Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 20 (1933)
- Issue
- 7 (17.2.1933)
- Date
- 1933-02-17
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 t)as Jüdische Echo Nr. 7 In Düsseldorf ist ein großes Plakat mit roter Schrift in einem Arbeiterviertel an eine Wand geklebt worden: „SA. u. SS.! Ihr habt Arbeiter genug erschossen. Wann werdet Ihr den ersten Juden hängen?“ Es dürfte unzweifelhaft sein, von welcher Seite dieses Plakat angebracht worden ist. Das zuständige Polizeirevier, das aufgefordert wurde, das Plakat zu beseitigen, hatte zugesagt, es bei Dunkelheit fortzunehmen. Am nächsten Tage hing das Plakat aber immer noch. Auf erneute Vorstellungen erklärte der stellvertretende Reviervorsteher, das Plakat sei auf einem Privatgrundstück angebracht, das ginge ihn nichts an. Man solle sich an das Polizeipräsidium wenden. Dieses hat dann auf Vorstellungen des Gemeindevorstandes hin für die Entfernung des Plakates gesorgt. Die „Nationalsozialistischen Monatshefte“, als deren Herausgeber Adolf Hitler zeichnet, widmen ihr Januarheft vorwiegend der Judenfrage. An leitender Stelle steht ein nicht weniger als 39 Seiten langer pseudo-wissenschaftlicher Artikel von Arno Schickedanz „Ein abschließendes Wort zur Judenfrage“, der die bekannten beleidigenden und entstellenden Behauptungen über das jüdische Volk und seine geschichtlichen Leistungen sowie über das moderne Judentum wiederholt. Der Artikel ist von einer geradezu beängstigenden Ignoranz und Minderwertigkeit; leider ist dies kein Grund, um daran zu zweifeln, daß er auf die parteigenössischen Leser den gewünschten Eindruck nicht verfehlen wird. Nach einer Meldung des „Berliner Tageblatt“ aus Hamburg hat dort der Vorsitzende der Preußischen Landtagsfraktion der NSDAP, Wilhelm Kube, angekündigt, daß der Antisemitismus der nationalsozialistischen Bewegung einen erneuten Aufschwung nehmen und „schonungslos und eindeutig“ zum Ausdruck gebracht werden wird. Dieser Ankündigung gemäß veröffentlicht der „Völkische Beobachter“ einen Wahlaufruf, den ersten in der gegenwärtigen Kampfperiode, der über eine ganze Seite läuft und ausschließlich antisemitischen Inhalt hat. Der Aufruf ist überschrieben „Eine Kunst, die nichts mit deutschem Blut zu tun hat, und die nicht aus unserer Seele kam“. Darunter bemüht sich ein Dr. S. nachzuweisen, daß das von Juden beherrschte Theater, diese „zerfressende Pest“, nichts, was einst groß war, nichts, was mitgeholfen hat, das deutsche Volk zu begründen, verschont hat.“ Bedarf es noch eines Wortes um nachzuweisen, daß der Judenhaß noch immer Ursprung und Ziel des Nationalsozialismus ist? Kampf für die Freiheit Um dem Kampf für die Freiheit in Deutschland neuen Aufschwung zu geben, hat ein Komitee von Schriftstellern, Journalisten und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens die Veranstaltung eines „Kongresses für das freie Wort“ angeregt, der am 18. und 19. Februar in Berlin zusammentreten soll. Unter den voraussichtlichen Teilnehmern, deren Namen in den Ankündigungen mitgeteilt werden, sind eine beträchtliche Anzahl Juden. €. Z. Klötzel, der gleichfalls eine Einladung zur Teilnahme erhielt, hat abgelehnt an dem Kongreß teilzunehmen. Die Begründung dafür gibt er in einem Brief an das Initiativ-Komitee des Kongresses, der auch in der „Jüdischen Rundschau“ veröffentlicht ist. Seine Argumentation ist von einer