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Das jüdische Echo · 1921-11-25 · 47 (25.11.1921) · p. Seite 606

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
47 (25.11.1921)
Date
1921-11-25
Page
Seite 606 (sequence 17)
Language
German
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606 Das Jüdische Echo Nr. 47 Syrien und Palästina reichten, bildete sich unter neuplatonischem, christlichem und lokal-heidnischem Einfluß im Laufe der Zeit zu einem merkwürdigen Religionsgebilde um, von dem nicht feststeht, ob es dem Mohammedanismus. dem Christentum oder keinem von beiden zugehört. Der neue Glaube fand zahlreiche Anhänger. Aber seine Anhänger waren in der Masse der Andersgesinnten doch nur Einzelne. Doch führte sie die gemeinsame Überzeugung zu gemeinsamem Leben zusammen — und daraus entstand ein besonderes Volk; die Religionsbildung war die Vorläuferin der Nationalbildung. Ja, das neuentstandene Volk schuf sich seinen eigenen, arabische Dialekt, eine eigene Literatur, eigene Sitten und Gebräuche und sogar seinen besonderen körperlichen Habitus. Diese Eigentümlichkeiten waren so auffallend, daß man sich lange Zeit darüber nicht einig war, ob die Drusen Semiten oder nicht seien, ja, daß man sie für Abkömmlinge von Berberstämmen halten konnte. Heute wissen wir, daß sie blutmäßig durchaus identisch mit den übrigen Bewohnern des Landes sind und wir können sogar beobachten, daß die weitere Entwicklung infolge der Abspaltung von Sekten zur Entstehung einzelner Drusenstämme mit wiederum recht ausgeprägter Eigenart führt. Es bleibt eben im semitischen Orient das Streben nach möglichst kulturbegrenzten Einheiten immer lebendig und besonders wirksam. Alle menschlichen Begebenheiten und Entwicklungen unterliegen diesem Einfluß und wenn wir in folgendem darauf hinweisen werden, wie sehr auch das wichtigste Ausdrucks- und, Denkmittel des Menschen, die Sprache, davon beherrscht ist, so geben wir damit nur ein besonders deutliches Beispiel. Die meisten Eingeborenen in Palästina sprechen im Umgang arabisch. Freilich kein hocharabisch, sondern einen der zahllosen arabischen Dialekte. Eine Schriftsprache, die sich, wie das etwa im Deutschen, Französischen und Russischen der Fall ist, endgültig durchgesetzt hat, gibt es im Arabischen nicht. Wohl aber gibt es ein „klassisches“ Arabisch. Denn während die Schriftsprachen der europäischen Völker dauernder Entwicklung unterliegen, aus den Dialekten des Volkes stets neue Kraft, aus den Werken der großen Geister und Dichter neue Inhalte und Formen schöpfen, führte die Eigentümlichkeit des semitischen Geistes zur Normierung der Sprache. Wie der Koran, wie die Bibel schrieb — das war klassisch, so sprach Gott. Das ist ewiger Ausdruck; besser als Gott kann man nicht schreiben, als Gott „der den Bimmel gespannt und die Erde gegründet Lat“. Solche Anschauungsweise mußte die Sprache zugleich begrenzen, normieren und zerreissen. Denn der entwicklungsunfähigen Sprache der Geistlichen, Gelehrten und Grammatiker mußte die Sprache des täglichen Lebens gegenübertreten, die immer neu der Eigenart und den Bedürfnissen der Menschen, die sie sprechen, entquillt. So kommt es, daß die Beduinen des Jemen und die Araber von Damaskus einander nicht verstehen, obgleich beider Sprache der ihres heiligen Buches verwandt ist. Im regionalen Arabisch wird eben übermächtig das semitische Streben nach Kultureinheit, nach lebensvoller