Das jüdische Echo
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- Das jüdische Echo
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- Das Jüdische Palästina. Sonder-Abdruck aus dem "Jüdischen Echo"
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- Das Jüdische Palästina. Sonder-Abdruck aus dem "Jüdischen Echo"
- Date
- 1930-10-24
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- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
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2 DER AUFBAU Bevölkerung die Brücke zu den später einwandernden Juden aus Osteuropa zu schlagen. Bei Beginn des Weltkrieges lebten etwa 60 000 Juden in den vier heiligen Städten, 15 000 in den beiden Hafenstädten Jaffa und Haifa. Diese städtische Bevölkerung war eine Musterkarte der Juden aus aller Welt. Juden aus Osteuropa fanden sich mit Juden aus Jemen in Arabien, Marokko, Persien, Buchara, Kaukasien zusammen. Sie lebten zu einem großen Teil, fast zu zwei Drittel von den milden Qaben, die aus Europa nach Palästina einflossen und jährlich circa 5 bis 6 000 000 Frs. betrugen. Daneben gab es natürlich auch noch Handwerker, Kaufleute, Lastträger, Kutscher usw. Die ersten Anfänge der landwirtschaftlichen Kolonisation reichen in das Jahr 1882 zurück, in welchem Jahre die Kolonien Rischon le Zion, Petach Tikwah, Sichron Jakob, Roschpinah gegründet wurden. Es war die Zeit, in der in Osteuropa unter dem Einfluß der Chowewe Zion die theoretische Liebe zu Palästina sich mehr zu praktischen Übersiedelungsversuchen zu gestalten begann. Den Kolonisten ging es im Anfang ziemlich schlecht. Sie brachten zwar große Begeisterung mit, die sie unter den schwierigsten Verhältnissen in dem schlechten Klima ausharren ließ, aber diese Begeisterung ersetzte nicht die mangelnden Kenntnisse und Leistungen. Die Kolonien wären wahrscheinlich vom Erdboden verschwunden, wenn nicht Baron v. Rothschild durch Zuwendungen im großen Stil (bis zum Kriege fast 100 Millionen Frs.) sie über die —i trim.-prctp TmweggebxacßA—häfia, JXe^Kolo-. nien haben dann mancherlei Schwierigkeiten durchgemacht, aber man kann doch einen Aufstieg in ihrer Entwicklung feststellen. Von den Kolonien haben besonders diejenigen, die sich mit dem Anbau von Wein, Mandeln, Oliven beschäftigten, ökonomisch eine außerordentlich günstige Entwicklung genommen. Bei Beginn des Weltkrieges gab es in ganz Palästina ungefähr 40 landwirtschaftliche Siedelungen, von denen die größere Hälfte (in Judäa) vom sogenannten Pflanzungsbau lebte, während die übrigen in Nordpalästina sich mit Getreidebau und Milchwirtschaft beschäftigten. Insgesamt betrug der Wert der landwirtschaftlichen Produktion aus den Kolonien vor dem Kriege etwa 5 Millionen Frs. jährlich. Von den etwa 12 000 Juden in den Kolonien lebten ca. 7500 direkt von der Landwirtschaft, während die übrigen in indirekt damit zusammenhängenden Berufen, als Handwerker, Händler usw. ihr Brot fanden. Die Orangenpflanzer hatten zwecks Absatz ihrer Produkte Verkaufssyndikate geschafien. Sie verschickten ihre Apfelsinen mit besonderen Schiffen nach Liverpool und erzielten auf diese Weise sehr lohnende Preise. Ebenso haben sich die Weinbauern zusammengeschlossen und für ihre Weine im ganzen Orient, Europa und auch in Amerika einen guten Markt erschlossen. Die Kolonien besaßen komunale Selbstverwaltung. Ein von den Kolonisten gewähltes Komitee verwaltete alle finanziellen Angelegenheiten, schuf ein Grundbuch, das eine Kontrolle über alle Käufe und Verkäufe ermöglichte usw. Man kann sagen, daß diese Kolonien in