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Urwähler-Zeitung · 1849-12-02 · 204 (2.12.1849) · p. Seite 827

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Journal
Urwähler-Zeitung
Volume
1 (1849)
Issue
204 (2.12.1849)
Date
1849-12-02
Page
Seite 827 (sequence 4)
Language
German
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schrieben wird, weiß Zeuge zwar, von einer Mitwirkung d'Esters ist ibm jedoch nichts bekannt. Geschworner Charton will von dem Zeugen wissen, welche Richtung d'Ester vertreten habe? v. Unruh: d'Ester gehörte zur Lukersten Linken. Wie Ich seine Richtung näher bezeichnen soll, weiß ich nicht. Rechts-Anwalt Weichsel aus Magdeburg beginnt mit der Versicherung, er gehöre zu Waldeck's Partei, aber Waldeck's Ehrenhaftigkeit würde eine Parteinahme zu seinem Gunsten verschmähen. Die Frage: ob Waldeck für>die konstitutionelle Monarchie gewesen, bejaht er auf's Bestimmteste, er halte Waldeck für einen der entschiedensten Anhänger der konstitutionellen Monarchie. Der Verth eidia er liest ein Stammbuchblatt, welches Waldeck für Weichsel geschrieben hat und welches gleichen Sinnes mit dem in der Anklage erwähnten, kür den Grafen Görtz. ist Der Verteidiger bemerkt: auf den Zeugen habe die Aufforderung. sich zu Heldenkämvfen zu rüsten, eine andere Wirkung gehabt. als auf den Gr. Görtz. Landrath Reuter soll über eine Notiz, wonach Waldeck am 8. April mit d'Ester u. A. sich über die Dresdener Reise besprochen haben soll. Auskunft geben. Der Zeuge versichert, die Reise, zu welcher der Vorschlag von ihm ausgegangen sei, habe keinen andern Zweck gehabt, als die Erholung von beinahe einjähriger Anstrengung: Waldeck habe sich mit der ausdrücklichen Bemerkung angeschloffen. er habe die Dresdener Bilderaallerie noch nicht gesehen. Am Cbarfreitaq sei man abgerei'st. D'Ester und Bücher schlossen sich an; eine Zusammenkunft mit sächsischen Deputirten sei nur zufällig durch d'Ester veranlaßt worden. Er erinnert sich nur des Abg. v. Minckwitz und des Ministers Oberländer. Zn ein besonderes Zimmer habe man sich nur begeben, weil ihm, dem Zeugen, der Tabaksqualm aus dem allgem. Lokal, in das man sich begeben hatte, vertrieben habe. — Das war am zweiten Feiertage. — In diesem besonderen zu Parteisttzungen der säcbs. Abg. bestimmten Lokal habe man Bakunin anaetroffen. den der Zeuge im Sommer in Berlin gekannt hatte. Man scherzte, aß und trank und entfernte sich. Am anderen Tage besuchte man die Bilderaallerie in Begleitung des Minist. Oberländer. Waldeck interessirte sich besonders für die sirtinische Madonna und bemühte sich, einen guten Kupferstich aufzufinden und zu kaufen, was ihm endlich auch gelang Man reiste dann nach Berlin zurück. Der Zeuge charakterisier noch zu allacmeiner Erheiterung, was die Neue Preußische Zeitung damals über diese Reise Nbentheuerliches berichtet hat. Der frühere Abgeord. Assessor Bücher bestätigt dies Alles. Grabow (er ist 44 Jahr M soll Zeügniß über Waldecks Charakter und parlamentarische Thätigkeit ablegen. Der Zeuae charakterisirt zunächst seine Parteistellung gegenüber der Waldeck'- schen und erklärt d-wn: daß er während des Zusammenseins als Abgeordneter. Waldeck nur von der ehrenhaftesten Seite kennen gelernt habe. Wie weit auch ihre politischen.Meinungen auseinander geganaen. nie sei ihm eine Thatfache kund geworden, welche auf Waldeck's Charakter einen Schatten zu werfen vermöchte. Zn der Adreß-Kommisston der Nat.-Vers. welcher Waldeck angehörte, sei von Anffmben einer konstil. Monarchie die Rede gewesen, und wenn Waldeck ^>'ne llebrrzeugung mit Wärme. Kraft, oft mit Leidenschaft vertheidigt habe, so habe das Zeder gcthan. Ebenso in der zweite'- ^ammer. Der Zeuge fuhrt mehrere Thatsachen an. um Ga^eck's monarchische Gesinnung darzuthun; namentlich eine Ansprache des Präsidenten der Naüonal-Versammlung an den König zum 15. Oet. v. Z., welche ausdrücklich erklärt: die Nat.