Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 47 (25.11.1921)
- Date
- 1921-11-25
- Page
- Seite 603 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 Nr. 47 Das Jüdische Echo 60$ tionalen abe, so I h. ein am Be- Völker. er und Ghauisequenlogische ien der eelische äter am enn sie fragen: in das gemeinmd das ren wir gegen sen der Unteren hinler wir gestützt zu den ien uns n von n eurounsere ome in /eg ist, halten, gen ist h und Trage Stelunserer familie. mn die lismus: e. Und ke, an weist, Frage, arabilt, wie beutern Volksan der uropä- )zial — gegen laß Ef- ■ gegen iwerste Fehler unserer kurzsichtigen Diplomatie, ihre größte Schuld. Wir müssen nun diese Front durchbrechen, indem wir eine Front mit den Fellachen gegen die Effendis bilden. Dies hat allerdings zur Voraussetzung, daß diese Front nicht allein gegen die arabischen Effendis gerichtet sei, sondern auch gegen die jüdischen.— * Kurz nach der Balfourdeklaration und auch nach San' Remo habe ich vor überspannten Hoffnungen auf diplomatische Errungenschaften, vor Siegesjubel und Geulahfeiern wiederholt gewarnt. Diese Warnung konnte damals nur Entrüstung und bestenfalls ein überlegenes Lächeln unserer gedankenlos Klugen auslösen. Es mußten blutige Ereignisse eintreten, um den durch einen kostspieligen Sensationsapparat gezeugten und genährten Wahn zu zerstören. Heute gilt es beinahe als banale Wahrheit, was noch gestern als Ketzerei gebrandimarkt oder bespöttelt wurde. Aber dieses Eingeständnis bedeutet nicht Umkehr, Umlernen, ist keine Preisgabe der alten Methoden, sondern Wandlung einer Stimmung, richtiger eine vorübergehende Verstimmung, die, durch äußere Ursachen bedingt, morgen wieder Umschlagen kann. Es hat keine Wandlung der Gesinnung stattgefunden, Die zionistische Denkart hat wohl einen Riß aufzuweisen, ist mehr oder weniger erschüttert, stellt selbst immer neue Krisen fest; sie bleibt jedoch oberflächlich und bequem wie zuvor, verharrt in ihrem politischen Leichtsinn, in ihrer moralischen Haltlosigkeit; sie vermag nicht zu einer neuen Erkenntnis und Sinnesart sich emporzuheben und hilft sich über alle Krisen, die nur Teilerscheinungen eines Grundübels sind, mit neuen Halbheiten und Inkonsequenzen hinweg. Es muß daher wiederum — die Klugen und Praktischen werden wiederum überlegen lächeln, aber wie lange noch? — gewarnt werden: Ändern wir nicht unsere politische und soziale Orientierung, die freilich eine tiefgehende reinigende Wandlung unserer moralischen Mentalität voraussetzt, verbinden wir uns nicht rechtzeitig mit den Mächten von morgen, mit den Entrechteten und Unterdrückten, mit den um Freiheit ringenden Völkern; wollen wir unsere Ansprüche durch Unterstützung einer Gewaltpolitik erobern und nicht durch Leistungen erarbeiten, beglaubigen und erweitern; wollen wir als Herrscher ins Land kommen und sprechen wie im militaristischen Geiste von einer Verdrängung der Araber; bauen wir unsere Politik nicht auf der Grundlage eines Bündnisses mit den legitimen Instanzen des arabischen Volkes, sondern auf Grundlage eines Bündnisses mit illegitimen Mächten, mit dem europäischen Imperialismus, gegen den Orient; — so verwirken wir unser historisch-moralisches Recht und die Araberfrage erhält auch rechtlich, d. h. nicht nur de facto, sondern (was schlimmer ist) auch de jure den Aspekt einer Judenfrage in ihrer höchsten Tragik, einer