Das jüdische Echo
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- Das jüdische Echo
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- Das Jüdische Palästina. Sonder-Abdruck aus dem "Jüdischen Echo"
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- Das Jüdische Palästina. Sonder-Abdruck aus dem "Jüdischen Echo"
- Date
- 1930-10-24
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
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DER AUFBAU 5 Finanziers und Gesellschaften werden für sich allein je einen oder mehrere Anteile übernehmen, andere Leute werden sich innerhalb eines größeren Gebietes zusammenschließen und gemeinsam einen Anteil zeichnen. Die Anteilgenossen bekommen die auf ihren Anteil entfallende Dividende proportioneil ihrer Beteiligung nud haben zu bestimmen, wer ihren Anteil in der Generalverversammlung der Kolonisationsgesellschaft vertreten soll. Dies ist nötig, damit das ganze Unternehmen nicht in der Hand' einiger Großkapitalisten ist, sondern das ganze Volk Kontrolle ausüben kann. Die Kolonisations-Gesellschaft wird Tochter- Gesellschaften für alle einzelnen Zweige der Kolonisation gründen und diese Tochter-Gesellschaften werden dann die einzelnen Arbeiten ausführen. Es wird z. B. Tochter-Gesellschaften für Ent- und Bewässerungsarbeiten geben, ferner solche für den Bau von Häfen, Eisenbahnen, eine Agrarbank, städtische Hypothekenbank, Häuserbaugesellschaft usw. Das Kapital von 500 Millionen Franken wird, wenn die Kolonisation ungefähr in dem erwähnten Umfange vor sich geht, für die ersten 10—15 Jahre ausreichen. Nach Ablauf dieser Zeit werden nochmals größere Kapitalien nötig sein aber deren Aufbringung wird dadurch erleichtert sein, daß die bisherige Kolonisation schon gezeigt haben wird, daß Gelder, die in Palästina angelegt werden, wirklich eine angemessene Verzinsung bringen. Neben der Kolonisationsgesellschaft, die ebenso Wie ihre Tochtergesellschaft nach kaufmännischen Grundsätzen geleitet sein muß und wenig- -stens. eine.mäßige- Verzinsung ihrer Kapitalien anstreben soll, muß es uns gelingen, größere Mittel für nationale, nicht auf Gewinn hinstrebende Fonds zu bekommen. Die wichtigste Organisation hierzu ist der Nationalfonds, der vor erst 15 Jahren gegründet wurde, zum Zwecke, Boden in Palästina als unveräußerliches Eigentum für das jüdische Volk zu erwerben. Er soll verhindern, daß die Mißstände, die in Europa durch Spekulation mit Boden entstanden sind, auch in Palästina auftreten. Er erwirbt den Boden und behält ihn als Eigentum, gibt ihn aber an jüdische Pächter in langjährige Pacht weiter. Dieser Fonds dessen Einnahmen im letzten Jahre zwei Millionen Franken betrugen und die in Zukunft sicherlich sprunghaft wachsen werden, soll für uns ein Instrument der sozialen Gerechtigkeit sein. Er soll es auch den Minderbemittelten ermöglichen, in Palästina auf eigener Scholle zu siedeln. Es soll in Palästina keine Proletarier geben, nicht Leute, die ihr ganzes Leben nur Lohnarbeiter bleiben, sondern es soll jeder Arbeiter, der hier etwa 6—8 Jahre gearbeitet und sich als Arbeiter bewährt hat, sichere Aussicht auf ein Stück eigenen Bodens vom Nationalfonds haben. Es muß den Arbeitern die Möglichkeit gegeben werden, mit geringen Mitteln ein Häuschen zu errichten, und einen kleinen Wirtschaftsbetrieb zu beginnen. Das wird dem Landarbeiter ein ganz anderes Gefühl des Verwachsenseins