Das jüdische Echo
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- Das jüdische Echo
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- Das Jüdische Palästina. Sonder-Abdruck aus dem "Jüdischen Echo"
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- Das Jüdische Palästina. Sonder-Abdruck aus dem "Jüdischen Echo"
- Date
- 1930-10-24
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
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4 DER AUFBAU wanderungsbewegung nach Palästina Reitend macht und hier können sofort auch ungelernte Arbeiter in großer Zahl aufgenommen werden. Eine zweite und zugleich die wichtigste Möglichkeit, um den Einwanderern Existenz zu geben, bildet die Landwirtschaft. Ich sehe für den landwirtschaftlichen Betrieb Palästinas etwa folgende Typen: Den Pflanzer, der in der Hauptsache Obstpflanzungen, Orangen, Zitronen, Oliven, Mandeln anbaut und der in seine Wirtschaft verhältnismäßig viel Kapital hineinstecken muß. Dafür haben die Baumpflanzungen den Vorteil, daß sie sich nach den bisherigen Erfahrungen gut verzinsen und von dem Besitzer keine allzu schweren Arbeiten verlangen. Außer dem Pflanzer gibt es den Typus des Kleinsiedlers, der ein geringeres Kapital nötig hat und sich in der Hauptsache von Gemüsebau, Milchwirtschaft und Geflügelzucht ernähren soll. Der dritte Typus ist der des Getreidebauern, der allerdings nicht mehr, wie es beim Pflanzer und Kleinsiedler möglich ist, ohne vorherige landwirtschaftliche Kenntnisse seinen Wohnsitz nach Palästina verlegen kann, sondern der in Palästina oder in Europa landwirtschaftliche Erfahrungen gewonnen haben muß. Wir haben schließlich als letzten Typus den des Häuslers, das ist in der Regel ein Mann, der ohne Mittel einwandert, eine Reihe von Jahren als landwirtschaftlicher Arbeiter tätig ist und die Möglichkeit erhält, ein kleines Stück Boden zu erwerben, ein Häuschen zu bauen und eine Familie zu gründen. Der Ertrag seines Bodens reicht nicht ganz zu seiner Existenz aus, er muß daher noch einige Tage in der Woche als Taglöhner arbeiten. ^Sehr^wTctmg^für diese landwirtschaftliche Kolonisation ist, daß für die berufliche Ausbildung durch fondwirtschaftlichen Unterricht möglichst bald in größtem Umfange gesorgt wird. Hierfür ist leider bisher noch nicht genügend geschehen. Die Ausbildung in Schulen und Farmen erfordert sehr bedeutende Mittel’ und diese Mittel standen nicht zur Verfügung. Wir werden aber in Zukunft in Palästina die Zahl der Schulen und Farmen vermehren, aber wir werden nicht davon absehen können, schon in Europa durch Schaffung landwirtschaftlicher Betriebe oder Schulen einer großen Zahl von Leuten die Möglichkeit zu geben sich hier schon für Palästina vorzubereiten, denn in Palästina wird dies in dem erforderlichen Umfange so rasch nicht möglich sein, weil passend eingerichtete landwirtschaftliche Betriebe und Lehrpersonal nicht in genügender Zahl vorhanden sind. Außer in der Landwirtschaft können in der heimischen Industrie eine große Anzahl Juden beschäftigt werden. Ich verstehe unter der heimischen Industrie die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte, wie z. B. Konservenfabriken. Mühlen, Ölfabriken usw. Ein Teil der Leute kann ferner in der Bauindustrie und als Handwerker für lokalen Bedarf, ein weiterer aber kleinerer Teil im Handel und in den freien Berufen untergebracht werden. Diese Leute werden alle direkt von der Landwirtschaft leben. Eine andere große Erwerbsmöo-jjchkeit wird hoffentlich die Exportindustrie bilden. Wir sehen, daß in den letzten 30 Jahren