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Das jüdische Echo · 1933-02-10 · 6 (10.2.1933) · p. Seite 43

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
20 (1933)
Issue
6 (10.2.1933)
Date
1933-02-10
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 43 Dieses neue Judentum geht in innerer Sicherheit durch alle Beschimpfungen und Anfechtungen hocherhobenen Hauptes. Alles kommt darauf an, die Juden ans ihrer Atomisierung und Selbstverlorenheit zu befreien und um dieses jüdische Banner zu sammeln. Jahresversammlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden Berlin, 24. Januar. (JTA.) Der Hilfsverein der Deutschen Juden hielt am Montag, dem 23. Januar, abends, im Brüdervereinshaus unter dem Vorsitz von Generalkonsul Eugen Landau seine Jahresversammlung ab. Diese erste Jahresversammlung des Hilfsvereins nach James Simons Tode stand im Zeichen des Gedenkens an diese hervorragende Persönlichkeit. Der Generalsekretär des Hilfsvereins, Herr Dr. Mark Wischnitzer, erstattete nun den Bericht über die Arbeit des Hilfsvereins im Jahre 1932. Die Folgen der Wirtschaftskrise machten sich 1932 immer mehr fühlbar. In der alten und der neuen Welt vermehrten sich Not und Elend. In der Sowjetunion, wo 2Y\ Millionen Juden leben, haben sie als Juden unter politischen und wirtschaftlichen Zurücksetzungen nicht zu leiden, aber infolge der Wirtschaftslage sind sie, wie die übrige Bevölkerung, auf das härteste betroffen, ln Polen machten sich die Tendenzen, die bereits in früheren Jahren vorwalteten, noch mehr geltend. Durch Staatsmonopole, fortdauernde Verstaatlichung weiterer Erwerbszweige, Kartellpolitik, Entziehung bisheriger Konzessionen beim Tabakvertrieb usw., ungleiche Besteuerung von Stadt und Land, systematische Nichtaufwahme von Juden in den Staatsdienst (trotz politischer Gleichberechtigung), Handhabung des Sonntagsruhegesetzes sind weiteste Kreise der jüdischen Bevölkerung in tiefes Elend geraten. Unsere Aufwendungen für das Auswandererfürsorgewerk betrugen im Jahre 1932: 77 900 Mark. Aktion für die Speisung jüdischer Schulkinder, insbesondere in den östlichen Gebieten, wo die Not unbeschreiblich ist. Wir haben es übernommen, für 1000 Kinder im Verlaufe der Wintermonate 1932/33 die erforderlichen Kosten zu tragen. Im ganzen wurden für die Jugendfürsorge 27 400 Mark ausgegeben. Im ganzen wurden für Schulen in verschiedenen Ländern aus dem James-Simon- Fonds und aus laufenden Mitteln des Hilfsvereins 19 000 Mark verausgabt. An Studien-Beihilfen wurden 5615 Mark gewährt. Dr. Wischnitzer gab dann ausführlich Bericht über die Tätigkeit der vom Hilfsverein verwalteten Haffkine-Stiftung zur Unterstützung von Jeschiwoth und führte aus, gemäß den Intentionen von Professor Haffkine sollen die Jeschiwah-Zöglinge auch ein handwerkliches Fach erlernen, um sich eine wirtschaftliche Existenz begründen zu können. Im September 1932 inspizierte Dr. Wischnitzer das Jeschiwah-Hilfswerk in Rumänien. Die Aufwendungen der Haffkine-Kommission beliefen sich im Jahre 1932 auf insgesamt 41 750 Mark. Mit dem Zitat aus der Mischnah: „Wer eine Seele in Israel am Leben erhält, der erhält eine ganze Welt“ und dem Appell, dem Hilfsverein in seinem weiteren Hilfswerk beizustehen, schloß Dr. Wischnitzer. Seine Ausführungen wurden ergänzt durch einen eingehenden Finanzbericht von Dr. Sigmund Wassermann (an Stelle des am Erscheinen verhinderten Direktor M. Joachimssohn). Auch Dr. Wassermann schloß mit einem Ruf an die jüdische Gemeinschaft in Deutschland, den Hilfsverein in die Lage zu versetzen, sein segensreiches Werk fortzuführen. Nachdem noch einige Herren aus der Mitte der Versammlung ihren Dank und ihre Bewunderung für die Arbeit des Hilfsvereins zum Besten des Judentums und der leidenden Menschheit ausgedrückt hatten, wurde auf Antrag von Rabbiner Dr. Emil Cohn der Verwaltung Entlastung erteilt, woraufhin die Wahlen durchgeführt wurden. Aus der jüdischen Welt Das Jüdische Museum in Berlin eröffnet Am 24. Januar abends wurde das Museum in seiner neuen Gestalt feierlich der Öffentlichkeit übergeben. In dem größten Saal der Gemälde- Galerie versammelten sich zahlreiche Persönlichkeiten des jüdischen öffentlichen Lebens, unter ihnen mehrere Mitglieder des Gemeindevorstandes der Repräsentantenversammlung und der interessierten Verwaltungskommissionen, die meisten Gemeinderabbiner, Vertreter öffentlicher Behörden und Sammlungen und viele bekannte jüdische Künstler. Mit dem Jüdischen Museum ist Berlin um eine Sehenswürdigkeit reicher geworden. Die Jüdische Gemeinde kann stolz auf dieses Kulturwerk sein, das in seiner Art einzigartig ist, in weitesten Kreisen Interesse und auch im In- und Ausland Beachtung finden wird. Denn nicht nur für Berlin ist das Jüdische Museum von Bedeutung. Unter allen jüdischen Sammlungen nimmt es unbestritten den ersten Rang ein. Für die Erhaltung des jüdischen Schulwerks in Berlin Berlin, 5. Februar. (JTA.) Der Jüdischen Telegraphen-Agentur wird mitgeteilt: Die vom Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde anläßlich der Etatberatung gefaßten Beschlüsse, die auf eine Beschränkung des Schulwerks der Berliner Gemeinde hinzielen, haben die Elternbeiräte der vier Gemeinde-Schulen veranlaßt, in einer gemeinsamen Sitzung zu der Zukunft des Berliner jüdischen Schulwerks Stellung zu nehmen. In dieser Sitzung wurde als einmütige Auffassung der Elternschaft folgende Resolution angenommen: „Die Elternbeiräte der Schulen Kaiserstraße, Große Hamburger Straße, Auguststraße und Rykestraße haben mit Besorgnis von den seitens des Gemeindevorstaiides geplanten Abbaumaßnahmen im jüdischen Schulwerk, insbesondere der drohenden allmählichen Auflösung der Schule Rykestraße durch Nichteröffnung der Aufnahmeklasse zu Ostern 1933, Kenntnis genommen. Sie erblicken in der Erhaltung des jüdischen Schulwerks, das unter großen Schwierigkeiten und oft gebrachten schweren Opfer aufgebaut wurde, die vordringlichste Aufgabe der Gemeinde und die Gewähr für ihren- Fortbestand. Nazis überfallen jüdischen Zigarrenhändler Berlin, 2. Februar. (JTA.) „8 Uhr-Abendblatt“ teilt mit: „In der Bismarckstraße 1 betraten Mittwoch mittag zwei Nationalsozialisten in Uniform ein jüdisches Zigarrengeschäft. Sie verlangten zehn Zigaretten. Sie behaupteten, sie kaufen zu wollen, während der Inhaber des Geschäfts angab, sie hätten sie geschenkt haben wollen. Als er ihnen dies verweigerte, fielen sie über den alten Mann her und schlugen ihn zu Boden. Darauf griff der Sohn des Überfallenen ein und schlug dem einen Nationalsozialisten mit einer Stahlrute über den Kopf, der daraufhin fortlief. Es gelang, den anderen Nationalsozialisten zu verhaften.“

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