Urwähler-Zeitung
- Journal
- Urwähler-Zeitung
- Volume
- 1 (1849)
- Issue
- 204 (2.12.1849)
- Date
- 1849-12-02
- Page
- Seite 826 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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826 mälde in Lebensgröße als Goncurrenzbild ausfchreibe, das den erhabenen Zusammenhang darstellt, welcher zwischen dem wohlverdienten Ohm und dem Gluck des preußischen Volkes besteht. Ein Bild, das uns darstellt: Wie es Dbm dem Gödsche, wie es Gödsche dem HLncketdey, wie es HinSeldey dem Manteuffel, wie es Manteujfel den Kammern mittheil^. Wie die Kammern jubeln und das Volk einundzwanzig Millionen als Dank für die Rettung des Vaterlandes herbeischleppt. Eine Frage gar schlicht. Eine Antwort von Gewicht Frage: Ohms Verhastsbefchl wurde am 1-t. Mai zur sofortigen Ausführung ausgestellt, ist aber erst am 16. Mai zur Ausführung gekommen; was war denn das für ein Tag, der zwischen den 14. und 16. Mai lag? Antwort: Ohm würde verhaftet wegen eines angeblichen Briese» von D'Ester. Der Brief von D'Ester wurde gebraucht, um Waldeck verhaften zu können. Am 14. Mai galten noch die ordentlichen Gerichte für Berlin. Am 15. wurde das Kriegsgericht eingesetzt. Am 16. Morgens war dies an den Straßenecken zu lesen. Am 16 Nachmittags wurde Waldeck verhaftet, und schon wenige Tage darauf forderte die Kreuzzeitung, daß Walveck vor das Kriegsgericht gestellt werden solle. Bericht über den Waldeckschen Prozeß. Sonnabend, 1. December. Um 9H Uhr beginnt die Sitzung mit der Zeugenvernehmung des Weinhändler Hippel, Inhaber eines Lokals, das von je der radikalen Partei in -Berlin als Sammclort gedient hat. Zn Ohm's Papieren befindet sich ein Brief: ..Hrn. Hippel. Die Ihnen schuldia gebliebene Rechnung wird Ihnen Herr Buh! berichtigen. D'E" Zeuge versichert, daß D'Ester ibm nichts schuldig geblieben sei. Ohm weiß nicht, wie er zu diesem Zettel gekommen ist, er leugnet, Laß derselbe m seiner Schlafrocktasche zerrissen gefunden ist. Ober-Trib.-Rath Geligo bekundet, Mittags 2 Uhr, an dem Tage, wo Waldeck verhaftet wurde, gesehen zu haben, wie Waldeck zum Anh. Thore hinausgegange'n. Beide Zeugen wurden vereidigt. Waldeck's Dienstmädchen Wolff weiß nicht, wann er an jenem Lage ausgegangen. wohl aber, daß er um 2 Uhr zurückgekehrt sei. Ohm dat sie nie in der Wohnung ihres Herrn gesehen. — Ohm erklärt, er sei einmal bei Waldeck gewesen, um ihm die Nachricht zu bringen, daß er gewählt sei. Früher hat er zu Protokoll behauptet, er stehe mit Waldeck in intimen Verhältnissen. Auch Gödsche hat, auf Ohm's Angaben gestützt, dies erklärt. Gödfche (unter Zischen des Publikums emtrctend) wird vom Vors, veranlaßt, sich im Gerichtslokal aufzuhalten, da seine Vernehmung öfter nothweiidig werden könnte. Der Zeuge leugnet, in der Voruntersuchung jene Angabe Ohm's gemacht zu haben, daß Ohm am 16. Mai im Waldeckschen Hause gewesen sei. Er habe cs „nach Ohm's Worten"' geglaubt. Auch dem Polizei- Präsidenten hat er mitgetyeilt, Ohm sei nach seiner Flucht in einer Droschke nach Waldecks Wohnung gefahren. Ohm will Gödsche davon Nichts gesagt haben, dagegen hat Gödsche in der Voruntersuchung beschworen, daß Waldeck mit d'Ester mehi> mals Ohm besucht habe und von ibm besucht worden sei. Ohm. Er wolle es nur gestehen. In seiner Abwesenheit sei einmal ein großer alter Herr und ein kleiner bei ibm gewesen. Sein Nachbar Ernst habe ihm gesaat: es seien Deputiere da gewesen; daß „der große