Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 44 (4.11.1921)
- Date
- 1921-11-04
- Page
- Seite 559 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 Das Jüdische Echo 559 Unter solchen Umständen und mit solchen Menschen haben wir zu arbeiten. — Es folgen die Resultate unserer Tätigkeit: Der Gruppenverbandstag hat unter Einschluß der Sonderverbände zirka 1000 Mitglieder; die Schiekelaktion ergab inklusive Misrachi etwa 1800 Schekolim. — Die Grenze zwischen „Mitglied“ und „Schiekelzahler“ steht in Gemeinden ohne Ortsgruppen leider nicht fest; hier entscheidet oft mehr die Gesinnung, das Zugehörigkeitsgefühl als die Zahlung der zionistischen Beiträge. — Bemerkenswert ist, daß die Schekelaktion auf eine Anzahl von Orten ausgedehnt werden konnte, in denen wir bisher noch nie Fuß gefaßt hatten und daß wir dort dauernde Beziehungen gewannen, so in Augsburg, Erlangen, Floß bei Weiden, Göppingen, Ingolstadt, Möckmühl, Neustadt a. d. A., Nördlingen, Passau und einigen kleineren Orten. Der Pionier unserer zionistischen Arbeit ist sehr häufig die Nationalfondsbüchse. Der Nationalfonds findet besonders auf dem Lande überall leicht Eingang. Wir entsenden jetzt eigens junge Leute auf die Dörfer und kleinen Städte, um dort für den Nationalfonds tätig zu sein. — Die Gesamteingänge des Nationalfonds in unserem Bezirk belaufen sich seit dem vorigen Gruppenverbandstag auf zirka 130 000 Mk., also auf nicht allzu viel weniger als im Jahre 1919/20 mit der Landfondsaktion. — Es scheint übrigens, als ob die Keren Hajessod-Sammlung dem Nationalfonds nur wenig abträglich ist; Orte, die stark hinter ihrem Nationalfonds-Kontingent zurückblieben, hatten stets auch schlechte Keren Hajessodergebnisse. Die Keren Hajessodaktion stand natürlich im Vordergrund der zionistischen Arbeit. Sie ergab bisher Zeichnungen in ungefährer Höhe von 13A Millionen Mark. Den größten Teil davon brachte der Gruppenverbandssekretär auf; das Resultat wäre viel besser, wenn man sich weniger auf ihn und mehr auf die eigene Kraft verlassen hätte. — Die Verhandlungen mit einflußreichen nichtziönistischen Kreisen sind hier wie überall noch in der Schwebe; in München und Nürnberg gibt es bereits neutrale Komitees, die aber der Erweiterung bedürfen. — Während die Propaganda des Keren Hajessod mit den Mitteln dieses Fonds selbst durchgeführt wird, steht der Zionistischen Organisation nur ein größeres finanzielles Instrument, die Zionistensteuer, zur Verfügung. Unser Versuch, ihre Einnahmen durch Einführung der Pflichtbesteuerung in München und Nürnberg mit einem Mindestsatz von Mk. 80.— zu steigern, darf als geglückt bezeichnet werden. Die Gesamteingänge im laufenden Jahre dürften zirka 30 000 Mark erreichen, eine Summe, die bedeutend erhöht werden könnte, wenn die diesbezüglichen Anträge des Vorstandes Annahme finden würden.— Ein Gruppenverbandsbeitrag wurde im vergangenen Jahre leider nicht erhoben. — Es war deshaib nicht leicht, die Wahlkosten zum Verband Bayerischer israelitischer Gemeinden aufzubringen. Die Jüdische Volksparteii aus Zionisten, betont jüdischen Liberalen (Mittelpartei) und einem Teil der Orthodoxie errang 12 Mandate; durch Beitritt auf der „Tagung“ ergab sich eine Fraktion von 15 Mitgliedern, also eine nicht unbeträchtliche Gruppe. — Große Dienste hat uns im Wahlkampf das „Jüdische Echo“ geleistet, das von vielen Zionisten