Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 20 (1933)
- Issue
- 7 (17.2.1933)
- Date
- 1933-02-17
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Das Jüdische Echo Nr. 7 eine der erlesensten Persönlichkeiten der deutschen Gelehrtenwelt. Die Zeit seiner Wirksamkeit als Kultusminsiter war eine Periode stetigen Kulturfortschritts in Preußen. Den Juden und dem Judentum stand Prof. Becker, der eine große Reihe jüdischer Gelehrter zu seinen Freunden zählte, mit wohlwollender Unbefangenheit gegenüber. Als ein Freund des Palästina-Werkes gehörte er dem Deutschen Komitee Pro Palästina seit dessen Begründung an und besuchte fast alle Berliner Veranstaltungen dieses Komitees. Auch den sonstigen indischen Werken brachte er Interesse entgegen. Car! Fürstenberg gestorben Berlin, 10. Februar. (JTA.) Im Alter von 83 Jahren verstarb der hervorragende Berliner Finanzmann Carl Fürstenberg, der Gründer und Geschäftsinhaber der Berliner Handelsgesellschaft. Seine Eigenart und Bedeutung für das Großbankgewerbe liegt in dem von ihm streng durchgeführten Prinzip der Konzentration. Die deutsche Banklind Börsenwelt verliert in ihm einen ihrer besten Führer alten Stils. Er hatte den Ruf, einer der witzigsten Menschen von Berlin zu sein. Vor einigen Jahren erregte es Aufsehen, daß Fürstenberg aus steuerlichen Gründen seinen Austritt aus der Jüdischen Gemeinde vollzog. Sitzung des Großen Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden Berlin, 12. Februar. (JTA.) Der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden wird am Sonntag, den 19. Februar, seine erste Sitzung in diesem Jahre abhalten. Die Tagesordnung umfaßt neben den Rechnungsabschlüssen für das vergangene Jahr und dem Haushaltsplan für das Etatjahr 1933/34 auch Abänderungen des Haushaltsplans für das laufende Jahr. Hier haben sich durch verschiedene Umstände Etatüberschreitungen nicht vermeiden lassen, die durch Ausgleich mit anderen Positionen wieder eingespart werden sollen. Verbot der Gedenkfeier für Walter Steinfeld an der Berliner Universität B e r 1 i n , 10. Februar. (JTA.) Der Deutsche Studentenverband, die Spitzenorganisation der republikanischen Studentenschaft, hat zum Freitag, elf Uhr, zu einer Gedenkfeier für den in Breslau von Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Studenten Walter Steinfeld aufgerufen. Irn letzten Augenblick wurde die Trauerfeier von der Polizei ver- . boten. Ein Teil der Versammelten, etwa 1000 Studenten, begab sich daraufhin in das Universitätsgebäude, um in einer stillen Feier Steinfelds zu gedenken. Ein Student sprach einige Gedenkworte und forderte die Anwesenden auf, den ermordeten ..Steinfeld durch eine Minute Schweigen zu ehren. -Nach dieser Feier wurden republikanische Studenten auf dem Hegelplatz und in der Dorotheen- und Georgenstraße von nationalsozialistischen Studenten angegriffen und in eine Schlägerei verwickelt. Es gab auf beiden Seiten eine Anzahl Leichtverletzte, fünf nationalsozialistische und zwei republikanische Studenten wurden verhaftet. Antijüdischer Terror in Gersfeld (Rhön) Gersfeld (Rhön), 8. Februar. (JTA.) In Gers- -,-feld (Rhön) herrscht seit einiger Zeit ein scharfer antijüdischer Terror, der sich für die jüdische Einwohnerschaft verhängnisvoll auswirkt. An einem der verflossenen Abende wurden an mehreren jüdisGben^Geschäftshäusern