-Vers. wisse die Treue für den Könia von der Treue für das Volk nicht zu trennen und die von Waldeck ausdrücklich gebilligt worden sei, so wie Waldeck's Verhalten in der deutschen Frage. vr. Lehmann versichert, im engl. Hause habe d'Ester beim demokratischen Congreß erklärt, bei Collifionen zwischen seinen Geschäften als Abgeordneter und als Mitglied des demokratischen Central - Ausschusses würde das letzte Amt dem elfteren weichen müssen. Der Vertheid. Dorn mackst darauf aufmerksam, daß d'Ester selbst schon dem Minister v. Manteuffel in der zweiten Kammer über diesen Punkt berichtigt habe. — Die Staatsanwaltschaft treffe der Vorwurf, trotzdem die unrichtigen Quellen bei der Anklaae benutzt zu bähen. Assessor Grube bekundet: Vor 10 Zähren habe er in Westfalen eine verwittwete vr. Rabe und einen Postsekrctair Gödiche kennen gelernt. Als Abgeordneter zur zweiten Kammer in Berlin einaetroffen. begegnet zufällig der Zeuge die Frau vr Rabe und erfährt von ihr. daß sie inzwischen die Frau des Gödsche geworden sei. Zeuge und seine Frau besuchten die Familie Gödsche. Die Frau G. machte zuerst den Versuch, durch die Frau des Zeugen diesen zum lieberlritt auf die Rechte gegen das Versprechen doppelter Diäten und 40 Tblr. ema für wichtige Abstimmungen zu bestimmen. Auch ihm selbst machte Gödsche dieses Erbieten. Geld — meinte er — könne man immer gebrauchen, der Zeuge könne ja auf der linken sitzen bleiben und mit der rechten stimmen. Zeuge bekundet noch Details über Gödsche's scheinbaren Einfluß und Verbindungen. Zhm standen Theaterbillets jederzeit zu Gebote, die er verteilte; er rühmt sich Einflusses auf die Maaßnahmen der Polizei re. Der Zeuge überreicht Bescheinigungen, durch welche er darthut. daß er diese Vorgänge bereits vor Einleitung des Prozesses gegen Waldeck andern Personen in seiner Heimat Dülmen mitaetheilt hat. Gödsche soll dem Zeugen vorgeftellt werden. Er ist anfänglich nicht mehr anwesend und wird berbeigeholt. Er erscheint. stebt den Zeugen und tritt überrascht und erblassend zurück. Grube wiederholt seine Erzählung. Gödsche widerspricht den speeiellen Angaben über versuchte Bestechung. er halte den Zeugen für einen ehrenhaften Mann, der gewiß nicht mit ihm bis zu seiner Abreise verkehrt haben würde, hätte er ihm dergl. Anerbietungen gemacht. Grube erklärt: Gödsche habe ihm gesagt. ein reicher schlesischer Gutsbesitzer habe ihm Geldmittel für solche Zwecke zur Disposition gestellt- Gödsche räumt ein. ein schlesischer Gutsbesitzer habe in seiner Familie für jede Stimme 10 Thlr. geboten', dochlhabe er ihm, dem Zeugen, keine Anerbietungen gemacht. Der Zeuge Grube wird über seine Angaben vereidet. Paule I Ubr. — Um 2 Uhr wird die Sitzung wieder ausgenommen. Ohm war bei seinem Wiedereintritt in den Saal vom Publikum mit einem höhnischen Ah empfangen worden. Er führt beim Präsidenten hierüber Beschwerde und erklärt, er werde vor diesem Publikum keine Aussage weiter machen. Vors.: Es fehlt Zbnen nicht an Schutz, wenn Sie beeinträchtigt werden sollten, und ich mache Sie darauf aufmerksam, daß Sie Ihre Aussagen nicht dem Publikum, sondern Ihren Richtern zu machen haben. Ohm erklärt, er werde keine Antwort mehr neben. Man steht, die Keckheit des Angeklagten ist jetzt gebrochen er ergreift den Vorwand, den ibm die Kundgebungen der Zuhörebieten, mit Hast, um weiteren ihm unangenehmen Zeugenerklärunaen Stillschweigen entgegensetzen zu dürfen Rechtsanwalt Gräßer. vom Gebeimen Ober-Tribunal, wird als Zeuge vernommen. Er kennt Waldeck seit 18 Jahren, lebt seit 10 Jahren mit ibm in den innigsten Beziehungen als Amtsgenösse. Zu der Reise nach Dresden hat er Waldeck auf Veranlassung des Arztes geratben, da Waldeck einer Erholung bedürfte. Kleber Waldeck's Charakter glaubt er aus den lanajährigen Verhältnissen, in welcher er zu ibm in Hamm, in Münster gestanden, bezeugen zu müssen: ..Waldeck war nicht bloß ausgezeichnet durch Bildung, Talent und Wissenschaft, er glänzte

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