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Das jüdische Echo · 1933-03-03 · 9 (3.3.1933) · p. Seite 68

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
20 (1933)
Issue
9 (3.3.1933)
Date
1933-03-03
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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68 Das Jüdische Echo Ni 9 100-Semester-Jubiläum der Kadimah W i e n , 24. Februar. (JTA.) Die akademische Verbindung Kadimah zu Wien feiert in der ersten Aprilwoche ihr hundertsemestriges Stiftungsfest. „Die Kadimah, im Wintersemester 1882/83 von Perez Smolensky, Rüben Bierer, Nathan Birnbaum, M. T. Schnierer und anderen gegründet, war die erste national-jüdische Studentenverbindung, nach deren Muster dann an allen Hochschulen Europas ähnliche Corporationen ins Leben gerufen wurden. Die Geschichte des Zionismus bis auf den heutigen Tag weiß die großartige Bedeutung dieser Verbindungen zu würdigen. Antisemitische Überfälle in Wien Wien, 20. Februar. (JTA.) In der letzten Zeit kam es oft vor, daß jüdische Passanten nachts in den Wiener Straßen überfallen und schwer verprügelt wurden. Jüdische Frauen wurden hierbei nicht verschont. Das Polizeipräsidium hat sich deswegen veranlaßt gesehen, die Polizeiwachmannschaften anzuweisen, den nächtlichen Verkehr in den Straßen schärfer zu überwachen und, wo Überfälle Vorkommen, die Schuldigen zu ergreifen. Englischer Vorschlag einer Round-Table-Konferenz über die Frage einer jüdischen Siedlungsarbeit in Transjordanien London, 24. Februar. (JTA.) Die angesehene englische Zeitschrift „Near East and India“, die in enger Fühlung zum Colonial Office steht, macht im Leitartikel ihrer letzten Ausgabe den Vorschlag, eine Konferenz zwischen Politikern Palästinas und Repräsentanten der Jewish Agency unter dem Vorsitz eines Bevollmächtigten der Palästina-Regierung stattfinden zu lassen, um die Frage einer jüdischen Siedlungsarbeit in Transjordanien nach jeder Richtung hin zu erörtern. Die Zeitung bedauert, daß dieser Plan durch Schlagworte verdunkelt wird, und meint, daß bei einer solchen Aussprache jede Partei Gelegenheit haben wird, das Für und Wider durch Argumente zu erhärten. Arbeitermangel in Palästina Die jüdische Arbeiterorganisation Palästinas (Histadruth) veröffentlicht eine Kundgebung, worin mitgeteilt wird, daß gegenwärtig im ganzen Lande ein akuter Mangel an jüdischen Arbeiterhänden herrscht. Die Histadruth hat an die Palästinaämter im Auslande appelliert, sofort alle Juden, für die Einwanderungszertifikate ausgegeben wurden, für die Reise nach Palästina auszurüsten. In den letzten Tagen haben jüdische Kolonien von der Histadruth 1400 Arbeiter beansprucht, die die Histadruth nicht beizustellen in der Lage war. Die Nachfrage nach jüdischen Arbeitern hat jetzt steigende Tendenz, so daß die Gefahr besteht, daß die jüdischen Unternehmer, falls ihnen nicht sofort jüdische Arbeiter zur Verfügung stehen, anläßlich des Beginns der Pflanzungssaison nichtjüdische Arbeiter einstellen werden. Die Histadruth mobilisiert alle neueingetroffenen Chaluzim für Sofortarbeit, um halbwegs der Situation gerecht werden zu können. Scharfe Maßnahmen gegen illegale Palästina- Einwanderung durch Syrien , Jerusalem, 21. Februar. (JTA.) Auf Ersuchen der Palästina-Regierung haben die französischen Behörden in Syrien scharfe Maßnahmen zur Verhinderung illegaler Palästina-Einwanderung auf dem Wege über Syrien ergriffen. Die Jerusalemer Regierung hat festgestellt, daß in Syrien eine arabische Menschenschmugglerbande am Werke ist, die sich systematisch mit der Einschmuggelung von Juden nach Palästina befaßt. Diese Bande arbeitet mit den üblichen Lockmitteln. Dem Wunsche der Palästina- Regierung entsprechend, lassen die syrischen und libanesischen Behörden keine Schiffsreisenden landen, die nicht über Visa zu dauerndem Aufenthalt in Syrien oder Palästina verfügen. Bis jetzt wurden an der syrisch-palästinensischen Grenze' 116 Personen angehalten, die versucht hatten, ohne Visum die Grenze nach Palästina zu überschreiten. Beduinen greifen frühere jüdische Legionäre in Vadi Havarith an J e r u s a 1 e m , 24. Februar. (JTA.) Ein Trupp von mehr als 30 Beduinen besetzte jenen Teil des Vadi-Havarith-Bodens, auf dem vor einiger Zeit frühere jüdische Legionäre, zum Teil auch aus Amerika, die im Kriege auf Englands Seite gegen die Türken gekämpft haben, angesiedelt worden waren. Es kam zu einem Kampf zwischen den Eindringlingen und den sich wehrenden Legionären, in dessen Verlauf der Legionär Joseph Benjamini getötet und zwei andere Legionäre verletzt wurden. Von jüdischer Seite wird gegen die Polizei der schwere Vorwurf erhoben, daß sie, obwohl sie nicht weit vom Schauplatz des Kampfes stationiert war und es vor Beginn des Kampfes eine längere mündliche Auseinandersetzung zwischen den gegnerischen Parteien gegeben hat, nicht rechtzeitig einschritt, um ein Blutvergießen zu verhindern. Arabische Konferenz fordert Verbot jüdischer Einwanderung und jüdischen Bodenkaufs J e r u s a 1 e m , 26. Februar. (JTA.) Eine Abordnung der von der arabischen Exekutive einberufenen Konferenz zur Bekämpfung des jüdischen Einflusses, an der 60 Delegierte aus ganz Palästina teilnahmen, erschien am 25. Februar beim High Commissioner General Sir Arthur Wauchope, um ihm die Entschließungen der Konferenz zu überreichen, in denen das Verbot weiterer jüdischer Einwanderung und des Verkaufs von Boden an Juden ausgesprochen wird. Wie verlautet, hat der High Commissioner die Abordnung sehr kühl empfangen. Jerusalem, 26. Februar. (JTA.) Der kühle Empfang, den der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope der Abordnung der arabischen Konferenz bereitet und die Antwort, die er ihr erteilt hat, wirkten auf die Konferenz wie eine kalte Dusche. Der High Commissioner hat der Abordnung gesagt: „Was ihr wollt, ist eine Unmöglichkeit. Wir haben nicht die Macht, den Juden den Kauf von Boden zu verbieten; auch ist die Regierung nicht willens, das Land gegen jüdische Einwanderung abzuschließen, so lange eine Nachfrage nach Arbeiterhänden besteht.“ Als die Abordnung von ihrem Besuch beim High Commissioner in die Konferenz zurückkehrte und über den Verlauf der Unterredung Bericht erstattete, herrschte unter den Konferenzteilnehmern tiefe Bestürzung und Empörung. Der Vorher bereits gefaßte Beschluß, für den 5. März den Generalstreik zu proklamieren, wurde zurückgezogen mit der Begründung, daß die Lage jetzt eine solche geworden sei, daß ein bloßer Demonstrationsstreik ihr nicht sehr gerecht werde.

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