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Das jüdische Echo · 1933-02-10 · 6 (10.2.1933) · p. Seite 45

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
20 (1933)
Issue
6 (10.2.1933)
Date
1933-02-10
Page
Seite 45 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 45 ler aus Polen hatten sich eingefunden und nahmen während der Eröffnungsfeier an der grandiosen Sportakademie teil. Sokolows Abschied von Palästina Jerusalem, 3. Februar. (JTA.) Nahum Sokolow, Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, der mehrere Wochen in Palästina geweilt hat, hat sich am 2. Februar anläßlich einer ihm zu Ehren veranstalteten Kundgebung im Bdison-Theater, dem größten Saale Jerusalems, von seinen Verehrern verabschiedet. Die Veranstaltung, der mehrere Hundert Juden Jerusalems und der übrigen Städte und Kolonien Palästinas beiwohnten, wurde vom Waad Leumi, dem Präsidium des Keren Hajessod und der Jerusalemer Jüdischen Gemeinde veranstaltet und vom Präsidenten des Jüdischen Nationalfouds M. M. Ussischkin geleitet. Sokolow tritt seine Rückreise nach London am 7. Februar an. Feuilleton Hrnold Zweigs Palästinaroman Von Manfred S t u r in a n n Als Arnold Zweig, der Dichter der „Aufzeichnungen über eine Familie Klopfer“ und des Essays „Herkunft und Zukunft“ zu Anfang des Jahres 1932 nach Palästina reiste, um endlich das real zu erleben, was er als Dichter längst erschaut, und wofür er als Jude lange Jahre gekämpft hatte, da kam ihm mitten im Lande Erez Jisrael, mitten in der schier erdrückenden Fülle von neuen Eindrükken, der Gedanke, den Palästinaroman „De Vriendt kehrt heim“ zu schreiben. Und kaum zurück von seiner vielwöchigen Fahrt durch das heilige Land geht der Dichter in die Stille eines allgäuischen Gebirgsdorfes und schreibt dort, in mächtigen Zügen und geradezu geschüttelt von der Wucht seiner inneren Gesichte und den sich angestauten Eindrücken Palästinas diesen Roman nieder. „De Vriendt kehrt heim“ ist jetzt erschienen (bei Gustav Kiepenheuer in Berlin). Ein sehr menschliches Buch und ein sehr seltsames. Jenen, denen die Fabel dieser Dichtung peinlich ist, weil sie jüdische Menschen als Edeltypen zu sehen gewohnt sind und dies auch von den Büchern, die sie lesen, verlangen, sei gesagt: Das menschlich Wahre ist nie peinlich. Der Jude, auf seinem Boden ist der endliche Normaltyp geworden, wie der Franzose, Russe und Engländer auf seinem Boden. Das jüdische Volk auf seinem Boden ist das Normalvolk geworden, wie irgend ein anderes, mit allen guten und schlechten Eigenschaften, die irgend ein gesundes Volk auf der Erde nur besitzt. Palästina — - das ist die Realität. Kampf für dieses Land ist Kampf um die Wirklichkeit. Wer diesen Kampf für eine Phantasie hält — und wie viele Juden gibt es, die dies tun, selbst heute noch! — ist ein Träumer, ein Mensch der aus Gründen der Bequemlichkeit oder zu großer innerer Verhaftetheit an die dogmatische Tradition um die Wirklichkeit herumgeht. Damit aber sind wir schon mitten in dem Problem von Zweigs Roman. Die Geschichte des Dr. de Viiendt, des radikalen Agudisten, ist die Tragödie des Wirklichkeitsfremden, jenes, der aus der Geschichte keine praktische Nutzanwendung zu ziehen versteht, und dessen historisches Denken in seinen engen Bahnen erstarrt und erfroren ist. Schade um die außergewöhnlichen geistigen Anlagen dieses Menschen de Vriendt (oder dieser Menschen, die ihm hierin ähneln), um sein Wissen, seine Kultur — er ist ein Don Quichote und gleicht einer Schiffsschraube, die sich in der Luft dreht. De Vriendts Schicksal ist entschieden, wir wissen es nach den ersten Zeilen des Buches. Mr. Irmin, der prächtig gezeichnete englische Polizeibeamte, meint es gut mit De Vriendt, als er ihm während einer Autofahrt durch das Emek zuruft: „Sehen Sie sich die Welt an, Mann!