Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 20 (1933)
- Issue
- 4 (27.1.1933)
- Date
- 1933-01-27
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9103090-9187266--12668-9084737- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
28 Das Jüdische Echo Nr. 4 rakters der Gemeinde erblickte. Die Redner aller zionistischen Schattierungen feierten in ihren Ansprachen die Errungenschaft des allgemeinen Wahlrechts und dessen Nutzen für die Demokratisierung der Gemeinde und deren Verwurzelung in den breiten jüdischen Volksmassen. Verdreifachung der jüdischen Wanderung Polen-Palästina Warschau, 18. Januar. (JTA.) Wie das Warschauer Palästina-Büro mitteilt, sind im Verlauf des Jahres 1932 3721 Juden aus Polen nach Palästina eingewandert. Im Jahre 1931 betrug die Zahl dieser Wanderer 1039. Die Zahl der polnischen Palästina-Wanderer hat sich also im Verlauf eines Jahres verdreifacht. Cuzisten zerstören eine Synagoge K i s c h i n e w , 18. Januar. (JTA.) Die Kischinewer jiddische Tageszeitung „Unser Zeit“ meldet, daß die Cuzisten in der Stadt Turna-Magurele die dortige Synagoge stürmten, Türen, Fenster und innere Einrichtung zerstörten und Thora-Rollen schändeten. Nähere Einzelheiten fehlen noch. Schwerste Ausschreitungen antisemitischer Studenten in Czernowitz Czernowitz, 20. Januar. (JTA.) Czernowitz (Cernauti), die Hauptstadt der neurumänischen Provinz Bukowina mit einer jüdischen Bevölkerung von mehr als 50 000 (bei einer Gesamtbevölkerung von 140 000) Seelen, war am Donnerstag, dem 19. Januar, von morgens bis abends Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen Cuzastudenten, die die jüdische Bevölkerung terrorisieren wollten, und jüdischen Studenten, die sich den antisemitischen Angreifern entgegenstellten. Beginn der Paß-Aktion in der Sowjetunion Moskau, 20. Januar. (JTA.) Am 20. Januar begann die Ausgabe von Pässen für die Einwohnerschaft der drei größten Städte der Sowjetunion: Moskau, Leningrad und Charkow. In einer Zone von 100 Kilometern um Moskau und Leningrad und 50 Kilometern um Charkow muß jede über 16 Jahre alte Person bis spätestens 15. April d. J. im Besitz eines Passes sein. Außer den Böros der großen Fabriken wurden in Moskau 400 spezielle Büros zur Prüfung der Dokumente der um Pässe Ansuchenden eingerichtet. Zur Erhaltung eines Passes ist u. a. die Vorlage eines Zeugnisses des Unternehmens, in dem der Paßanwärter beschäftigt ist, notwendig; „unerwünschte Elemente“ werden keine Pässe erhalten und gezwungen werden, binnen zehn Tagen ihren Aufenthalt auf Orte außerhalb der genannten Zonen zu verlegen. Man nimmt allgemein an, daß mehrere Hunderttausende Einwohner Moskaus, Leningrads und Charkows als ^gewesene Kulaken“, „verdächtige Elemente“, „Händler“ und „Lischenzes“ diese Städte werden verlassen müssen, auch wenn sie bei ihren Kindern leben, die in die Arbeitsfront bereits eingereiht sind. Man befürchtet, daß jüdische Einwohner als frühere Händler und Lischenzes zu Zehntausenden die genannten drei Städte werden verlassen müssen. 8819 Juden sind 1932 in Palästina eingewandert Jerusalem, 22. Januar. (JTA.) Wie das Einwanderungsbüro der Jewish Agency mitteilt, sind im Jahre 1932 8819 Juden in Palästina eingewandert, unter ihnen 3339, die als Touristen ins Land kamen und nachträglich von der Regierung die Erlaubnis erwirkten, dauernd im Lande zu verbleiben. Unter den jüdischen Einwanderern von 1932 befanden sich auch 892 sogenannte „Kapitalisten“, die sich über den Besitz privater Mittel ausweisen konnten; 491 dieser „Kapitalisten“ stammen aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Regenmangel Jerusalem, 20. Januar. (JTA.) Die Palästinaregierung hat eine Summe von 36 000 Pfund für Darlehen an Bauern zum Ankauf von Wintersaat bereitgestellt, nachdem sich die Lage der Landwirte infolge Regenmangels und trockener Winde, wodurch das Wintergetreide auf etwa 200 000 Dunam vernichtet wurde, verschlimmert hat. In wasserarmen Gebieten Palästinas wurden wiederum Bohrversuche mit amerikanischen Spezialmaschinen vorgenommen, die in beträchtlicher Tiefe genügende, in manchen Fällen sogar ausgiebige Wassermengen förderte. Diese Bohrversuche werden nun in einer Reihe von Kolonien fortgesetzt und man hofft, auf diese Weise bis zu einem gewissen Grade die Kolonisation des Landes vom Regenfall unabhängig zu machen. Lloyd George 70 Jahre Die Bedeutung, die Lloyd George für das Judentum und den Ziouismus hat, zeigt wohl am besten der Glückwunschbrief, den die Jewish Agency an den Jubilar sandte, es heißt darin: Indem ich Ihnen im Namen der Jewish Agency zu Ihrem 70. Geburtstag die wärmsten Wünsche für die Zukunft übermittle, bin ich mir bewußt, nicht allein für die Zionisten, sondern auch für die Juden in der ganzen Welt zu sprechen, die Ihnen von ganzem Herzen noch viele Jahre fruchtbringende Arbeit im Interesse des Fortschritts zu wünschen. Als Zionisten gedenken wir besonders Ihrer nie versiegenden Sympathie und Ihres stets bereiten Verständnisses für unsere Ziele, ferner Ihrer mutigen Befürwortung der Sache Palästinas in Zeiten, wo eine solche Befürwortung noch unpopulär und undankbar war. Oft wurde davon gesprochen, wie sehr das jüdische Volk es bedauert, seinen Freunden und Förderern keine Ehren und Auszeichnungen verleihen zu können. Im Bewußtsein dieses Mangels hoffen wir dennoch, daß Sie an Ihrem 70. Geburtstag mit Genugtuung daran denken werden, daß der Name, den Sie auf anderen — und bedeutenderen — Feldern berühmt gemacht haben, eng mit palästinensischem Boden verbunden ist: In dem kleinen Dorfe „Ramat David“ leben Juden und Jüdinnen unter der Sonne des Heiligen Landes und in der Freiheit ihres Nationalheims. Gemeinden- und Vereins-Echo Die Vorbereitungen für das Weekend im Pardess sind unter Leitung von Dipl.-Ing. Gustav Meyerstein in vollem Gang. Eine hervorragende Tanzkapelle und viele Überraschungen im Kabarett werden für Unterhaltung, ein koscheres Büffet für den Magen sorgen. Beim Schnellphotographen können sie sich abkonterfeien lassen. — Wir teilen zu unserem großen Vergnügen mit, daß der Vorverkauf zu dem Kostümfest ungewöhnlich stark eingesetzt hat. Zum sicher ‘ebenso großen Vergnügen der Leser geben wir bekannt, daß nicht nur orientalisch angehauchte Kostüme erwünscht sind, sondern daß die Kostümwahl der freien Fantasie jedes einzelnen überlassen bleibt. — Alles Nähere ist aus dem Inserat in dieser Nummer ersichtlich.