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Das jüdische Echo · 1930-10-24 · Das Jüdische Palästina. Sonder-Abdruck aus dem "Jüdischen Echo" · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Das Jüdische Palästina. Sonder-Abdruck aus dem "Jüdischen Echo"
Issue
Das Jüdische Palästina. Sonder-Abdruck aus dem "Jüdischen Echo"
Date
1930-10-24
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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UNSER PALÄSTINA 7 Unser Palästina. Von Arnold Zweig. Gibt es heute noch Gegner des zionistischen Ideals? Die Lösung der Judenfrage, die der Zionismus propagiert hat, ist im Programm der Stunde enthalten: die jüdische Siedlung im alten klassischen Lande der Gesetzgebungen und Propheten bereitet sich heute in den Tagungen der Großmächte vor, und da der Krieg und die Jahre der Besetzungen auch die konservativsten an den Boden der Diaspora festgeklammerten Judenmassen des Ostens mit unerhörtem Elend und unerhörten geistigen Ausblicken aufgewühlt hat, scheint das Judenvolk sich wieder einmal anzuschicken, einen seiner jahrhundertwendenden Schritte zu tun: den ersten Schritt heimwärts. Es ist durchaus wahr: schneller als wir gewollt haben, tritt die Erfüllung an uns heran, und nicht nur als Sieg der Ideen des Rechts und der Billigkeit gegenüber dem gequältesten Volke der Weltgeschichte, sondern ebenso sehr als Produkt großpolitischer Besprechungen und eines nicht ohne Eifersüchte erfolgten Abwägens zwischen den einzelnen Interessen großer Mächte. Beides kann keinen Deut von der klaren Erkenntnis abziehen, daß ohne die Arbeit des nun zwanzig Jahre alten organisierten und politischen Zionismus den Großmächten diese Lösung nicht zur Verfügung gestanden hätte. Und keinen Deut abziehen kann dies „Geschenk an das jüdische Tölk“ Vötnier-Tatsacher daß das Judentum mdiesem „Geschenk“ einen Sieg seines Rechtsanspruches auf natürliches Volksleben sieht, und daß es zweitens seine Neutralität mit verstärkter Stimme kundtut: was Palästina angeht, sind wir nichts als Juden und nur das Interesse des jüdischen Volkes haben wir zu wahren. Möge der einzelne Jude nach- Geburt und geistiger Veranlangung als privater Mensch den Sieg der Entente und ihres Programms feiern, möge er mit Ehrfurcht und Mitgefühl sich in die tragischen Krisen der Wiedergeburt Rußlands, Deutschlands oder Deutsch-Österreichs einbeziehen: was Palästina, was die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes angeht, gibt es für uns nur eine Einstellung: die jüdische, die uns ebenso natürlich und von allen andern ebenso zu achten ist, wie die rein eidgenössische des Schweizers. Zu früh erfüllt: wir wollten die Arbeit der Läuterung, deren uns die Teile unseres Volkes, jeder auf seine Art, bedürftig erschienen in der alten Gemeinschaft leisten, wo die Verzerrung als abzubrechendes Zeugnis unserer langen Entjudung und Unnatur leibhaft mit uns umgeht. Wir hofften, daß derselbe Weg voll Mühsal, Hingabe, Opfer und Enttäuschung, der uns geprüft hat, auch denen zuteil werden solle, die jetzt Jünglinge und Mädchen sind, damit in Palästina der Aufbau umso reineren Geistes, mit umso reineren Händen stattfindet. Es ist anders gekommen, und wir heißen es gut. Wir werden den Kampf gegen unsere Verzerrungen und Laster, gegen das Literarische und das Händlerische im Juden, mit einbeziehen müssen in den Kampf um Zion, in den Aufbau der neuen Gemeinschaft. Sei es! Und mögen auch die Kämpfe zwischen neuer Religiosität und der großen traditionellen Religion, zwischen sucherischer Jugend und der Weisheit der Väter auf jenem Boden sich abspielen, der alle großen, innerjüdischen Krisen durch seine reine und heilende Luft in eine Sphäre voll gegenseitiger Achtung und des endlichen Verstehens gehoben hat; er wird seine Kraft auch diesmal bekunden. Eines aber wird keinesfalls geschehen: Der kapitalistische Geist wird nicht in jener Gemeinschaft grundlegend werden, wie er dies europäische Zeitalter, das jetzt in Krämpfen abläuft, gegründet hat. Der soziale Genius des Judentums, untötbar lebend von Moses bis Karl Marx und seinen Erben, wird dies verhindern. Noch ehe die jüdischen Massen die Küste Palästinas sehen, werden in der europäischen Zionistenkonferenz diejenigen Grundlinien gezogen werden, die bei aller Freiheit für den Einzelnen diesen Dämon ausschließen, der die Arbeit von Völkern in die -Häm?*, -vnn Wenigen spielen möchte. Der eben vergangene Delegiertentag des deutschen Zionismus war dafür ein Beweis neben vielen, er, der die Sozialisierung des Bodens und seiner Schätze als die zentrale Voraussetzung der neuen Siedlung anerkannte. Und ist damit nicht die Voraussetzung für ein edleres Zusammenleben von Juden gegeben? Wir glauben es. Wir sehen unsere unendliche Aufabe: Reinigung, Steigerung, Verwirklichung des jüdischen Geistes im Leben einer jüdischen Gemeinschaft, nach derselben Richtung weisen, die heute die Völker Rußlands, die deutschen Stämme in einem unerhörten Aufstand vereinigt: es sind die Ziele der Menschheit, das gerechtere kameradschaftliche Leben auf der Oberfläche dieser Erde: und neuer Mut, neues Vertrauen in den Dienst der Stunde beseelt uns. Nicht werden die Juden, die Zurückbleiben, in alter Ordnung ohne den neuen Geist fortdämmern; unser Aufbruch wird für sie ein Signal mehr sein sich zu besinnen, und die Söhne und Töchter auch derer, die sich heute von uns fernhalten, werden zu uns gehören, wie die Söhne derer, die zu Haggais Zeiten sprachen: „Die Zeit ist noch nicht da, daß man des Herrn Haus baue“, sich dennoch mit Zerubabel an die Arbeit machten — und da war sie doch da, diese Zeit.

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