Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 20 (1933)
- Issue
- 6 (10.2.1933)
- Date
- 1933-02-10
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Das Jüdische Echo Nr. 6 Direktor Heinrich Stahl, Vorsitzender des Deutsch- Israelitischen Gemeinde-Bundes Berlin, 1. Februar. (JTA.) In der am 31. Januar stattgef undenen Vorstandssitzung des Deutsch- Israelitischen Gemeinde-Bundes ist Direktor Heinricht Stahl, Mitglied des Vorstandes und Leiter des Wohlfahrtswesens der Jüdischen Gemeinde Berlin, als Nachfolger von Herrn Professor Moritz Sobernheim zum ersten Vorsitzenden des Bundes gewählt worden. Ein jüdischer Student in Breslau auf offener Straße ermordet Breslau, 5. Februar. (JTA.) Nach einer Kundgebung der Eisernen Front am Sonntag, bei der der frühere Reichstagspräsident und spätere Vizepräsident' Paul Lobe sprach, kam es an verschiedenen Stellen der Stadt zwischen den heimkehrenden Demonstranten und Nationalsozialisten zu heftigen Zusammenstößen. Am Reichspräsidentenplatz wurde der 23jährige jüdische stud. ing. Walter Steinfeld, der Sohn eines Breslauer Bankbeamten, der sich allein auf dem Heimweg befand, von drei Nationalsozialisten überfallen, die ihn durch Messerstiche in Brust und Bauch derart verletzten, daß er wenige Stunden nach der Einlieferung in das Krankenhaus verstarb. Im Zusammenhang mit dieser Bluttat sind zwei Nationalsozialisten verhaftet worden. Nach dem Fall Cohn ein Fall Arthur Feiler? Königsberg i. Pr., 6. Februai. (JTA.) Die „Deutsche Studentenschaft“ der Handelshochschule Königsberg hat die folgende Entschließung gefaßt und sie dem Reichsinnenminister und kommissarischen Innenminister Preußens, Goering, zugehen lassen: „Die versammelte Studentenschaft der Handelshochschule zu Königsberg erhebt im Interesse des akademischen Friedens an der Handelshochschule flammenden Protest gegen das fernere Wirken des jüdischen Herrn Feiler als Professor an der Handelshochschule. Dr. Feiler wurde im vergangenen Semester gegen den geschlossenen Willen von Rektor und Senat der Handelshochschule aufgezwungen. Die Deutsche Studentenschaft verlangt im Interesse des Friedens und Ansehens der Königsberger Handelshochschule als eines der äußersten Bollwerke deutscher Kultur im gefährdeten Osten die sofortige Wiederherstellung der durch die marxistische Preußenregierung offensichtlich verletzten Hochschulautonomie und die ordentliche Besetzung des volkswirtschaftlichen Lehrstuhls durch einen deutschen Wirtschaftler.“ Dieser Entschließung gegenüber stellt der derzeitige Rektor der Handelshochschule. Professor Hessenland, fest, daß bei der Berufung von Professor Arthur Feiler allein die wissenschntlhehen Leistungen maßgebend waren und daß niemals der geringste Druck auf Rektor und Dozentenschaft ausgeübt wurde. Theaterdebatte im Darmstädter Stadtrat D a r m s t a d t, 3. Februar. (JTA.) Anläßlich einer erregten politischen Theaterdebatte im Darmstädter Stadtrat im Zusammenhang mit der geplanten Aufführung des Stückes „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ kam es zu einer antisemitischen Manifestation, obwohl weder Bert Brecht noch sein Stück irgend etwas mit Juden zu tun haben. In der Aussprache erklärte der nationalsozialistische Stadtrat Abt, die Politik des Generalintendanten Hartung am Hessischen Landestheater treibe zur Liquidierung eines staatlichen Kulturinstitutes zugunsten der Zersetzungsabsichten art- und volksfremder Elemente. Im Interesse der jüdischen Kapellmeister und Repetitoren Schloßberg, Palm und Adler sei verschiedenen deutschen Künstlern gekündigt worden. Der „Stockjude“ Hirschfeld, als Regisseur ein völliger Versager, trage die Schuld an der Annahme des Brecht-Stückes. Der sozialdemokratische Redner, Stadtrat Friedrich, brachte zum Ausdruck, daß Engagements nur nach kündleiischen Gesichtspunkten erfolgen dürften. Am Schluß der Debatte nahm der volksparteiliche Stadtrat Dr. Bender den Intendanten Hartung in Schutz und erklärte, unter dem Gesamtpersonal des Theaters von 361 Köpfen befänden sich nur 13 Juden. Das könne man nicht als „Verjudung“ bezeichnen. 70. Geburtstag von Henri Sliosberg Paris, 31. Januar. (JTA.) Die große Pariser russisch-jüdische Kolonie feierte am 31. Januar den 70. Geburtstag Henri Sliosbergs, der im jüdischen Leben Rußlands eine große Rolle gespielt hat. Überfall auf jüdische Kaufleute in Klagenfurt Wien, 2. Februar. (JTA.) In Klagenfurt (Kärnten) überfielen Nationalsozialisten jüdische Kaufleute, schlugen auf sie mit Hundepeitschen ein und riefen: „Dies wird das Schicksal der Juden im Dritten Reich sein!“ Der jüdische Firmeninhaber Adolf Preis wurde erheblich verletzt. Die Polizei erschien zu spät am Tatort, so daß es den Tätern gelang, spurlos zu entkommen. Wiener Agudah protestiert gegen Frauenwahlrecht Wien, 1. Februar. (JTA.) Der Vorstand der Wiener Agudah-Organisation fasste die folgende Entschließung: „Der Vorstand der Agudas Jisroel hat mit Bedauern und Entrüstung davon Kenntnis genommen, daß der neugewählte Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde in seiner ersten Sitzung den Beschluß gefaßt hat, den Frauen das passive Wahlrecht für den Kultusvorstand zu verleihen. Es ist tief zu beklagen und muß schmerzlich berühren, daß eine Körperschaft, die durch das Gesetz verpflichtet ist, die religiösen Aufgaben der Wiener Judenschaft zu vertreten, sich in — nach dem einhelligen Gutachten maßgebender Autoritäten — so schroffen Gegensatz zum Religionsgesetz stellt. Die Agudas Jisroel, als Zusammenfassung der glaubenstreuen Judenschaft, legt gegen diese schwere Verletzung des religiösen Empfindens den schärfsten Protest ein und erwartet von allen Körperschaften, die den religiösen jüdischen Gedanken hochhalten, daß sie sich diesem Protest anschließen.“ 500 polnische Palästina-Wanderer Warschau, 2. Februar. (JTA.) In diesen Tagen begaben sich in einem Sonderzug vom Warschauer Bahnhof 500 polnische Juden zu ständigem Aufenthalt nach Palästina. Die Hälfte der Palästina-Wanderer sind Chaluzim, die andere Hälfte Mittelstandsangehörige. Bis zur Pessachzeit werden sich allwöchentlich aus Warschau 200 Juden nach Palästina begeben. Die Makkabiade in Zakopane Zakopane, 2. Februar. (JTA.) In dem Kurort Zakopane in der polnischen Tatra, wurde am 1. Februar abends die Winter-Makkabiade des Welt-Makkabi feierlich eröffnet. Mehr als 250 bekannte jüdische Sportler aus der Tschechoslowakei, Österreich, Jugoslawien, Deutschland, Italien, Danzig und aus anderen Ländern, sowie 150 Sport-