Schulen erwächst? Soll der Bevölkerung Palästinas seitens der vielen Missionsanstalten ein Dienst geleistet werden, so müßte;hrer Jugend wenigstens die Liebe für die Heimat, das Verständnis für ihre Eigentümlichkeiten eingepflanzt und der Weg gezeigt werden, diese Heimat zu pflegen und emporzubringen.“ In neuerer Zeit hat die türkische Regierung versucht, ihr theoretisch schon lange ausgearbeitetes Schulprogramm auch auf Palästina auszudehnen. Die geplanten Schulen waren nur für die mohammedanische Bevölkerung bestimmt und als Regierungsschulen im Gegensatz zu christlichen und jüdischen Schulen von dieser unterhalten. Die sogenannten Mittelschulen, die vor allem von der Regierung gefördert wurden, fanden sich in den meistens größeren Städten, so in Jerusalem, Jaffa, Gaza usw. An ihnen wurde außer Türkisch, der Haupunterriehtssprache, Arabisch, Französich, Mathematik und eine Anzahl Realien gelehrt. Nach diem Regierungsprogramm sollte auch in jeder Dorfgemeinde eine Elementarschule bestehen, was natürlich keineswegs der Fall war; im Gegenteil dürfte auch heute noch die Zahl der Analphabeten selbst für asiatische Verhältnisse eine außerordentlich hohe sein. In den letzten Jahren vor dem Kriege zeigte sich unter der arabischen Bevölkerung ein gewisser kultureller Aufschwung. Ihre Presse wurde zahlreicher. Allerdings liegt das Hauptzentrum der neu sich entwickelnden arabischen Kulturbildung nicht in Palästina, sondern in Beirut und Damaskus. An wissenschaftlichen Instituten wurden von verschiedenen ausländischen Gesellschaften solche besonders in Jerusalem begründet, die zur Erforschung der Archäologie und Wissenschaft des Landes bestimmt sind. Die Kunst, die früher bei den Arabern in hoher Blüte stand, scheint gänzlich verschwunden! zu sein. Selbst auf dem Gebiete der Baukunst wird von der heimischen Bevölkerung nichts Bedeutendes mehr geleistet. Neuerdings entwickelte sich besonders von Beirut und Damaskus ausgehend eine arabisch-nationale Bewegung, die eine nationale Wiedergeburt des arabischen Volkes erstrebt. Orient und Occident in Palästina Palästina ist vielleicht das Land, das am stärksten das Aufeinanderprallen der Gegensätze Orient und Occident erlebt und teilweise auch überwunden hat. Trotzdem macht sich diese Gegensätzlichkeit auch heute noch überall und, jederzeit bemerkbar und trennt und verwirrt in immer neuen Krisen und Entwicklungsformen die Seelen. Einige Beispiele mögen das erläutern. Die römisch-katholische Kirche, die auch in Palästina zahlreiche Anhänger hat, stellt eine wunderbar einheitliche, eine typisch europäische Organisation dar, deren Spitze und Krönung der Papst in Rom ist. Der Papst allein entscheidet; sein Machtgebot kennt keine Ländergrenzen. Rom ist international; es beherrscht den Katholizismus und die Katholiken in aller Welt. Diese übervölkische Macht der katholischen Kirche, die in ihrem tiefsten Wesen beruht, erstreckt sich auch auf die Sekten und religiösen Richtungen, die, wie das in Palästina häufig der Fall ist, der Mutterkirche gegenüber ihre religiöse Besonderheit gewahrt haben. Denn diese religöse Besonderheit beruht lediglich im Formalen und kann sich auf Wesentliches nicht erstrecken; auch in den unierten Kirchen Syriens ist Rom die Herrscherin. Völlig anders sind die Zustände in den griechisch-katholischen, in, den sogenannten orientalischen Kirchen. Hier gibt es keine übernationale Macht, es fehlt demnach auch die Möglichkeit einer wirksamen Zentralisation vollständig und grundsätzlich. Ihre Verfassungen sind im Gegensatz zu der absoluten Roms demokratisch. Auch der mächtigste Patriarch hat nur Machtbefugnis im engen Bereich und sieht sich in wichtigen Fragen an die Entscheidung von Synoden, Kirchenversammlungen und Institutionen lokaler Art gebunden. Es scheint der Eigenart und ursprünglichen Geistesrichtung des Orients und vorzüglich des semitischen Orients zu entsprechen, daß, wie anderes, auch die Religionen „national“ — wir klammern uns nicht an dieses allzu europäische Wort — und regional bestimmt sind. Demgemäß gibt es eine armenische, griechische, russische, bulgarische, serbische, türkische Kirche und noch einige andere mehr in Palästina und jede dieser Kirchen besitzt ihr eigenes geistliches Oberhaupt, das dem der anderen völlig gleichgestellt ist. Bildet Rom eine Einheit, so bildet Byzanz eine Vielheit ohne erkennbaren Mittelpunkt. Das kann kein Zufall sein. Der Orientale will eben nicht zwischen Volk und Religion scheiden, er vermag das eine nicht vom anderen zu trennen; denn da er das Leben im allgemeinen viel subjektiver auffaßt, als der Europäer, ist für ihn nur ein Kultus denkbar, der seiner individuellen und völkischen Eigenart entspricht. Diese persönlichere Stellung zur Religion erhöht natürlich ihre Bedeutung und unmittelbare Wirkung auf den Einzelnen und auf das Volk. Die Religionen des Ostens spielen daher in ihrem Kreise eine größere Rolle als bei den Nationen des Westens. Ein Beispiel aus dem Kulturkreis des Islam möge das noch verdeutlichen. Es wird zeigen, (laß im Orient die nationale Einheit sich nicht nur ihre nationale Kirche schafft, sondern daß ein gemeinsames Bekenntnis sogar eine nationale Einheit zu schaffen vermag. Die Entstehung der Drusen liefert einen bemerkenswerten Beitrag zur Kenntnis des Geistes des Morgenlandes. Ein^ aus irgendwelchen Gründen geborene persische Sekte des Islam, deren Ausläufer bis nach

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