Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Journal
- Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Volume
- XVII (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 244)
- Language
- German
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seits zu gewissen Zeiten, insbesondere im Frühling, Arbeitermangel eintritt. Die Frage der stärkeren wirtschaftlichen Fundierung dieser so bedeutenden Zahl von Arbeitern erfordert die größte Aufmerksamkeit der kolonisierenden Instanzen. Schon rein psychologisch ist es erforderlich, dem Tagelöhner die Hoffnung auf eine allmähliche Ansiedlungr sei es auch im bescheidensten Rahmen, zu geben. Aber auch vom wirtschaftlichen Standpunkte aus ist es unbedingt notwendig, eine Lösung des Problèmes der Saisonarbeit zu finden. Es sind Versuche gemacht worden, für Arbeitergruppen wie auch für einzelne Arbeiter Hilfswirtschaften einzurichten. Auch das Projekt der Ansiedlung der Tausend,, dessen Verwirklichung jetzt in Angriff genommen wirdj deutet in diese Richtung. Es wird aber auch versucht werden müssen, Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, die gerade in den Zeiten der landwirtschaftlichen toten Saison gewisse Verdienstmöglichkeiten geben. Beachtlich ist, daß die Zahl der verheirateten Arbeiter in den Kolonien im Wachsen begriffen ist. Der Prozentsatz beträgt heute bereits 35 o/o. Die Exekutive hat dem gesamten Fragenkomplex besondere Aufmerksamkeit zugewandt und stand in beständiger Fühlung mit Kreditinstitutionen, die auf diesem Gebiete wertvolle und fruchtbare Arbeit geleistet haben (P. E. C). In der Berichtsperiode sind von der Exekutive die ersten Versuche zur Schaffung paritätischer bzw. neutraler Arbeitsnachweise gemacht worden. In zwei Kolonien, Raanana und Magdiel, sind solche neutralen Arbeitsämter errichtet worden, die bisher zur Zufriedenheit gearbeitet haben. Freilich ist der Versuch noch zu jung und zu sehr begrenzt, als. daß schon endgültige Folgerungen gezogen werden können. Leider ist es auch in der Berichtsperiode trotz der Bemühungen der Exekutive und des Waad Leumi nicht gelungen, Arbeitskämpfe zu verhindern. In diesem Zusammenhange seien die ernsten Schwierigkeiten erwähnt, die in Petach Tikwah, Kfar Saba und Ness Ziona ausbrachen. Die Frage der jüdischen Arbeit in den Kolonien hängt natürlich aufs engste mit dem ökonomischen Problem der billigen arabischen Arbeit zusammen. Solange eine Reservearmee landwirtschaftlicher Arbeiter vorhanden ist, die bereit sind und bereit sein müssen, einen Tagelohn zu akzeptieren, der immer noch weit unter dem Existenzminimum des jüdischen Arbeiters liegt, wird sich eine vollständig befriedigende Lösung nicht finden lassen. Es wäre aber falsch, zu verkennen, daß in den letzten Jahren eine Entwicklung stattgefunden hat, die uns zu der Hoffnung berechtigt, daß diese sehr komplizierte Frage eines Tages eine befriedigende Lösung finden wird. Auf der einen Seite konnte mit der Verbilligung der Preise für eine Reihe wichtiger Produkte das Existenzminimum des jüdischen Arbeiters herabgedrückt werden, auf der anderen 'Seite ist deutlich ein Steigen der Lebenshaltung des arabischen Arbeiters festzustellen. Wenn durch eine zielbewußte Wirtschaftspolitik zur wirtschaftlichen Stützung des Koloniearbeiters durch Hilfswirtschaften u. dgl. die wirtschaftlichen Bedingungen beider Arbeitergruppen noch mehr ausgeglichen werden und auf der anderen Seite die Tendenz nach Steigerung der Lebenshaltung bei den arabischen Arbeitern anhält, dann ist auf lange Sicht hin doch eine Lösung dieses sehr schwierigen Problems zu erhoffen. 240