die Schaufenster eingesöMägen. Ats 'ein jüdischer Kaufmann die Verfolgung eines der flüchtenden Täter aufnahm, wurde er von diesem und dessen Genossen durch Messerstiche in den Hals erheblich verletzt. Zu umfangreichen Ausschreitungen kam es am Sonnabend, den 4. Februar. Der Führer der Gersfelder Nationalsozialisten forderte seine Anhänger auf, die jüdischen Einwohner Gersfelds aus ihren Häusern zu holen. Die fanatisierte Menge zo^ vor das Haus des angesehenen, aber politisch nie hervorgetretenen Kaufmanns Bach rach. Drei der Demonstranten verschafften sich mit Gewalt Eingang in das Haus und verletzten den im Kreise seiner Familie sitzenden Kaufmann Bachrach durch Schläge und Tritte so schwer, daß er zusammenbrach. Frankfurt a. M., 10. Februar. (JTA.) Zu den antisemitischen Gewaltakten in Gersfeld (Rhön) erfährt der JTA-Vertreter heute, daß die Vorgänge von der Staatsanwaltschaft verfolgt werden. Den Beamten der Ortspolizei und der Landjägerei ist es trotz angestrengter Bemühungen noch nicht gelungen, die Teilnehmer an dem Überfall und an der Messerstecherei vom 31. Januar zu ermitteln. Weitere antisemitische Untaten im Reiche B e r 1 i n. Wie aus Hamburg telegraphiert wird, wurde am Sonnabend vormittag ein jüdischer Kaufmann beim Verlassen der Synagoge nach der Sabbat-Andacht von uniformierten Nationalsozialisten überfallen und schwer verletzt. Aus Dülmen wird gemeldet, daß dort Nationalsozialisten die Fensterscheiben von jüdischen Kaufhäusern eingeschlagen haben. In Friedberg (Ob.-Hess.) sind in der Nacht zum Sonntag, dem 5. Febr., zum drittenmal innerhalb zweier Monate, an dem Kaufhaus Geschwister Mayer in der Hanauer Straße sämtliche Erkerscheiben eingeworfen worden, ohne daß es bisher gelang, die zweifellos aus antisemitischen Motiven handelnden Täter festzunehmen. Krefeld. Das Polizeipräsidium teilt mit: ln der Nr’olit vorn 5. zum 6. Februar wurden von unbekannten Tätern drei Fensterscheiben der hiesigen Synagoge durch Steinwürfe zertrümmert. Die zertrümmerten Fensterscheiben stellen künstlerisch wertvolle Glasmalereien dar, die nach Entwürfen von Professor Thorn-Prikker hergestellt sind. Es soll ein Schaden von etwa 6000 RM. entstanden sein. Nach den polizeilichen Ermittlungen scheint es sich um einen vorbereiteten Anschlag gehandelt zu haben, weil die Täter als Wurfgegenstände Kleinpflaster benutzten, das sich in der näheren und weiteren Umgebung der Synagoge nicht befindet, und deshalb von den Tätern zu ihrem Vorhaben mitgeführt worden sein muß. Berlin. 13. Februar. (JTA.) „Vorwärts“ meldet aus Eisleben, daß dort der jüdische Kaufmann Helft von drei SA-Leuten überfallen und schrecklich zugerichtet wurde. Die Täter sind bekannt und der Polizei namhaft gemacht worden. Eine Verhaftung ist nicht erfolgt. Dagegen wird der schwerverletzte Kaufmann von der Polizei heftig bedrängt, weil am Tatort sein — Spazierstock gefunden wurde. Überfall auf Juden in Danzig Danzig, 8. Febraur. (JTA.) Während der letzten Kundgebungen der Danziger Nationalsozialisten wurden mehrere jüdische Passanten von Demonstranten niedergeschlagen; einige Passanten wurden verletzt, unter ihnen ein Arzt, der palästinensischer Staatsbürger ist, Der englische Konsul in Danzig hat bei der Danziger Regierung wegen Mißhandlung des Bürgers eines englischen Mandatsterritoriums Beschwerde erhoben.