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Urwähler-Zeitung · 1849-12-02 · 204 (2.12.1849) · p. [Seite]

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Journal
Urwähler-Zeitung
Volume
1 (1849)
Issue
204 (2.12.1849)
Date
1849-12-02
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Beilage zu Nr. 2VL -er Urwähler Zeitung. Sonntag, den 2. December 1849. Beseitigung aller sie hemmenden Fessel»; dazu aber bedürfe eS vor Allem der Verwirklichung der deutschen Einheit, vr. La« dendorf wurde aufgesordert, den gehaltenen Vortrag drucken zu lassen. Die Sitzung blieb ohne Störung von Seiten des Abgeordneten der Polizeibehörde. — In der Spenerschen Zeitung erklären heut Kunstgärtner und Auktions-Commiffarius Ohm, daß sie mit dem Handlungsdiener Ohm in keiner Weise verwandt sind. — Die Wiener Post ist seit zwei Tagen auSgeblieben. — ES giebt für Berlin nur «inen Gegenstand des Interesses — den Waldeck'schen Prozeß. Mit jedem Tage werden „die Enthüllungen" mehr enthüllt. — Der heut an den Tag gekommene Bestechungs-Versuch eines frühern Abgeordneten, des Herrn Assessor Grube, Seitens des Herrn Gödsche — ist ein neuer Beweis, daß da« „absolutistisch-pietistische Preußen, thum", indem eS gege» den französischen CoustitutionaliSmus agitirt, das CorrumptionS-System des französischen Constitutio, nalismus nicht verschmäht. — — Ueber Hrn. Ohm, Gödsche, Pierstg und Genossen herrscht überall eine Stimme der Entrüstung. — Jeder Mann von Ehre, er gehöre einer Partei an, welcher er wolle, fühlt das Schmach, volle der von diesen Leuten aufgeführten Komödie. — Die konservative Partei erkennt jetzt, wer die Männer sind, die sich zu ihren Vorkämpfern aufwerfen und denen vor Allem daran gelegen ist „die Reinheit de« Princips" aufrecht zu halte», die sich aber doch nicht scheuen in der frivolsten Weise den preußischen Patriotismus zum Deckmantel der gemeinstes Jutriguen zu nehmen. — Die „Neue Preuß. Zeitung", die edle Streiterin für Wahrheit und Recht, verschmäht die kleinsten Kunstgriffe «icht; in ihrem gestrigen Bericht über den Waldeck'schen Prozeß verfälscht sie die Aussage der Sachverständigen über die d'Ester'schen Briefe. — Alles zur größer« Ehre Gottes! — An den Schaufenstern der Kunstläden bemerkt man seit gestern eine Lithographie „Waldeck vor den Geschwornen." — Der Hempelsche stenographische Bericht wird in mehr als 25,000 Exemplaren abgesetzt. In Berlin allein ist eine Abonuentenzahl von mehr als 10,000 Personen. — Verschiedene von außerhalb durch den Telegraphen gemachte Bestellungen konnten gar nicht effectuirt weroen« — Von der Weichsel, 20. Nov. Der de- Hochverrat« angeklagte ehemalige Abgeordnete der Nationalversammlung KreiSphysicuS Or Boeck ist einstimmig freigesprochen So eben erhalte ich diese kurze Nachricht. (Ons.-Z.) Düsseldorf. 28. Nov. Seit Montag beschäftigt den Assisenhof eine große und interessante Prozedur. Es stehen nämlich drei Bürger aus Neuß und Gladbach vor den Schranken, unter der Anklage, im Mai. d. I. eine» Versuch zur Erstürmung des Zeughauses gemacht zu haben. Es find 60 Zeugen zu vernehmen. Die Vertheidigung führt der Avvokat-Anwalt Blöm, früheres Mitglied der aufgelösten preußischen National- Versammlung. Das Publikum schenkt dieser Verhandlung ein ganz ungemeines Interesse und aus der Umgegend find Fremde hier, die der Prozedur beiwohnen. (D. V-) Kassel, 27. Nov. Die Ständeversammlung ist heute über den Bayrhoffer'schen Antrag auf Untersuchung der NechtS- und Verfassungsmäßigkeit des DreikönigSbündniffeS und der Verordnung in Betreff des Bundesschiedsgerichts, nach langer stürmischer Discusfion, mit 28 gegen 18 Stimmen zur Tagesordnung übergegangen. 