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Das jüdische Echo · 1933-01-27 · 4 (27.1.1933) · p. Seite 27

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
20 (1933)
Issue
4 (27.1.1933)
Date
1933-01-27
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 27 die Beurteilung, wer ein Randjude und wer ein Zentraljude ist, bei Kastein nicht in der Hand eines gerechten Richters liegt..Denn das erste hat Kastein nicht getan und daß er nicht richten, sondern aufrufen, den Willen stärken wollte Volljude zu sein, hat er nicht nur selbst betont, das haben seine Hörer auch gefühlt. Gegen den Kasteinschen Vortrag vollends seine Bücher und deren ablehnende Besprechungen von zionistischer Seite her ins Feld zu führen, wie es diese Besprechungdut,, ist offenbar unloynl. Der Vortrag kann nicht mit wissenschaftlichen Maßstäben gemessen werden — vielleicht wäre dies auch gegenüber den Büchern Kastei ns besser unterblieben; — einer sittlichen und religiösen Forderung, die in Aufrichtigkeit, Ernst und Verantwortungsbewußtsein erhoben wird, in dieser Art entgegenzuhalten, sie gehe von unrichtigen historischen Voraussetzungen aus, ist nicht nur Verständnislosigkeit, nicht nur Zeichen eines schlechten Gewissens, es ist wirklich ungerecht. Der Referent der Bayer. Israel. Gemeindezeitung gibt der Meinung Ausdruck, daß der Emil Ludwig der jüdischen Geschichte auch als Deuter der Gegenwart ein Literat geblieben sei, dem die glänzende Formulierung vor die geschichtliche Wahrheit ging — aus seinem zitatenreichen Referat kann man allerdings nur den Eindruck gewinnen, daß er weder die glänzenden Formulierungen noch die schlichte Wahrheit Kasteins gehört und verstanden hat. I. E. Das Mittel zur Bekämpfung des Antisemitismus (!) In einem Artikel zum Gedächtnis Wilhelm Försters In Nr. 52 der „C.-V.-Zeitung“ heißt es von der 1892 erfolgten Gründung der „Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur“ wörtlich:.Die Gesellschaft entstand in der Zeit vor der Gründung des Zentralvereins, als man in jüdischen und auch wohlmeinenden christlichen Kreisen verschiedene Versuche machte, des überbandnehmenden Antisemitismus Herr zu werden, ohne sich noch der rechten Mittel und Wege bewußt zu sein, die dann erst bei der Gründung des Zentralvereins gefunden wurden.“ Aus diesem Satze erfährt man so nebenbei, daß der Zentralverein die Mittel und Wege besitzt, „des überhandnehmenden Antisemitismus Herr zu werden.“ Es grenzt fast an Landesverrat, daß er das Zaubermittel für sich behält und den Antisemitismus von 1892 zu dem von 1932 anwachsen ließ. Aus der jüdischen Welt Erstes zentrales jüdisches Jugendheim in Berlin eröffnet Berlin, 23. Januar (JTA.) In den früheren Räumen des Hospitals in der Oranienburgerstraße hat die Jüdische Gemeinde zu Berlin das erste zentrale jüdische Jugendheim in Berlin errichtet. Am 21. Januar abends fand die feierliche Einweihung statt. Mitglieder des Gemeindevorstandes unter Führung des Vorsitzenden Direktor Dr. h. c. Wilhelm Klcemann, Repräsentanten, Leiter und Lehrer der Jüdischen Schulen, Vertreter fast aller jüdischen Jugendbünde und zahlreiche in der Jugendarbeit stehende Gemeindemitglieder wohnten der Feier bei. Das Heim umfaßt 12 verschiedene große, schön ausgestattete Räume, eine Kinderlesestube, in der eine Hortnerin beschäftigt sein wird, ein Musikzimmer und eine Badeeinrichtung für Hortkinder. Der Selbstverwaltung der Jugend unter Führung des aus der Jugendbewegung hervorgegangenen Heimleiters ist weiter Spielraum gewährt. Schwere antisemitische Ausschreitungen an der Berliner Universität Berlin, 17. Januar. (JTA.) Am Dienstag, dem 17. Januar, mittags, kam es an der Berliner Universität zu schweren Ausschreitungen nationalsozialistischer Studenten gegen jüdische Hörer. Die Hitlerstudenten hielten in der Elfuhrpause auf dem Hegelplatz eine Versammlung ab, der auch der SA-Sturm Artilleriestraße — alles in allem nicht ganz 200 Mann — beiwohnte. Die Aktion war als eine Ermutigung der Breslauer Nazistudenten gedacht. Eine Gruppe von 50 Nationalsozialisten drang in den Erfrischungsraum ein mit dem Ruf „Achtung, Achtung! In zwei Minuten haben hier alle Juden zu verschwinden!“ Sie warfen mit Stühlen und Gläsern nach jüdisch aussehenden Studenten. Drei jüdische Studentinnen und zwei Studenten wurden verletzt. Auf Eingreifen des Rektors trat die Ruhe wieder ein. Professor Eugen Mittwoch ehrenamtlicher Berater des Auswärtigen Amtes Berlin, 19. Januar. (JTA.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, ist Professor Eugen Mittwoch, der hervorragende Orientalist, zum ehrenamtlichen Berater in jüdisch-politischen Angelegenheiten beim Auswärtigen Amt ernannt worden; Professor Mittwoch wird demnach eine Arbeit fortsetzen, die bisher dem verstorbenen Professor Dr. Moritz Sobernheim oblag. Schwerer antisemitischer Überfall in Fulda Berlin, 19. Januar. (JTA.) Im Anschluß an eine von mehreren jüdischen Vereinigungen einberufene Veranstaltung in Fulda überfielen nationalsozialistische Trupps heimkehrende jüdische Passanten. Wie die „Fuldaer Zeitung“ berichtet, sollen die Nationalsozialisten sogar im Besitz von Gummiknüppeln gewesen sein. Unter den Geschlagenen befinden sich u. a. ein 70jähriger Rabbiner und der Vorsitzende der Fuldaer Ortsgruppe des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdisenen Glaubens. Allgemeines Wahlrecht, auch für Frauen, in der Wiener Jüdischen Gemeinde Wien, 20. Januar. (JTA.) Auf einer Vollsitzung des Vorstandes der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde wurde nach lebhafter Aussprache, in der Vertreter aller Parteien zu Worte kamen, eine von den Zionisten und den Poale-Zion-Hitachduth eingebrachter Dringlichkeitsantrag auf Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts für alle Juden Wiens beiderlei Geschlechts, bzw. auf sofortige Zuweisung dieses Antrages an die Statutenkommission zwecks Ausarbeitung darauf bezüglicher Gesetzesanträge mit großer Mehrheit angenommen. Für das allgemeine Wahlrecht stimmten Zionisten, Poale-Zion-Hitachduth. Radikale Zionisten, Misrachi und werktätige Juden. Dagegen stimmten bloß die Mandatare der „Union österreichischer Juden“. Der Antrag auf Einführung des allgemeinen Wahlrechts auch für Frauen wurde mit einer kleineren Majorität angenommen, da neben Unionisten auch Misrachisten und Werktätige gegen diesen Antrag gestimmt haben. Die „Union“ begründete ihre Gegnerschaft gegen das allgemeine Wahlrecht damit, daß sie in dessen Einführung eine Gefährdung des religiösen Cha-

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