Judenfrage in Erez-Israel. Juni 1921. Dentist H. ULLMANN München, Baaderplatz 1/1, Tel. 25904 Spezialität: Laboratorium fiir feine Zahntechnik Die Bevölkerung Palästina» und ihre kulturelle Lage von Dr. Curt Nawratzki Der vorliegende Aufsatz, den wir Nawratzkis Buch „Das neue jüdische Palästina“ entnehmen, zieht im wesentlichen die Verhältnisse vor dem Kriege in Betracht. Abgesehen* davon, daß für die jüngste Entwicklung zuverlässige Zahlen und Angaben noch nicht, vorliegen, haben sich trotz mancher Veränderungen die Dinge doch nicht so gewandelt,, daß die folgenden Ausführungen ihre Aktualität verloren hätten. Die Sehriftl. Bis zum Kriege wurde die Bevölkerung Palästinas verschieden hoch geschätzt; zuverlässige. Zählungen gab es nicht, und so schwanken die Angaben zwischen 650 000 und 900 000 Seelen. Nehmen wir die Zahl von 800 000 Bewohnern als Maximalzahl an, so entfallen bei einer Berechnung Palästinas von etwa 36 400 qkm ungefähr 22 Bewohner auf den qkm. Relativ am dichtesten bevölkert ist die Provinz Jerusalem mit ungefähr 375 000 Seelen auf 9000 qkm (42 pro qkm). Unter dieser Bevölkerung befanden sich ungefähr 100 000 Juden, die, abgesehen von ungefähr 20—25 000, fast sämtlich in den letzten drei Jahrzehnten eingewandert sind. Die übrige Bevölkerung besteht fast ausschließlich aus arabisierten Syrern. Von den Juden sprechen die seit dem Mittelalter ansässigen Sephardim nicht wie sonst in der Türkei den spanischen Dialekt, das Ladino, sondern fast ausschließlich arabisch. Diese Gruppe der Sephardim, die vielleicht 10—15 000 Juden umfaßt, ist nach der Vertreibung aus Spanien im Jahre 1492 nach der Türkei eingewandert. Die übrigen Juden, die Aschkenasim, begannen besonders im 16. Jahrhundert nach den Kosakenaufständen in Polen in kleineren Gruppen nach Palästina einzuw an dem. Die Haupteinwanderung setzte aber erst in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts ein. Das von den aus Osteuropa einwandernden Juden gesprochene Jidisch wird in letzter Zeit immer mehr durch das stark sich entwickelnde Neuhebräisch verdrängt, das allmählich zur fast ausschließlichen Verkehrs- und einigenden Nationalsprache für alle Juden, die jetzt aus den verschiedensten Ländern einwandern, geworden ist. Die übrige Bevölkerung besteht fast ausschließlich aus den arabisierten Syrern, einer Mischbevölkerung aus den im 7. Jahrhundert eingewanderten Arabern und den früher ansässigen Syrern. Der rein arabische Typus findet sich nur bei den Beduinen, die das Ost]otrdangebiet wie den südlichen Teil Palästinas bewohnen. Im eigentlichen Palästina finden sich nur an einzelnen Stellen, wie z. B. in Galiläa kleine Beduinenstämme. In den Städten ist das Bevölkerungselement am wenigsten einheitlich^ so daß man dort alle Typen, vom tiefsten Negerschwarz bis zur helleren Hautfarbe des Südländers, findet. Außer diesen beiden Nationalitäten gibt es in Palästina noch kleine Volkssplitter anderer Nationalitäten. So wohnen ewa 2500 Deutsche, die größtenteils der Templergemeinde angehören und fast sämtlich vor 40 bis 50 Jahren nach Palästina eingewandert sind, in fünf Kolonien, die bei Jaffa und Haifa gelegen sind. Außerdem findet sich in diesen beiden Städten wie in Jerusalem je eine kleine deutsche Gemeinde. Außerdem gibt es noch Tscherkessen, die aus Bulgarien stammen und im Anfang der 80er Jahre von der türkischen Regierung in einiü