mit dem Boden geben, als es ein Arbeiter hat, der ohne ein eigenes Stück Boden von Ort zu Ort getrieben wird und von der Willkür eines Unternehmers abhängt. Wir werden, um die Selbständigmachung der Arbeiter zu ermöglichen, einen Kolonisationsfonds nötig haben, aus dem Arbeiter nach einer bestimmten Anzahl von Jahren Beihilfe zur Ansiedlung bekommen. Es soll den Arbeitern auch die Erlangung von Krediten dadurch erleichtert werden, daß die Bildung von Kreditgenossenschaften in jeder Weise erleichtert wird. In den Städten ist die Bildung von Arbeiter-Produktiv-Genossenschaften nötig. Wir wollen die Schäden des Schwitzsystems vermeiden, welche sich bei der Einführung der Konfektions-Industrie durch die Ostjuden in Amerika gezeigt haben. Wir müssen durch Kredite, die wir den Arbeitern zur Verfügung stellen, den ausbeuterischen Charakter, den diese Industrie in Amerika hatte, zu verhüten suchen. Wir dürfen überhaupt in Palästina nicht alle sozialen Einrichtungen von Europa kritiklos übernehmen, sondern wir müssen unser Gemeinwesen auf der Grundlage sozialer Fürsorge und Gerechtigkeit aufbauen. Es ist zwar nicht möglich Palästina ganz aus dem Weltgetriebe herauszuheben und solche Formen des sozialen Lebens einzuführen, die noch nirgends eingeführt sind, und das Wirtschaftsleben zu Grunde richten würden. Wir müssen damit rechnen, daß die Produktionszweige Palästinas mit den gleichen Zweigen in anderen Ländern die Konkurrenz aushalten müssen, wenn unsere Kolonisation nicht zusammenbrechen soll. Soweit die Tragfähigkeit der wirtschaftlichen Betriebe reicht, soll die soziale Gerechtigkeit im Interesse der weniger Bemittelten zu Wort kommen. Eine besondere Frage ist noch diejenige unseres Verhältnisses zu den Arabern. Nach meiner Überzeugung hängt unsere ganze Existenz davon ab, daß wir mit den Arabern in ein -ft£nndschafU_ liches Verhältnis kommen. Wenn wir unsere Stellung in der vorderasiatischen Welt, aus der wir vor 2000 Jahren vertrieben wurden, wieder einnemen wollen so ist das unmöglich, wenn wir nicht in Frieden und Freundschaft mit dem stärksten Volke dieses Gebietes, den Arabern leben. Ich glaube, daß sich ein solch freundschaftliches Verhältnis wird herstellen lassen. Noch vor einigen Jahren hätten die Araber mit scheelen Augen auf ein jüdisches Palästina gesehen, weil damals ihre eigenen nationalen Forderungen noch unerfüllt waren. Aber die Gestaltung der Dinge im Kriege hat auch den Arabern die Erfüllung ihrer Forderungen gebracht und ich glaube nicht, daß sie, die von Gibraltar bis nach Kleinasien und zum persischen Golf reichen, uns das kleine Plätzchen neiden werden, mit dem unsere Geschicke verknüpft sind. Wenn wir in Palästina die großen Verkehrsunternehmungen gebaut haben und wenn die Araber die Vorteile erkannt haben, die auch für sie durch die Verbesserung der Verkehrsmittel und die Fortschritte der beruflichen und allgemeinen Ausbildung erstehen, werden wir sicher in ein gutes Verhältnis mit ihnen kommen. Ihre Sprache ist unserer Sprache so nahe verwandt, daß beide Sprachen nur als verschiedene Dialekte erscheinen. Das ist das Wesentliche, was ich Ihnen über Palästina sagen wollte. Ich hoffe, daß das Werk, das uns in den nächsten 2 oder 3 Jahrzehnten beschäftigen wird, dazu führen wird, daß endlich die Wanderschaft aller derjenigen Juden, die sich nach einer nationalen Heimstätte sehnen, ein Ende haben wird.