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Das jüdische Echo · 1921-10-21 · 42 (21.10.1921) · p. Seite 531

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
42 (21.10.1921)
Date
1921-10-21
Page
Seite 531 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 42 Das Jüdische Echo 531 Das Büro des Arbeiterfür sorgeamtes in Berlin wurde im Laufe eines Jahres von zirka 65 000 Petenten aufgesucht. Seit Mai 1920 wurden über 24 000 statistische Karten für Einzelfälle ausgestellt. Es wurden zirka 12 500 Ausweisungsfälle behandelt, der weitaus größte Teil mit Erfolg. In 14 000 Fällen wurde von unserer Stelle ein deutsches Legitilmationspapier besorgt. Heimatspapiere wurden in 5600 Fällen beschafft. In unserer Herberge in der Wiesenstraße wurden durchschnittlich monatlich zirka 8000 Personen beherbergt. Es wurden durchschnittlich in einem Monat 20 100 Mittagessen, 7290 Frühstücke, 6390 Abendessen ausgegeben. In der Zeit vom 1.1.1921 bis 31.5.1921 wurden durch uns zirka 2000 Personen in die Heimat gesandt. In der Toynbeehalle in Berlin (in der hebräische, jiddische, deutsche, polnische, russische Zeitungen aufliegen) wurden durchschnittlich im Monat 11 000 Portionen Tee verabreicht. An Kleidung haben wir durchschnittlich monatlich verausgabt: a) Männersachen: 160 Hemden, 180 Unterhosen, 200 Paar Strümpfe, 100 Paar Schuhe, 90 Hosen, 28 Jaketts, 4 Westen, 35 ganze Anzüge, 17 Mäntel, zirka 140 Kragen, Vorhemden usw. b) Frauensachen: 15 Hemden, 15 Beinkleider, 8 Blusen, 8 Röcke, 15 Paar Schuhe. 28 Paar Strümpfe, 8 Unterröcke, 10 Mäntel, zirka 150 div. In der Herberge in der Wiesenstraße wurden durch den Heimarzt behandelt: von Oktober 1920 bis 31. Mai 1921: 1. Revierkranke 343, 2. ins Krankenhaus überwiesen a) Insassen 109, b) Auswärtige, die aber unter der Fürsorge des AFA. stehen 45, insgesamt also 154, 3. Ambulant Behandelte 1210. Als Gesamtzahl ergibt sich die Ziffer von 1707 Personen. Fürsorgestellen im Reich Berlin, Auguststr. 17; Allenstein, Kaiserstraße; Reuthen, O.-S., Hohenzollernstraße 11; Bochum, Wittelsbacher Str. 5; Breslau, Freiburger Str. 12; Chemnitz, Brückenstr. 1; Dresden, Zeughausstr. 2; Duisburg, Quergasse 4; Frankfurt a. Main, Langestraße 30; Hamburg, Hartungstr. 9/11; Kattowitz, O.-S., im Hause der Synagogengemeiude; Köln a. Rh., Mozartstr. 56; Königsberg, Köttelstr. 11; KönigSihütte, O.-S., Poststr. 2; Mannheim, F 3, 13a; Saarbrücken, Futterstr. 25; Stettin, Elisabethstr. 10; Leipzig, Löhrstr. 10. Die politische Tätigkeit des A. F. A. Dem Arbeiterfürsorgeamt ist es gelungen, durch die Errichtung zahlreicher Stellen in der Provinz, durch die sofort einsetzende Sammlung von Material dort und bei der Zentrale Berlin, diie Staatsregieruug objektiv und ausreichend zu informieren. Offenbar hat diese informatorische, die Verhältnisse ungeschminkt, objektiv darstellende Tätigkeit der jüdischen Organisationen die Regierung in ihrem Entschluß, die Regelung der Ostjudenfrage in Deutschland auf dem Wege der Sozialpolitik zu betreiben, bestärkt. Was dies bedeutet, kann man ermessen, wenn man bedenkt, wie stark oft die Interessen dier einzelnen Ressorts mit einer im gesamten Staatsinteresse liegenden sozialpolitischen Lösung der Ostjudenfrage kollidierten. Es ist erreicht worden, daß bei allen irgendwie grundsätzlichen Entscheidungen, die die ostjüdischen Arbeiter in Deutschland