mehrere Millionen Juden aus Osteuropa nach Amerika ausgewandert sind und sich dort durch Schaffung von Industrien, hauptsächlich Konfektionsindustrie, eine Existenzmöglichkeit geschaffen haben. Es liegen für Palästina hierüber noch keine Erfahrungen vor, es sollte aber doch scheinen als ob die Juden, die in Osteuropa für diese Industrie bereits vorbereitet sind, bei vernünftiger Zollgesetzgebung sich auch in Palästina diesen Berufen zuwenden können. Hierher gehört außer der Konfektionsindustrie vielleicht auch noch Zigaretten- und Diamantenindustrie. Eine weitere Erwerbsmöglichkeit sehe ich im Fremdenverkehr. Palästina hat schon in der Vergangenheit eine sehr große Anziehungskraft ausgeübt. Nicht nur wegen der religiösen Erinnerungen, die es für die drei großen Religionen hat, sondern auch weil es landschaftlich interessant ist und weil es durch seine heißen Quollen vielen Leidenden Heilung bringen kann. Die Schwefelquellen am Tiberias-See und am Toten Meer sind von Sachverständigen untersucht und denen in Aachen gleichgestellt worden. Eine letzte Erwerbsmöglichkeit sehe ich im Schulwesen. Es sind schon bisher zahlreiche Kinder aus Osteuropa nach Palästina geschickt worden, damit sie hier eine wirklich jüdische Bildung erhalten und diese Kinder bringen natürlich durch Schul- und Pensionsgeld Einnahmen nach Palästina. Es ist sehr schwer vorauszusagen, wie viel Einwanderer in all diesen Berufen in absehbarer Zeit ihre Existenz werden finden können. Wir wissen nicht, wie sich das wirtschaftliche Leben überhaupt nach dem Kriege gestalten wird. Unser Ziel müßte sein, möglichst rasch in Palästina die Majorität zu werden. Die arabische Bevölkerung zählt ungefähr 800 000 Seelen, ihr natürlicher Zuwachs ist nicht groß und ich glaube, daß wir in äfesgbb3._r.er_..Zeit,—fL fo—in etwa.. 20=^30nicht mehr als eine Million Nichtjuden in Palästina haben werden. Eine Einwanderung von Nichtjuden nach Palästina ist unwahrscheinlich. Die Bevölkerung im ganzen Orient ist durch den Krieg stark dezimiert und hat keine überschüssige Bevölkerung. Palästina hat übrigens auch keine große Anziehungskraft für den arabischen Fellachen, dieser würde sicher Mesopotamien vorziehen. Er findet dort das Wasser, das er über alles schätzt, bereits vor, während er in Palästina große Kapitalien für Bewässerungsanlagen ausgeben müßte. Unsere Aufgabe wird daher sein, mehr wie eine Million, also etwa P/2 Millionen Juden nach Palästina zu bringen. Ich möchte glauben, daß dieses Ziel im Verlaufe eines Menschenalters, also in etwa 30 Jahren erreicht werden kann und zwar in der Form, daß etwa eine halbe Million in der Landwirtschaft, eine halbe Million in den Berufen, die indirekt durch die Landwirtschaft gespeist werden und eine weitere halbe Million durch die Exportindustrie Existenzmöglichkeit finden werden. Als Instrument der ganzen Kolonisationsarbeit soll eine jüdische Kolonisationsgesellschaft gegründet werden, für die ein Kapital von 500 Millionen Franken nötig erscheint. Diese Ziffer wäre uns vor dem Kriege phantastisch erschienen, heute ist sie es durchaus nicht mehr. Es ist sicher, daß die jüdischen Philanthropen, die bisher schon große Summe ausgegeben haben, sich auch an der neuen jüdischen Arbeit in Palästina beteiligen werden und im übrigen bin ich sicher, daß das jüdische Volk in dieser entscheidenden Stunde die Besiedlung durch Bereitstellung von Geldmitteln ermöglichen wird. Die Kolonisationsgesellschaft sollte ihr Kapital in der Weise aufbringen, daß sie 100 Anteile zu je 5 Millionen Franken herausgibt. Die großen