Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 42 (21.10.1921)
- Date
- 1921-10-21
- Page
- Seite 530 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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530 Das Jüdische Echo Nr. 42 gung der Tatsache, daß diiese aus Osten zugewanderten Unglücklichen nicht zu einem ernsten Übel werden, durch das das deutsche Leben geschädigt und beeinträchtigt wird. Diese große und bedeutungsvolle Aufgabe hat das „Arbeiterfürsorgeamt“ zu lösen. Die Arbeit, di!e dieses Institut vollbracht hat, ist nach meiner Ansicht eine vortreffliche. Diie großen Schwierigkeilten, die vorhanden gewesen sind, wurden nach Möglichkeit bewältigt. In welcher Weise, darüber geben die nachstehenden Einzel berichte Auskunft. Diese selben Aufgaben bleiben auch in Zukunft zu lösen, und eine neue Aufgabe wird immer stärker in den Vordergrund treten. Es wird dafür gesorgt werden müssen, daß die in Deutschland befindlichen Ostjuden, die schon jetzt in beträchtlicher Menge aus Deutschland abwandern, schließlich in immer größerer Anzahl Ländern, Zuströmen, die für das Fortkommen der jüdischen Auswanderer besonders geeignet sind. Wer die Tätigkeit des „Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisation Deutschlands“ vorurteilslos in der Vergangenheit beobachten konnte, und wer die Aufgaben überblickt, die dem Arbeiterfürsorgeamt in Zukunft noch zu lösen verbleiben, der muß im Interesse der Gesamtheit der deutschen Juden und im Interesse der geflüchteten Ostjuden den dringenden Wunsch hegen, daß auch in der Zukunft sich die nötigen Mittel für die Tätigkeit dieser Organisation in Deutschland bei Gemeinden, bei humanitären Vereinen und Einzelpersonen aufbringen lassen. Die Beträge sind nicht gering zu veranschlagen, die hergegeben werden müssen. Werden sie aber in entsprechendem Umfang in Deutschland zur Verfügung gestellt, so werden die amerikanischen Glaubensgenossen, die so ungeheure und bewundernswerte Opfer für die Ostjuden bereits gebracht haben, ihre Hilfe auch in der Zukunft nicht versagen. Ich möchte wünschen und hoffen, daß die nachfolgenden sachlichen Ausführungen und meine kurzen einleitenden Worte dazu beitragen, die Gebefreudiigkeit der Juden in Deutschland anzuregen, damit die Fortführung einer Tätigkeit ermöglicht wird, die im Interesse Deutschlands, im Interesse des deutschen Judentums und im Interesse menschlicher Humanität unbedingt erforderlich ist. Das Ärbeiterfürsorgeamt. (Alle diese Zahlen beziehen sich nur auf die direkte Fürsorge der Zentrale Berlin. Diie von den örtlichen Fürsorgestellen behandelten Fälle sind hier nicht einbegriffen. Die Leistungen der Fürsorgestellen in der Provinz sind in ihrer Gesamtheit ungefähr in der gleichen Höhe zu veranschlagen.) Das Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands, ursprünglich entstanden aus einer jüdischen Abteilung der Deutschen Arbeiterzentrale und einer jüdischen Abteilung der deutschen Gewerkschaften, hat in eigenartig zusammenhängender Weise den politisch-konsularischen Schutz der jüdischen Arbeiter in Deutschland und ihre sozial-fürsorgerische Betreuung übernommen. In dler Tat sind diese beiden Zweige der Fürsorgetätigkeit bei den eigenartigen Verhältnissen des ostjüdischen Arbeiters in Deutschland gar nicht zu trennen. Von der Vertretung seines Heimatstaates, besonders Polen, oft preisgegeben, durch die Üngeklärtheit der staatsrechtlichen Verhältnisse im nahen Osten oft überhaupt ohne jeden konsularischen Schutz, als „Staatenloser“, war der jüdische Arbeiter an sich der Willkür und dem Antisemitismus unterer Polizeiorgane preisgegeben. Treueste sorgfältigste Arbeit, die Anerkennung und der gute Wille seines Arbeitgebers konnten ihn oft nicht auf seiner Arbeitsstelle halten. So kam es, daß zahlreiche ostjüdische Arbeiter gegen ihren Willen gezwungen waren, die Großstädte, wo siie doch leichter Unterschlupf vor den Verfolgungen und Schikanen finden konnten, aufzusuchen. Da griff das Arbeiterfürsorgeamt ein. Es gelang angesichts der besonderen Verhältnisse der ostjüdischen Arbeiter, für diie es zum Teil auch bei anderen ausländischen Arbeitern keine Parallelerscheinung gibt, die Anerkennung dieser besonderen Lage durch entsprechende ministerielle Verfügungen zu erreichen. So konnte das Arbeiterfürsorgeamt, finanziell besonders durch amerikanische Gelder dazu instand gesetzt, daran gehen, die im Interesse der ostjüdischen Arbeiter selbst, im Interesse aber auch der deutschen Volkswirtschaft an einer sozialpolitischen Regelung der ostjüdischen Arbeiterfrage in Deutschland liegenden Dezentralisierung der ostjüdischen Arbeiter von den Großstädten fort, insbesondere in die Industriebezirke hinein, vorzunehmen. Der Verbindung zwischen konsularisch-politischer Tätigkeit und sozialer Fürsorge, die für den plötzlich arbeitslos Gewordenen durch Gewährung von Unterkunft und Beköstigung für eine gewisse Zeit, durch Gewährung von Reisezuschüssen nach ihm nachgewiesenen Arbeitsstellen, einsprang, die für Arbeiter Arbeiterwohnungen in Baracken schuf, billige und gute Arbeiterküchen errichtete, ist es zu danken, wenn den heute in Deutschland befind^- liehen, seit 1919 zugewanderten und hiergebliebenen höchstens 55—60 000 Ostjuden wohl über 35 000 im Lande dezentralisiert, in der deutschen Industrie arbeiten und nur noch etwa 20—25 000 in Berlin sich befinden. Die konsularisch-politische Tätigkeit war es, die durch, Erleichterung der Legitimierung, Schutz gegenüber antisemitischen Maßnahmen einzelner Behörden, Schutz vor unberechtigten Ausweisungen, die Produkti vierung der ostjüdischen Arbeiterschaft in Deutschland ermöglichte; die soziale Fürsorge war es, die diie so geschaffenen Möglichkeiten für den jüdischen Arbeiter ausnutzte, zu seinem eigenen Wöhle, im Interesse des Staates und im Interesse der gesamten deutschen Judenheit, die mit Stolz auf das Vorhandensein einer jüdischen Arbeiterschaft in Deutschland hin weisen kann. Dieses ganze geleistete Werk ist, das muß gesagt werden, schwer bedroht, da die bisher vom American Joint Distributions Comitte zur Verfügung gestellten Subventionen eingestellt worden sind. Höchste Anstrengung der deutschen Judenheit ist erforderlich, uni das notwendige Werk weiterzuführen. Mode ff. Herrenschneider«! Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise I. 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