Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Journal
- Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Volume
- XVIII (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 219)
- Language
- German
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213 Man könnte mit Bezug auf die Einwanderung deutscher Juden sagen, die Einwanderungspolitik der Regierung dürfe sich nicht durch politische oder Gefühlsmomente beeinflussen lassen; die einzige Erwägung, die sie zu bestimmen habe, müsse die der wirtschaftlichen Aufnahmsfähigkeit des Landes für Einwanderer sein. Die Exekutive hat diesen Grundsatz nie bestritten. Sie geriet im Gegenteil immer wieder in Konflikt mit der Regierung, weil die bewilligten Schedules ihrer Meinung nach den nachgewiesenen Aufnahmsmöglichkeiten keine Rechnung trugen. Was an der letzten Schedule so bedrückend war, ist, daß sie so offensichtlich unterhalb des tatsächlichen Bedarfes des Landes nach neuen jüdischen Arbeitern blieb, und dies gerade zu einer Zeit, wo das jüdische Volk Palästina so dringend braucht. Die Jewish Agency beanspruchte also keineswegs ein politisches Privileg. Was sie verlangte, war nur, daß die durch jüdische Leistung m Palästina eröffneten Aufnalmiismöglichkeiten in vollem Maße für die Zulaissung von Einwanderern nutzbar gemacht werden. In ihrer Note an die Regierung über die letzte Schedule schrieb die Exekutive: 1?,Die Tatsache), daß die Regierung zu einer Zeit, wo die wirtschaftliche Entwicklung rasch vorwärts geht und die Lage des jüdischen Arbeitsmarktes ständig durch Arbeitermangell charakterisiert ist, nur etwa 40% de.r Anforderungen gewähren zu können glaubte, muß den Eindruck erzeugen, den die Regierunggewiß nicht hervorrufen will, daß die wirtschaftliche Aufnahmsfähigkeit des Landes für Einwanderer nicht mehr der entscheidende Gesichtspunkt für die diesbezügliche Politik der Regierung ist." Offenbar mu3 die verhältnismäßig kleine Zahl der zuletzt bewilligten Zertifikate in eine gewisse Beziehung mit der Tatsache gebracht werden, daß eine erhebliche Zahl jüdischer Reisender, die im Laufe des Jahres 1932 und Anfang 1933 als Touristen nach Palästina kamen, ütter die ihnen zustehende Aufenthaltszeit hinaus im Lande blieben. Die Exekutive wies darauf hin, daß, wenn tatsächlich so viele Reisiende im Lande bleiben und Arbeit finden könnten, dies doch nur zeige, daß die Aufnahmsmöglichkeiten seitens der Behörden ständig unterschätzt würden. Die Argumente in dieser Hinsicht sind am besten aus folgendem Auszug aus einem Briefe Dr. Arioso roff s zu entnehmen: „Freie Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben notwendigerweise eine Saugwirkung. Menschen, die ganz korrekt als Reisende nach Palästina kommen, werden unvermeidlich geneigt sein, Lücken auszufüllen, die infolge der amtlichen Einwanderungspolitik offen bleiben. Im Konflikt zwischen wirtschaftlichen Gesetzen und juristischen Formalitäten muß auf die Dauer die wirtschaftliche Notwendigkeit sich durchsetzen. Es gibt nur einen aussichtsreichen Weg, um einen Prozeß zum Stillstand zu bringen, der sicherlich für alle Beteiligten seine Nachteile hat, nämlich seine Chancen zu vermindern, indem man eine ausreichende Schedule bewilligt, um die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes zu befriedigen. Wenn außerdem so viel davon die Rede ist, daß Juden, die als Touristen nach Palästina gekommen sind, im Lande bleiben, wenn ihnen Arbeitsmöglichkeiten geboten werden, so muß doch nochmals unterstrichen werden, daß im Laufe al dieser Jahre ein ständiger Prozeß arabischer Einwanderung aus Trans jordanien und Syrien nach Palästdna vor sich ging, veranlaßt durch den Anreiz von Arbeitsmöglichkeit und höheren Löhnen. Eine Analyse der letzten Volkszählung zeigt, daß diese Einwanderung in Zahlen geht, die weit bedeutender sind, als die der im Lande verbliebenen jüdischen Reisenden."