und sehr zahlreichen Nichtzionisten gelesen wird. —■ Die Redaktion des „Echo“ ist jetzt wieder — nach einer Zeit des Interregnums — mit dem Gruppenverbandssekretariat vereinigt. — Aktualität kann..nicht Aufgabe des „Echo“ sein; seine Möglichkeiten bestehen eher darin, bestimmte jüdische Gebiete eingehend, sachlich und verständlich zu behandeln. Die Sondernummern der letzten Wochen weisen den Weg, den wir gehen wollen. — Natürlich erschöpfen sich unsere Propagandamittel nicht in der Verbreitung des „Jüdischen Echo“. Eine große Zahl von Broschüren wurden an geeignete Persönlichkeiten versandt, manche Nummern der „Jüdischen Rundschau“ mit Mutzen weitergegeben, die „Keren Haiessod“-Zeik:chrüi „Das Neue Palästina“ auf unsere Veranlassung einer größeren Anzahl von Personen zu'gestellt. — Die Schaffung einer Gruppen verbandsbibliothek, die insbesondere unseren Freunden in den kleinen Gemeinden zu Gute kommen soll, ist in die Wege geleitet. Wirkungsvoller freilich als Briefe, Bücher oder Broschüren ist die persönliche Einflußnahme. Es wird viel bei uns gereist, nicht nur vom Sekretär sondern auch von einer ganzen Reihe von Mitgliedern. — Wir haben ein Recht zu behaupten, daß es mindestens in Nürnberg einige Herren gibt, die für den Gruppenverband' arbeiten und sich für ihn verantwortlich fühlen nicht nur auf Gruppenverbandstagen und Vorstandssitzungen. Der Gruppenverband lebt. Er ist eben dabei, sich eine feste Organisation zu schaffen. — Aber so wichtig auch Statuten, Ressortvertretung, Finanzierung und ähnliches sind — wichtiger ist die Vermehrung der Mitarbeiter und Mitträger der Verantwortung. Wir brauchen Vertrauensleute überall, die uns und denen wir Vertrauen schenken. Der Gruppenverband ist keine München-Nürnberger Lokalinstitution. Er darf nie zur Parteimaschine werden. Er müßte es, wenn er nicht ringsum Anreger und Helfer finden würde. Es wäre unerfreulich, wenn das Gruppenverbandsbüro die Gesinnungsgenossen in den Ortsgruppen entlasten, sie eigener Arbeit entwöhnen würde. Die mustergültigsten Kartotheken, die ausgedehnteste Korrespondenz, die Vermittlung bester Informationen, die Beschikkung mit ausgezeichneten Rednern könnte den Ortsgruppen nie Ersatz für eigenes zionistisches Leben bieten. Das Gruppenverbandsbüro ist im wesentlichen Vermittlungsstelle. Es kann anregen, veranlassen, helfen: keine Arbeit, keine Aktion nur aus eigener Kraft durchführen. In seinem Rahmen kann es Ersprießliches leisten, wenn es sich damit begnügt, die Initiative der Ortsgruppen zu wecken und zu fördern. — Schon heut ist die Tätigkeit des Büros recht ausgedehnt; eine sehr erhebliche propagandistische Arbeit wird geleistet. — Die' Kosten des Büros dürften ihn Jahre 1921 55 000 bis 60 000 Mark erreichen. Dazu kommt noch die freilich ziemlich geringe Subvention des Münchener Büros und der Beitrag des Nationalfonds. ln München wird selbständig, aber in ständiger Fühlungnahme mit Nürnberg gearbeitet. Zur Unterstützung der Ortsgruppe hielt sich der Verbandssekretär ziemlich häufig, davon einmal für längere Zeit, in München auf. Münchener Gesinnungsgenossen betätigten sich mit besonderem Erfolg auf dem Gebiet der Ostjuden- und Chaluzimfürsorge. — An den israelitischen Landeskirchenwahlen in Württemberg haben wir uns nicht beteiligt. Es wäre aussichtslos gewesen. — Umsomehr Aufmerksamkeit schenkten wir der Jugendbewegung,