Begrenzung im kleinsten Kreis. Der Islam, die gemeinsame Religion, kann keine Brücke sein. In Europa freilich würde die kulturelle Verbundenheit einer gemeinsamen Kirche Wunder wirken. Man denke nur an den ungeheuren Einfluß des Katholizismus auf Süddeutschland, der fast zu einer Trennung von dem protestantischen Teil des Volkes geführt hätte. — Im semitischen Orient bleiben solche internationalen Mächte unwirksam. Immer wieder setzt sich die Gebundenheit engster Kreise durch; in der Religion, in der Sprache, überall. Wenn es ein den Menschen des vorderen Orients Gemeinsames gibt, so ist es die Bedeutung, die das Volkslied für sie hat. Die Menschen Arabiens, Palästinas und Syriens singen, der Rythmus des Liedes begleitet alle Handlungen ihres Lebens. Aber auch hier zeigt sich ihr Streben nach Einheit im engen Rahmen, nach gesteigerter Lebensfülle in begrenztester Eigenart. Jeder Stamm, jede Landschaft singt nur ihre Lieder, kennt die der nächsten Nachbarn nicht und will sie nicht kennen. Das wäre in Europa unmöglich. — Aber auch auf den Orient wirkt der europäische Geist der Organisation, der Zusammenfassung zu einem größeren Ganzen und dieser Kampf zwischen Orient und Occident durchdringt, zersetzt und einigt die drei großen Kulturkreise Islam. Judentum und Christentum, die heute Leben und Gestaltung Palästinas bestimmen. — Hier ist ein Schlüssel zur Erkenntnis der Tatsachen und Strömungen von denen die Entwicklung unseres Landes abhängig ist. Marcel Lew CSevneinclen-u.Vereins-Echo Chaluzim-Fürsorge. Dienstag, den 8. u. Donnerstag, den 10. Nov. passierten 2 Gruppen Chaluzim aus Litauen und Rußland auf der Durchreise nach Palästina München. Dank der Mitwirkung freiwilliger Helferinnen und Helfer klappte die Versorgung vorzüglich. Ebenso konnte durch das Entgegenkommen der Bahnverwaltung jedesmal ein Koupee reserviert werden. Voll Dank und unter den Klängen hebräischer Lieder fuhren die Gruppen nach Unständigem Aufenthalt weiter. Zum Empfang der zweiten Gruppe war auch Herr Rabbiner Dr. Baerwald anwesend, den die Chaluzimfürsorgestelle ihren herzlichen Dank ausspricht. Eingegangene Spenden für die Chaluzim-Fürsorge; Hauser 20.—, Meier Engelhardt 30.—, N. N. 100.—, N, N. 90.—, Rosenzweig 50.—, K. T. 50.—, Frau Lichtenstein 100.—, Aron Kohn 100.—, Frau Dora Orljansky 50.—, Jakob Bierschild, Burgkundstadt 10.—. Für die uns gütigst überlassenen Kleidungsstücke ebenfalls besten Dank. Weitere Spenden erbeten an Chaluzim-Fürsorgestelle, Rothmundstr. 6/1. Postscheck 15024. Bar Kochba München. Leichtathletik- Abteilung. Unsere Handballabteilung hat bereits gute Erfolge zu verzeichnen. — Die Jugendmannschaft gewann gegen Jahn I mit 6;1 gegen MännerturnvereinII mit 4:1, obwohl sie nur mit 9 statt 11 Leuten spielten. — Die Seniorenmannschaft gewann gegen Turnerschaft kampflos gegen Kolpingsturnerschaft mit 7:1. Zionistische Ortsgruppe München. Von Dienstag, den 29. November 1921 ab finden regelmäßig alle 14 Tage — an jedem 2. und 4. Dienstag des Monats — in den Räumen der Verbindung im K. J. V. „Jordania“, Bayerstr. 67/69 Rückgebäude I. Stock abends pünktlich (!) 8,15Uhr gemeinsame Abende der Ortsgruppenmitglieder statt. Diese Abende kommen dem Wunsche der Gesinnungsgenossen nach — fern von der zionistischen „Arbeit“ einander näher kennen zu lernen und gegenseitig sowohl zionistische als allgemein-

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