betrafen, das Arbeiterfürsorgeamt herangezogen wurde, um ein Urteil über die Möglichkeit und Durchführbarkeit etwaiger Maßnahmen, soweit sie speziell Ostjuden betrafen, oder soweit sie die ostjüdischen Arbeiter auch nur berührten, abzugeben. Wenn die Regierung dem drängenden Ansturm von antisemitischer Seite auf eine Lösung der Ostjudenfrage in Deutschland durch unzweckmäßig radikale Gewaltmaßnahmen bisher standgehalten hat, so ist dies der aufklärenden Wirksamkeit der in Betracht kommenden jüdischen Organe zu danken, die stets das Problem, in seinen innenwie außenpolitischen Zusammenhängen darstellend, gleichzeitig auf die praktische Undurchführbarkeit irgendwelcher Gewaltmaßnaihmen in großem Maßstabe hingewiesen haben. Darüber hinaus hat das Arbeiterfürsorgeamt aber durch praktische Sozialpolitik, Dezentralisation und Produktivierung der zunächst nach den Großstädten strömenden jüdischen Arbeiter sein Teil dazu beigetragen, durch positive Leistungen die Schwierigkeit des vorhandenen Problems zu mindern. Dem schnellen Ausbau der Organisation im Frühjahr des vergangenen Jahres ist es zu danken, daß tausende von jüdischen Arbeitern Arbeitsstellen im besetzten Rheinland-Westfalen und in Oberschlesien gefunden haben und trotz aller durch die Besetzung entstehenden Schwierigkeiten auf ihren Arbeitsstellen verbleiben konnten. Hier wären, darauf muß nachdrücklichst hingewiesen werden, ohne dlie nur durch Zentralisation der politischen Tätigkeit geschaffene direkte Verhandlungsmöglichkeit mit den zentralen Regierungswie auch Besatzungsbehörden, Katastrophen nicht zu vermeiden gewesen. In diesem Zusammenhang muß an dem Beispiel Bayerns, das zu spät zu einer solchen Zentralisation der politisch-konsularischen Fürsorge für die heimatlosen Ostjuden schritt, gezeigt werden, wie notwendig gerade diese Tätigkeit des Arbeiterfürsorgeamtes ist. Man darf annehmen, daß auch die bayerische Regierung bei ausreichender Information durch eine von dem Vertrauen der gesamten jüdischen Öffentlichkeit getragene Stelle Maßnahmen, wie die Ausweisung aller „Ausländer“ (lies Ostjuden) binnen 5 Tagen wohl nicht getroffen hätte. Die Fürsorge für die ostjüdischen Flüchtlinge. Aber auch die Interessen der Flüchtlinge selbst werden durch die Tätigkeit des Arbeiterfürsorgeamtes in einer Weise wahr genommen, die gerade durch die Verbindung der politisch-konsularischen Tätigkeit mit der sozialen Hilfstätigkeit wohl ihresgleichen sucht. Durch die iibver das ganze Reich verzweigte Organisation, ist es möglich, eine sachgemäße, umsichtige Sozialpolitik zu betreiben. Es ist durch die täglich bei der Zentrale einlaufenden Meldungen über die Lage in den einzelnen Bezirken möglich, wenn es nottut und wo es nottut, die veränderte Sachlage zu berücksichtigen, Entlastungen vorzunehmen oder durch Zuweisungen von neuen Arbeitern, wo sie gebraucht werden, eine sich darbietende Gelegenheit für die Flüchtlinge rasch auszunutzen. Durch die bei der Zentrale zusarnmenlaufenden wöchentlichen Berichte über dlile Lage in den einzelnen Provinzen, über die Tätigkeit und Absichten der einzelnen Provinzialbehörden, der Landesarbeitsämter usw. ist bei der Zentrale ein umfassendes Material vorhanden, das wiederum durch die Herausgabe eines internen Informationsblattes allen Fürsorgestellen

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