17 Mitglieder der Linken ließen durch Bayrhoffer nach der Abstimmung einen Protest zu Protokoll erklären, worin sie dem kurhesstschen Volke alle seine Freiheiten und verfaffungSmäßigeu Rechte wahren, und den Anschluß und die Verordnung für rechtsungültig und unverbindlich für das kurhesstsche Volk erklären. — Abgeordneter Henkel warf dem Abgeordneten Bayrhoffer vor, er wolle überhaupt Nichts, was zum Besten Deutschlands gereiche, seine fixe Idee sei die „demokratisch,sociale Republik." Er habe im vergangenen Jahre die Paulskirche stürmen wollen, und nicht ihm habe man eS zu verdanken, wenn nicht alle seine Gegner das Ende AuerSwald'S und Lichnowsky's gesunden. Ein entsetzlicher Lärm, in den sich auch die Gallerie mischte, folgt« dieser Aeußerung. Viele Mitglieder erklärten, den Saal zu verlassen, wenn nicht Hrn. Henkel alsbald das Wort entzogen werde; der Ordnungsruf des Präsidenten an Herrn Henkel vermochte die Aufregung nicht zu beschwichtigen; man begab sich erst zur Ruhe, als Hrn. Henkel durch die Majorität der Versammlung das Wort entzogen war. Herr Bayrhoffer äußerte später, er habe von der Stürmung der Nationalversammlung erst Nachricht erhalten, als dieselbe geschehen war, überlasse eS übrigens Herrn Henkel, ihn deshalb gerichtlich zu denuncire»! — Die Ständeversammlung hat auf den Antrag des Abgeordneten Pfeiffer II. beschlossen, die Regierung zu ersuchen, allen ihren Einfluß darauf zu verwenden, daß während des Waffenstillstandes in SchleSwig-Holstein kein Zustand geduldet werde, der den Interessen der Herzogtümer so entgegen sei, wie der gegenwärtige, und daß bei einem demnächstigen Friedensschluß die von ganz Deutschland anerkannten Rechte der Herzogtümer auf politische Selbstständigkeit und unzertrennliche Verbindung gewahrt bleiben. Darmstadt, 28. Nov. Endlich ist der Spruch der Geschwornen in der großen Eisenbuhnsache erfolgt. Er ist strenge und milde zugleich ausgefallen. Strenge, da sechs Hauptpersonen, was wohl nicht Alle vermutheten, schwere Strafen treffen werden, nämlich die beiden jungen reichen Müller Kirscherf aus Birkenau, den Müller Kadel, die Makler Klein und Eisenhauer ebendaher und den Land, und Gastwirt Schaab von Reisten. Diese find nämlich allein von sammtlichen 67 Angeklagten der Absicht der Beihülfe zu dem Struve'sche» hochverräterischen Unternehmen durch Abhalten der Truppenzüge für schuldig erklärt worden. Außerdem wurden noch 42 Angeklagte, also im Ganzen 48, für schuldig erklärt von den Geschwornen, darunter viele des ComplottS; 19 aber ganz freigespro'chen. Mainz, 28. Nov. Der des Mordversuchs gegen den Prin, zen von Prenßen angeklagte Adam Schneider von Niederingelheim hat gegen die Vertagung seiner Sache von Setten des Assisenpräfidenten den CassationSrekurS ergriffen. Derselbe ist aber verworfen; seine Sache wird also erst im April 1850 zur Verhandlung kommen. Rastatt, 28. Nov. Den Gefangenen in unserer Festung fehlt eS nicht an Unterstützungen von auswärts. So haben die Hildburghauser Angehörigen dieser Tage nebst einer beträchtlichen Anzahl Kleidungsstücke einige Hundert Gulden aus der Heimath erhalten, die sofort unter sie verteilt wurden. Freiburg, 25. Nov. Die Flucht Cohnheims aus dem hiesigen Gefängniß gab Veranlassung zur Verhaftung zweier jungen Männer, die gerade damals auf Besuch daselbst waren und im Verdacht stehen, als wären sie zur Entweichung behülslich gewesen. Cohnheim sollte bekanntlich im letzten Frühjahr vor die Geschworenen gestellt werden, als der Staatsanwalt die Anklage aufgab. Schon damals sollte er als Preuße ausgeliefert werden; er wurde aber mit Andern auf freien Fuß

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