“ Arnold Zweig hat alle Register seiner Kunst gezogen, Menschen zu schildern, um uns diesen de Vriendt zu verdeutlichen. In ihm spiegelt sich die grausame Zerrissenheit der Diasporajuden wieder, in einer Steigerung, die schlechthin erschüttert, wenn es sich hier auch nur um einen Einzelfall handelt, was ausdrücklich betont werden muß. De Vriendt, holländischer Jude, findet erst spät den Weg zum Judentum. Wandlungsfähig, wie er ist, wird aus dem Revisionisten ein Misrachist, aus diesem der Afrudist in schärfster und agressivster Form. Seine Feder und seine Zunge sind verhaßt im Land, er wird mit Recht als Querulant und Störer des Aufbaus empfunden, und nur eine kleine Gruppe Thoratreuer um den Rabbi Zadok sieht zu ihm auf als dem unermüdlichen Kämpfer für ihre Sache. Ist de Vriendt auch nach außen hin ein Mustertyp des orthodoxen Menschen, der dreimal täglich betet, die Schaufäden trägt und in allem ein gottgefälliges Dasein führt — so ist doch ein furchtbarer Riß in seiner Seele. Dies aufzuzeigen gelingt Zweigs Meisterschaft vollkommen. Um diesen Kern ist der weite Bogen seiner Dichtung gelegt: das gigantische Ringen zwischen Geist und Trieb. Ein ewiges Fluchen und Segnen ist in dem Manne de Vriendt. Während er sein Leben verklärt zu haben glaubt in der strengsten Erfüllung des Gebotes, wird er schwach in der Liebe zu einem Knaben. So wird aus Askese Rausch, aus der Zügelung Exzeß. Er, der in einem geheimen Manuskript Gott lästert in ungeheuren Worten, sagt in kindlichem Glauben zu jenem Mr. Irmin, da er von der kleinen Gruppe der Thoratreuen spricht: „Und doch sind wir wieder da ..., und die Feindschaft, mit der man uns beehrt, beweist nur, daß unsere Geschichte nicht zu Ende ist, und daß die Zionisten Gott vorgreifen und daher zum Mißlingen verurteilt sind. Denn wenn Gott sich unser wieder erinnert: wer wird dann seine Hand wider uns erheben?“ Gläubigkeit dieser Art und Fanatismus wohnen dicht beieinander. Und fanatisch ist der Haß de Vriendts gegen die Zionisten. Er ist in Gefahr, von den Angehörigen eines arabischen Knaben, mit dem ihn Freundschaft verbindet, getötet zu werden, beschließt, der Warnung Irmins zu folgen und das Land für einige Zeit zu verlassen. Aber ehe er geht, will er eine mächtige Verschwörung gegen die Zionisten inszenieren, um später in Europa hieran weiterzuarbeiten. Er geht so weit, daß er ein Memorandum veröffentlicht, in dem er die Juden seiner Gruppe, sowohl im Jischuw als im Golus mit den Arabern zusammen in einer Front gegen die das Land aufbauenden Zionisten gestellt wissen will. Ungeheuere Empörung erweckt dieser Aufruf im Lande, das kurz vor den Unruhen von 1929 steht. Die Atmosphäre ist geladen, die Zünd schnur brennt. Die Kugel des Chaluz Mendel Glass straft den Verräter de Vriendt. Diese Fabel ist, wie gesagt, nur der Kern von Zweigs Dichtung. Darum schichtet sich ein Chorus

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