echten Erkenntnis der jüdischen Lage getragen und sie sollte auch von anderen jüdischen Persönlichkeiten beachtet werden. Wir geben einige Stellen aus dem Brief wieder: „Ich lehne ab, weil ich Jude bin. Das mag Ihnen absurd erscheinen angesichts der Tatsache, daß die Liste derer, die sich bisher zur Verfügung des geplanten Kongresses gestellt haben, eine Mehrzahl von jüdischen Namen enthält. Unnöti~ zu sagen, daß mein Verhalten keine Kritik der jüdischen Kongreßteilnehmer darstellen soll, sie haben ihre Entscheidung zweifellos nach bestem Gewissen getroffen. Mir stellt sich die Situation in Deutschland folgendermaßen dar: Die im Besitz der Macht befindlichen Kräfte führen den Kampf gegen die Demokratie betont als einen Kampf gegen die Anteilnahme der deutschen Juden an der deutschen Politik und am deutschen Kulturleben. Sie betrachten die Demokratie in erster Linie als eine „jüdische Erfindung“ zum Zweck der „Verjudung des deutschen Volkes. Auch die Losung des „freien Wortes“ sehen sie nur als einen Deckmantel für angebliche jüdische Machtpläne an. Angesichts dieser Tatsache verschiebt sich für den deutschen Juden die Kampfbasis auch dort, wo er sich im Ziele solidarisch weiß mit den nichtjüdischen Kreisen Deutschlands. Er vermag erfolgreich nur zu kämpfen auf dem Boden seiner eigenen, der jüdischen Gemeinschaft. Denn im Gegensatz zu seinen nichtjüdischen Mitkämpfern ist es meinem Gefühl nach für ihn unerläßlich, Konsequenzen aus der Tatsache zu ziehen, daß die oben angedeutete These, die Demokratie sei nichts als ein jüdischer Trick, um den Deutschen eine politische und kulturelle Daseinsform aufzuzwingen, unter der sie nicht zu leben vermögen, als Kernstück heutiger deutscher Weltanschauung zur Debatte steht. Es ist meine Überzeugung, daß sich die deutschen Juden an dieser Debatte nicht beteiligen sollten, weil dies unter ihrer Würde und völlig nutzlos wäre. Der Kampf ihres „Kongresses um das freie Wort“ ist ein Teil dieser Diskussion, aus diesem Grunde vermag ich nicht daran teilzunehmen. Für mich als Juden ist die demokratische Freiheit des Wortes ein Lebensbedürfnis. Ob sie es auch für die Mehrheit des deutschen Volkes ist, muß dieses selbst entscheiden. Ich glaube weder das Recht, noch die Pflicht zu haben, diese Entscheidung zu beeinflussen. Endlich das praktische Moment: bei der gegenwärtigen Geisteslage in Deutschland kann ich mir keinerlei Nutzen für welche Bestrebung allgemeiner Art auch immer versprechen, wenn Juden an ihr in nennenswerter Zahl und an leitender Stelle teilnehmen. Sie sind dadurch von vornherein kompromittiert. Die Sache des freien Wortes ist für mich eine zu wichtige Angelegenheit, als daß ich sie unter den heutigen Umständen mit meinem jüdischen Namen belasten möchte. In geistigen Fehden ist nichts so notwendig, als daß der Standort der Kämpfenden mit der größten Schärfe erkennbar ist. Ich habe das unabweisbare Bedürfnis, gegen Argumente, deren Schwergewicht die antisemitische Betonung ausmacht, nur zu kämpfen auf dem Boden jüdischer Solidarität und jüdischer Würde. Politische Beratung der Reichs« Vertretung der deutschen Juden Berlin, 13. Februar. (JTA.) Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden gibt amtlich bekannt: „Mit Rücksicht auf die durch die politische Entwicklung der letzten Zeit geschaffene Lage trat die Reichsvertretung der jüdischen Landesverbände