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Das jüdische Echo · 1933-03-03 · 9 (3.3.1933) · p. Seite 67

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
20 (1933)
Issue
9 (3.3.1933)
Date
1933-03-03
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 9 Das Jüdische Echo 67 Auf Grund des natürlichen Abganges seit der im Jahre 1932 erfolgten Volkszählung läßt sich die jüdische Bevölkerung Wiens ohne Berücksichtigung der Zu- und Abwanderung mit zirka 186 000 Seelen errechnen. Aus diesem Berichte ist zu entnehmen, daß das Wiener Judentum in den letzten 12 Jahren einen natürlichen Abgang von zirka 30 000 Seelen zu verzeichnen hat. Bei weiterem Fortgang dieser Entwicklung wird Wien in vierzig bis ftinftig Jahren j'iidenrein sein. Zum Vergleiche seien entsprechende Ziffern aus der palästinensischen Judenstadt Tel-Awiw (im Berichtsjahre zirka 45 000 Seelen) angeführt. Laut Bericht der Stadtverwaltung betrug der natürliche Zuwachs der Bevölkerung im vergangenen Jahre (jüdisches Jahr 5692), d. h. der Überschuß der Geburten über die Todesfälle, 1357. Es standen 1991 Geburten gegen 634 Todesfällen. In Wirklichkeit dürfte die Geburtenziffer eine höhere sein, da viele orientahsche Juden die Geburten nicht zur Anzeige bringen. * Während also im jüdischen Wien die Zahl der J odesfälle ungefähr dreimal so groß ist als die der Geburten, ist in Tel-Awiw die Zahl der Geburten mehr als dreimal so groß wie die ZahJ der Todesfälle. In Wien entfallen auf 1000 jüdische Seelen 4,8 Geburten im Jahre, in Tel-Awiw ungefähr zwölfmal so viel, nämlich 47,9. Sterbendes Judentum —• lebendes Judentum. Aus der jüdischen Welt 18. Zionistenkongreß wird am 8. August 1933 in Karlsbad eröffnet Berlin 21. Februar. (JTA.) Nach einem Telegramm an die Jüdische Telegraphen-Agentur aus Jerusalem wird der 18. Zionistenkongreß im August 1933 in Karlsbad stattfinden. Wie Herr Motzkin erklärt, haben die Exekutive der Zionistischen Organisation und das Präsidium des Zionistischen Aktions-Komitees in einer gemeinsamen Beratung beschlossen, den 18. Zionistenkongreß für den 8. August nach Karlsbad einzuberufen. Vereinigung der Bünde „Kadimah“ und „Brith Haolim“ Berlin, 26. Februar. (JTA.) Die beiden zionistisch-sozialistischen Jugendbünde ..Kadimah“ und „Brith Haolim“ vereinigten sich in Berlin zu einem Bund, der den Namen „Habonim noar chaluzi“ führt. Der neue Bund hat in Deutschland heute schon 40 Ortsgruppen mit 2800 Mitgliedern, außerdem 300 Chawerim in Palästina. Die Menschen des Bundes reihen sich in die in der Histadruth organisierte Arbeiterschaft Palästinas ein. der Bund ist ein Bestandteil der sozialistischen und der zionistischen Weltbewegung und gehört auch der Zionistischen Weltorganisation an. Jeder Ältere des Bundes ist verpflichtet, der Liga für das arbeitende Palästina beizutreten. SA.-Uniformierte in der Villa eines jüdischen Professors Berlin, 2. Februar. (JTA.) ln die in Wernsdorf bei Erkner gelegene Villa des Direktors des Jüdischen Krankenhauses in Berlin. Prof. Dr. Rosenstein, drangen, wie „Vorwärts“ mitteilt, fünfzehn Leute in SA.-Uniform mit vorgehaltenen Pistolen ein, hielten das die Hausverwaltung führende Chauffeur-Ehepaar und dessen Sohn in Schach, besetzten das Telephon, erbrachen den Waffenschrank und eigneten sich fünf wertvolle Jagdgewehre und die dazugehörige Munition an. Hernach flüchteten die Täter in zwei Privatautos. Die Familie des Prof. Rosenstein weilte zur Zeit des Überfalls nicht in der Villa. Die Ritualmordlegende im Wahlkampf Berlin, 27. Februar. (JTA.) Nach Mitteilung sächsischer Blätter erhielten in Dresden die Einwohner durch die Post das folgende Wahlflugblatt zugestellt: „Deutsche Frau, deutsches Mädchen! Im März 1932 schächteten die jüdischen Reichsbanner- und SPD.-Mitglieder Kurt Mayer iun. und Moritz Meyer sen. in Paderborn die 22jährige Deutsche Martha Kaspar, nachdem diese beiden Vampyre sie vordem gebraucht hatten. Das Blut der Martha Kaspar wurde zu jüdischen Ritualzwecken benutzt, die Eingeweide warf man Schweinen zum Fressen vor. ...Ein kleiner Vorgeschmack von der jüdischen Erfindung, genannt .Bolschewismus1. Nationale Frauenliga.“ Tagung der Württembergischen Israelitischen Landesversammlung Stuttgart, 22. Februar. (JTA.) Am 19. Februar tagte in Stuttgart die Württembergische Israelitische Landesversammlung unter dem Vorsitz ihres Präsidenten, Rechtsanwalt Dr. Hayum (Tübingen). Im Vordergrund der Beratungen der Israelitischen Landesversammlung standen wirtschaftliche und Steuerfragen. Die Beratungen konzentrierten sich in erster Linie auf die Beitragsleistung an die leistungsschwachen Gemeinden und für Wohlfahrtszwecke. Schließlich wurde einstimmig der Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1932/33 und 1933/34 genehmigt. Die Ausgaben betragen in beiden Jahren etwas über RM. 400 000.—, die Einnahmen über RM. 210 000.—. Die zur Deckung des Abmangels 1932/33 zu erhebende Landesumlage wurde auf 4,4 Prozent aus der Reichseinkommensteuer und aus der dreifachen Vermögenssteuer 1931 festgesetzt. Über die Landesumlage für das Rechnungsjahr 1933/34 soll erst später, wenn die Ergebnisse der Reichseinkommen- und Vermögenssteuer 1932 bekannt sind, Beschluß gefaßt werden. Schächtkontingentierung in Hessen undurchführbar Gießen, 23. Februar. (JTA.) Die auf Antrag der NSDAP, vom Hessischen Landtag beschlossene Kontingentierung der Schächtungen im Freistaat Hessen nach dem Bedürfnis der jüdischen Bevölkerung hat das Ministerium veranlaßt, für die dafür zuständigen Behörden eine dahingehende Polizeiverordnung zu erlassen. Nach einer sehr eingehenden Beratung aller beteiligten amtlichen Stellen über die Durchführung einer solchen Polizeiverordnung, bei der auch die Gießener Metzgerinnung gehört wurde, sind die Behörden zu dem Schluß gekommen, daß die Kontingentierungsmaßnahmen nicht durchführbar sind und, wie die Verhältnisse liegen, zu einer großen Schädigung für das hessische Metzgergewerbe führen würden.

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