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Das jüdische Echo · 1930-10-24 · Das Jüdische Palästina. Sonder-Abdruck aus dem "Jüdischen Echo" · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Das Jüdische Palästina. Sonder-Abdruck aus dem "Jüdischen Echo"
Issue
Das Jüdische Palästina. Sonder-Abdruck aus dem "Jüdischen Echo"
Date
1930-10-24
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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6 BEKENNTNIS ZUM VOLK Bekenntnis zum Volk. Von Julius Wir stellen die Frage: Was haben wir deutschen Juden zu tun angesichts der neuen Wendung, die die Judenfrage genommen hat? Sollen wir teilnehmen, oder sollen wir, wie bisher, die Entscheidungen außerhalb uns vor sich gehen lassen? Es ist festzustellen: was haben die deutschen Juden bisher damit erreicht, daß sie sich der großen Bewegung ferngehalten haben und was geben sie auf, wenn sie weiter diesen Standpunkt einnehmen. Stehen die deutschen Juden so da, daß sie verzichten können auf eine Zugehörigkeit zum jüdischen Volk und auf das Recht auf Palästina? Sie sind in einer besonders schwierigen Lage. Als Bürger des Deutschen Reiches gehören sie mit zu den Besiegten und haben die Einbuße an Wertschätzung mitzutragen. Als Glieder des jüdischen Volkes haben sie so oft erklärt, daß sie nicht zu diesem Volke gehören, daß sie auch innerhalb der Judenheit den Einfluß verloren haben, der ihnen bis zum Kriege den besonderen Schutz innerhalb der Judenheit sicherte. Die deutschen Juden waren bis zum Kriege gewissermaßen die Geschäftsführer der Juden der Welt. Sie haben u. a. die eingehenden Gelder verteilt. In diesem Kriege haben sie vergessen, ihren Aufgaben gerecht zu werden. So war es z. B. den deutschen Juden bekannt, was die Deutschen unter den Augen der deutschen Verwaltung den polnischen Juden angetan haben, und sie haben sich nicht so dagegen gewehrt, wie es L ’ ui h?n "z ffgekörrifnen4 \varA Yh uem AugennTicK, wo ' das gesamte jüdische Volk sich vereinigte,, um das zu erringen, was uns geboten wurde, da hat gerade das deutsche Judentum besonders stark betont, daß es nicht dazu gehört. (Zentralvereins- Kundgebung!) Die Judenfrage ist eine politische Frage. Herzl sprach aus: wir sind ein Volk. Wenn heute gesagt wird, daß unsere großen Erfolge auf die Kriegskonstellationen zurückzuführen sind, so ist es doch klar, daß gerade ein so vorsichtiger politischer Rechner, wie England, sich frägt, wer der Gegenpart ist, und als solchen nicht die zionistische Organisation wählt, die doch nur einen kleinen Teil des jüdischen Volkes darstellt. Es ist sicher nicht so, daß die Lösung für England gerade von seinem eigenen Gesichtspunkt aus von besonderer Bedeutung ist. Nicht England allein hat sich für die Lösung entschieden. Alle Staaten, die zu der Entente gehören, sogar Japan, haben immer wieder zum Ausdruck gebracht, daß in der Schaffung eines jüdischen Palästinas die gerechte Lösung liege. Die Schaffung des jüdischen Palästinas ist vielleicht die einzige Möglichkeit, die Friedensidee zum Ausdruck zu bringen. In der Verwirklichung des nationalen Strebens der Juden kommt der Gedanke klar und rein zum Ausdruck. Indem ihm seine Heimat gegeben wird, wird das jüdische Volk zu Dank verpflichtet allen Völkern, die daran teilnahmen, und niemands Interessen werden dadurch geschädigt. Die deutschen Juden begehen, wenn sie sich dieser Bewegung fernhalten, ein Unrecht an der ideellen Gestaltung der Welt. Als Juden aber haben sie das größte Interesse, sich dieser neuen Bewegung anzuschließen. Sie haben als Deutsche und als Juden Berger. verloren. Wodurch ist die Unruhe zu erklären, die die deutschen Juden jetzt ergriffen hat? Es erweist sich, daß die Gleichberechtigung allein nicht genügt. Man fordert sie zwar, kann und darf sie aber nicht in Anspruch nehmen. Man glaubt uns nicht mehr, daß wir ganz und gar so musterhafte Deutsche wie Juden sind. Und wenn wir es nicht zugeben, dann müssen wir doch einen Grund dafür haben. Geben wir es doch zu, daß wir Glieder des jüdischen Volkes sind, dann wird man es uns nur umso eher glauben, daß wir in .diesen Zeiten auch an den Arbeiten Deutschlands teilnehmen können. Wir dürfen nicht länger in den Poren des deutschen Wirtschaftslebens sitzen und dabei behaupten, daß wir mit Deutschland verschmolzen sind. Geben wir denn etwas auf? Haben wir denn irgend etwas zu verlieren? Wir können und wollen nicht von heute auf morgen die Zusammenhänge, die uns mit Deutschhand verbinden, aufgeben. Wir sind berufen und würdig, an den Geschicken des deutschen Volkes mitzuarbeiten. In uns schlummern viele Kräfte, auf die niemand wird verzichten können. Brauchen wir diese Kräfte und Deutschland wird und muß uns dafür dankbar sein. Für die Deutschen muß endlich reine Bahn geschaffen werden im Verhältnis zu uns. Sie werden uns als Glieder des jüdischen Volkes anerkennen. Als Glieder des jüdischen Volkes aber müssen wir alle verlorenen Talente unserem Volke zurückführen. Die Erklärung Balfours wurde in dem Lande gegeben, in dem der Zionismus am schwächsten ist. Am meisten bekämpft wurde die zionistische Bewegung in Deutschland, in dem Lande, wo bisher die zionistische Leitung saß. — Für die anderen kommt es nur darauf an, daß wir Juden sind: der Begriff der jüdischen Einheit macht uns zur politischen Aktion fähig . Nur das Jüdische in uns kann maßgebend sein für unsere Politik. Die jüdische Forderung muß für uns die erste sein. Dann haben wir in uns den Wert und die Festigkeit, die uns die Möglichkeit gibt, den anderen frei und stolz gegenüberzutreten. Jeder von uns weiß, es wäre für Deutschland besser gewesen, wenn wir zur rechten Zeit gesprochen hätten, und heute liegen die Dinge so, daß es die deutsche Regierung am meisten bedauert, daß sie von den deutschen Juden gehindert worden ist, das großartige Geschäft zu machen, das heute nun einmal in der Anerkennung des Zionismus liegt. Wir Juden treiben nicht erst seit 48 Jahren Politik. Wir wissen viel länger, wie man sich benehmen muß, wenn man von Feinden umgeben ist. Wir hätten die Zusammenhänge, Ursachen und Folgen besser übersehen. Die Deutschen werden es von uns verlangen, daß wir ihnen in Zukunft mit unseren Erfahrungen zur Seite stehen. Es darf sich niemand aus unserer Gemeinschaft ausschließen. Es bereitet sich etwas schönes Jüdisches vor in Palästina und es kann kein Jude dagegen sein. Jetzt müssen wir Volkspolitik in großem Stile machen. Jeder muß sich sagen,: Auch ich gehöre dazu.

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