Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Journal
- Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Volume
- XVIII (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 217)
- Language
- German
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211 größtenteils unter dem Schleier des Geheimnisses und konnte ihm nicht jenes hohe Maß öffentlicher Anerkennung bringen, das ihm gebührte. Er verstand für jüdische Interessen gleich würdig wie furchtlos aufzutreten, seine Diskussionspartner durch das bei einem Mann seines Alters so erstaunliche Gewicht seiner Persönlichkeit zu entwaffnen, sie durch die unwiderstehliche Logik seiner Argumente zu besiegen. Voll von Einfällen in der Debatte, blitzschnell und messerscharf in der Erwiderung, war er ein gefährlicher Gegner, doch hatte er zugleich die Gabe, Sympathie, ja Bewunderung der Gegenseite zu gewinnen, durch seine Ehrlichkeit, seine taktvolle Offenheit, seine hohen geistigen Fähigkeiten und sein Talent überzeugender Darstellung, das ihn zu einem der besten und erfolgreichsten Vertreter des modernen politischen Zionismus vor der Welt machte. In einer öffentlichen Erklärung unmittelbar nach seinem Amtsantritt umschrieb Dr. Arlosoroff die Haltung der Jewish Agency gegenüber der Mandatarregierung mit folgenden Worten: „Hinter uns liegen Jahre peinlicher Enttäuschungen und dauernder Spannung... Die Beziehungen zwischen unserer Bewegung und der Mandatarregierung, zwischen dem Jischuw und. der Palästinaverwaltung, tragen weiter die Spuren des furchtbaren Druckes der letzten Jahre... Das Band, das uns und Palästina mit Großbritannien und mit den Engländern verknüpft, ist meiner Meinung nach kein bloß mechanisches und nicht nur abhängig vom den Artikeln dest Mandats und von den Vorteilen, die wir aus ihnen herauspressen können. Loyalität und guter Wille hängen nicht vom Profit ab. Zugleich ist es wohl unnötig zu sagen, daß uns diese Empfindungen nicht hindern können und dürfen, auf unseren Rechten und der Erfüllung unseres Strebens zu bestehen... Wenn wir uns aber weigern, auf Lebensinteressen, zu verzichten, und uns von noch so' überwältigender Macht nicht einschüchtern lassen, müssen wir unseren Kampf doch immer im Geist der engen Verbindung zwischen uns und der Mandatarregierung und im Bewußtsein der gemeinsamen Aufgabe' führen, in der die Geschichte uns vereint hat. Die Rechte, die wir verteidigen, wurden dem jüdischen Volke verliehen, nachdem es jahrhundertelang in der Familie der Nationen überhaupt keine Rechte genossen hatte. Diese Rechte sind nicht Privatbesitz eines Einzelnen, der mit ihnen nach iseinem Gutdünken verfahren dürfte; die sie zu verteidigen haben, haben nicht die Freiheit, etwas von ihnen preiszugeben, ihre Bedeutung zu verfälschen oder sie nach Belieben fallen zu lassen,. Und wenn versucht wird, etwas von ihnen preiszugeben oder sie zu verfälschen, bleibt uns keine andere Möglichkeit als hartnäckige imd luiermüdliche Verteidigung. Doch ist ein solcher Kampf nur bittere Notwendigkeit, kein Programm; ein Gebot des Schicksals, aber kein erstrebenswertes Ziel." Diesem Fundamentalsatz seinen politischen Bekenntnisses ist er bis ans Ende treu geblieben. Er kämpfte ohne Feindschaft, er gewann Sympathien, ohne dafür mit grundsätzlichen Zugeständnissen zu bezahlen. Der kämpferische Geist in ihm war zugleich gezügelt und gestählt durch die Reife seines Urteils und seinen nüchternen Tät- 14«.