alte Herr" Waldcck gewesen, habe er vermachet. Lachen im Zuhörerraume. Ohm erklärt, er werde Nichts mehr aussagcn. wenn die Zuhörer sich durch stachen einmischten. Der Vors verweist den Zuhörern diese Einmischung. Ohm hat Gödsche bei der Flucht erzählt, er habe einen Zettel von Waldeck gehabt, der sich in einem rolben Notichuch befunden. Ohm erklärt, Gödsche müsse ein besseres Gedächtniß haben, er könne sich auf Zettel und solche Kleinigkeiten nicht besinnen. Auch der Staatsanwalt befragt Ohm über diesen Zettel, er bleibt bei seiner Antwort. Ernst weiß Nichts von jenen Besuchen, nur daß Ohm ihm ein Geschäft daraus zu machen schien, für Abgeordnete Wohnungen zu suchen. Ohm habe ihm Namen genannt. Wenn Ohm mit d'Ester 8 bis 9 mal hei ihm gewesen sein will, so behauptet der Zeuge eine Lüge. Auf Veranlassung des Staatsanwalt erzählt der Zeuge noch: Ohm sei als demokratischer Wahlmanns-Candidat im Bezirk ausgetreten. — Zwei Köchinnen der Waldeckschen Familie, die allen Fremden die Lhür öffnen mußten, haben d'Ester nur einmal gesehen, wo er Waldeck nicht angetroffen, Ohm niemals. Der frühere Abgeordnete. Staats-Prokurator Schornbaum aus Koblenz versichert, Waldeck habe am 16. Oetbr. beschwichtigend zu den Arbeitern gesprochen und sich bemüht, sie zum Wegräumen der gebauten Barrikade zu bewegen. Er habe die Arbeiter auf den gesetzlichen Weg verwiesen. Der Zeuge bestätigt. daß zu den Fraktionssitzungen der Linken der Nation.-Vers. in der Regel Nickttmitglieder nicht zugelassen wurden. Ohm bat der Zeuge nie gesehen, lieber die polit. Grundsätze Waldeck's und seiner Fraktion versichert der Zeuge: es habe sich bei allen Bcrathungen nur um Realisirung einer konstitut. Monarchie gehandelt. Landes Ger.-Rath Rambs aus Aachen, früher Abgeordneter der 2. Kammer. Nach ihm war die Durchführung des Prinzips der Gleichberechtigung, die Herstellung eines wahrhaft konstitut. Lebens, Tendenz der äußersten Linken. Von socialer Republik sei in den Partei-Versammlungen nie die Rede gewesen, lieber eine Theorie: ob die Republik eine bessere Staatsform sei. wurde nie verhandelt. Man bewegte sich lediglich auf dem Boden der gegebenen Verhältnisse u. es hatte kein Mitglied je Gelegenheit wahrzunchmen. daß Waldcck an einen Umsturz gedacht hat. Wer Waldcck kenne, werde wissen, daß ein gescheidter Mann, ein honetter Mann', ihm Vorschläge der Art, deren die Anklage erwähnt, zu machen nie gewagt haben würde. v. Unruh (Allgcm. Aufmerksamkeit.) Hans Victor v. Unruh, 43 Jahre alt. Er soll bekunden, ob Waldeck sich nie für Einführung der republikanischen Verfassung ausgesprochen habe. Der Zeuge beruft sich auf eine Acußcrimg Waldecks in seiner Broschüre. Herr v. Unruh als Präsident der National Versammlung hatte Ursache, Waldecks Meinungen in einem vertraulichen Gespräch kennen zu lernen. Er suchte Gelegenheit hierzu und Waldcck äußerte: eine repuplikanische Verfassung würde in Preußen nie Bestand haben, sie würde nur zu einer wahrhaft konstitutionellen Monarchie zurückfrihren. Waldeck's Charakter wird vom Zeugen als achtungswe,-ch geschildert. Der Zeuge berichtet von den Vorfällen des 11. Nov., wie er das Cchützerihaus und die Umgebung der dort tagenden National Vetiamm« lung von Bewaffneten habe räumen lassen, womit auch Waldeck als Vicc-Präsideitt einverstanden gewesen. Er rechtfertigt Waldeck auch wegen der Vorgänge vom 16. Oct. Von der Flucht Tcchow's, die in einem der Ohmschen Briese d'Ester zu ge