Palästina wirkliche Kulturoasen sind, zumal auch für den Unterricht der Kinder, für Ärzte und Apotheken gesorgt ist. Die Kolonien sind vielfach auch von Nichtjuden besucht worden und haben den günstigsten Eindruck hinterlassen. Es dürfte nicht zum geringsten auf die Prosperität der jüdischen Kolonisation und des Stadtviertels Tel Awiw zurückzuführen sein, daß im Laufe des Weltkrieges die jüdischen Ansprüche auf Palästina von maßgebenden Faktoren anerkannt worden sind. Die staatsrechtliche Stellung wird erst auf dem Friedenskongreß bestimmt werden können. Unsere politischen Führer, insbesondere Weizmann und Nahum Sokolow stehen auf der Wacht und werden dafür sorgen, daß die staatsrechtliche Stellung Palästinas so gestaltet wird, daß wir dort wirklich unsere nationale Heimstätte aufbauen können. Was dazu im einzelnen erforderlich ist, läßt sich etwa folgendermaßen bestimmen: Zunächst muß Palästina in politischer Beziehung vereinheitlicht werden. Bis zum Kriege war Palästina in verschiedene türkische Provinzen auseinandergerissen. Wir müssen verlangen, daß Palästina innerhalb seiner Grenzen ein einheitliches staatliches Gebilde wird. Wir haben weiter nötig eine Reform des Immobilienrechtes und eine Reform der Steuergesetzgebung, da der Landwirt durch die bisherige Form des Zehnten (Oschers) zu sehr belastet ist Wir haben endlich nötig eine Reform der Zollgesetzgebung. Bisher hatte Palästina einen allgemeinen elfprozentigen Wertzoll auf alle eingeführten Waren und es war klar, daß dieser Zoll die Rohstoffe und damit auch die Fertigfabrikate so verteuerte, daß sie für die Ausfuhr nicht mehr konkurrenzfähig waren. Während des Krieges wurde ein neuer Zolltarif, der Spezialtarife für alle einzelnen Waren enthält, aufgestellt, aber dieser Tarif warJür. die. ganze Türkei ausgearbeitet und, trug den speziellen palästinensisctien Vernältnissen nicht Rechnung. Wir müssen, um eine Entwicklung zu ermöglichen, darauf dringen, daß ein neuer Zolltarif eingeführt wird, damit wir der neuaufstrebenden eigenen Industrie eine Entwicklung ermöglichen. Eine weitere Voraussetzung für jüdische Massensiedlung in Palästina ist die Assanierung des Landes und die Übernahme von großen öffentlichen Arbeiten durch jüdische Kolonisations' gesellschaften. Palästina könnte an sich ein sehr gesundes Land sein. Wenn es dies nicht ist, wenn die Malaria noch in weitem Umfang herrscht, so liegt dies daran, daß die Regelung der Wasserläufe noch in keiner Weise vorgenommen ist. In Südamerika ist durch Regulierung des Wassers die Malaria vollständig ausgerottet worden. Wenn die Sümpfe trockengelegt sind, kann der Malariaerreger nicht existieren. Zu gleicher Zeit würde durch eine Trockenlegung der Sümpfe eine große Menge von kulturfähigem Boden erschlossen werden, der bisher nicht bewirtschaftet werden konnte. Was außerdem eine jüdische Kolonisationsgesellschaft übernehmen muß, das sind öffentliche Arbeiten. In Palästina gibt es zur Zeit nur wenig Eisenbahnen. Die Wege sind in einem sehr schlechten Zustand und Häfen sind bisher überhaupt nicht vorhanden. Es ist während des Krieges zwar manches gebessert worden. Damaskus ist mit Jaffa durch eine Eisenbahn verbunden worden und die Engländer haben ihr ägyptisches Bahnnetz an das palästinensische angeschlossen. Aber es bleibt auf dem Gebiete des Bahnbaues noch immer viel zu tun. Insbesondere müßte der Süden Palästinas, der bisher nur spärlich besiedelt ist und der ein Gebiet darstellt, das sich für Baumpflanzungen und deshalb auch für jüdische Kolonien gut eignet, durch eine Bahn er-