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Das jüdische Echo · 1933-02-03 · 5 (3.2.1933) · p. Seite 35

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
20 (1933)
Issue
5 (3.2.1933)
Date
1933-02-03
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5 Das Jüdische Echo 35 erhält Judenarbeit zu unsittlich billigem Preise. Sie übt gegen den Juden das,,Sweating“-(Schwitz-) System, das man mit erbaulicher Entrüstung anklagt, wenn es auf einige tausend jüdische Schneider in London und Leeds angewandt wird. Aber der „Sweater“, der Unternehmer, der seine jüdischen Oofer achtzehn Stunden lang für 60 Centimes arbeiten läßt, schreit wenigstens nicht über Ausbeutung und beschuldigt diejenigen, die er auffrißt, nicht noch, ihn auszubeuten. Die Antisemiten haben mehr Humor. Sie machen sich ruhig den Umstand zunutze, daß der Jude gezwungen ist, >eine Arbeit überall und immer um ein Viertel ihres Wertes hei zugeben, und nennen gleichzeitig mit einer Antiphrasis, die ihnen sehr geistreich und besonders drollig Vorkommen muß, denjenigen einen Ausbeuter, der ihnen alles gibt und fast nichts dafür emofängt. Die Wahrheit ist, daß der einzige, der ewige Ausgebeutete der Jude ist. Und er wird niemals den gerechten Gegenwert seiner Leistungen erlangen können, solange der ihn umgebende Haß in den Augen der ungeheuren Mehrheit der „Arier“ seine Arbeit, seine Fähigkeiten, alles, was er tut und schafft, entwertet. Hochschulantisemitismus auch in Köln Vor einiger Zeit versandte der Rektor der Universität Köln an alle studentischen Korporationen und Bünde das folgende Rundschreiben: Um einer Beunruhigung vorzubeugen, teile ich folgendes mit: Zu der Frage des um der Ruhe an den Hochschulen willen durchaus unerwünschten Andranges jüdischer Medizinstudenten aus Nordamerika habe ich auf Grund der Beratungen der Rektorenkonferenz am 30. Oktober 1932 den Herren Direktoren der betreffenden Institute in einem Schreiben nahegelegt, bereits immatrikulierten Amerikanern nur dann einen Arbeitsplatz anzuweisen, wenn alle deutschen Kommilitonen einen solchen erhalten haben und künftig Gesuche um Zulassung mit der Begründung des Platzmangels abzulehnen. Das Sekretariat war angewiesen, die Erfüllung aller Zulassungsbedingungen strengstens zu prüfen. Inzwischen hat das Ministerium auf Grund des Berichtes der Rektorenkonferenz verfügt, daß alle Gesuche von ausländischen Medizinstudierenden bis auf weiteres seiner Entscheidung vorzulegen, aber auch, daß die Papiere der bereits Zugelassenen zur Nachprüfung einzureichen sind. ‘ Das Rundschreiben des Kölner Rektors, mit dessen Inhalt sich auch amerikanische Zeitungen beschäftigten, hat im Inland wie im Ausland mit Recht großes Aufsehen erregt. Man bemüht sich in Deutschland, mit allen nur erdenklichen Mitteln den Fremdenverkehr zu heben, man ist stolz auf das Ansehen, das die deutsche Wirtschaft in aller Welt genießt, stolz auf den Zustrom lernbegieriger Ausländer an deutschen Hochschulen — und nun auf einmal eine amtliche Maßnahme, die zwar formell keine Zurückweisung des ausländischen Studenten bedeutet (für eine solche würde es auch an jeder rechtlichen Handhabe fehlen), die aber praktisch der Ablehnung gleichkommt: Denn welchen Zweck hat das Studium in medizinischen oder naturwissenschaftlichen Fächern, wenn die Direktoren der Institute den Studenten keine Arbeitsplätze verschaffen. Besonders erstaunlich ist der Schritt des Kölner Rektors, weil er sich nicht etwa gegen polnische oder rumänische, sondern gegen die amerikanischen Juden richtet. Man weiß, daß sogenannte Deutsche — Amerikaner — das heißt deutsche, polnische oder russische Juden seit der Inflationszeit, wie für andere deutsche Institutionen, so besonders für das deutsche Geistesleben, in großzügigster Weise ihr Geld und ihre Dienste hingegeben haben. Man weiß, daß mit Rücksicht auf dieses amerikanische Rettungswerk und aus Gründen der auswärtigen Politik alle amtlichen Stellen, ja selbst Hitler und die NSDAP sich in Liebenswürdigkeiten gegen Amerika überbieten. Die Ursachen für seinen ganz außerhalb aller sonstiger offiziellen Politik liegenden Schritt gibt der Rektor selbst, indem er mit einer in derartigen Fällen sonst nicht gewohnten Offenherzigkeit verkündet, daß es sich um jüdische Studenten handelt. Bringt der amerikanische Jude Geld, dann ist er Amerikaner. Will er in Deutschland studieren und erregt er dort den Ärger nationalsozialistischer Studenten, so ist er auf einmal der Jude! Aus der jüdischen Welt Nationalsozialistische Studenten demonstrieren vor der Universität und der Börse B e r 1 i n , 31. Januar. (JTA.) In der 11-Uhr-Pause veranstaltete der Nationalsozialistische Studentenbund auf dem Hegelplatz in der Nähe der Universität eine Kundgebung, an der mehrere Hundert Studenten teilnahmen. Die rechtsradikalen Studenten bildeten nach der Kundgebung unter Vorantritt der SA einen Demonstrationszug, der über die Linden nach der Börse zog. Vor der Börse wurde Halt gemacht und eine Rede gegen die „Börsenjuden“ gehalten. Dann begab sich der Zug zur Universität zurück. Einzelne jüdische Studenten wurden mit Gewalt aus dem Gebäude entfernt. Der Rektor Prof. Kohlrausch hielt eine beruhigende Ansprache. Kleinere Ausschreitungen in Berlin Berlin, 31. Januar. (JTA.) Am 30. Januar nachmittags und am Abend kam es in verschiedenen Teilen Berlins zu kleineren antijüdischen Ausschreitungen. Im Stadtbahnhof Bellevue verursachte ein Trupp SA-Leute einiges Aufsehen, indem er beim Einsteigen in den Wagen „Juden raus!“ rief. In der Goethestraße verhöhnten und bedrohten einige SA-Leute eine jüdische Trauergemeinde, so daß eine weibliche Familienangehörige des Verstorbenen Schreikrämpfe bekam. In der Oranienburgerstraße wurden die Schaufenster der hebräischen Buchhandlung Gonzer (in unmittelbarer Nähe des Gemeindehauses und der Neuen Synagoge) in der ,Nacht von unbekannten Tätern eingeschlagen. Gregor Strasser „Judenstämmling“ Berlin, 26. Januar. (JTA.) Wie Otto Strassers „Schwarze Front“ mitteilt, hat Goebbels auf der nationalsozialistischen Gauführertagung in Weimar in Gegenwart Hitlers erklärt, die „jüdische Abstammung“ von Gregor und Otto Strasser sei nun „einwandfrei erwiesen“. Freispruch des Zionistischen Ehrengerichts im Falle Soskin Berlin, 31. Januar. (JTA.) Das Zionistische Ehrengericht trat am Montag, den 30. Januar, abends, unter dem Vorsitz von Rechtsanwalt und Notar S. Gronemann in Berlin zusammen, um in der Klage des Kongreßanwalts Dr. A. Barth gegen Dr. S. Soskin, Mitglied des Zentralbüros des Son-

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