Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 20 (1933)
- Issue
- 3 (20.1.1933)
- Date
- 1933-01-20
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 21 fand eine Makkabi-Kundgebung zu Ehren des von seiner Besitzung in Migdal soeben in Jerusalem eingetroffenen Ehrenpräsidenten des Makkabi, Lord Melchett, statt, zu der der Zustrom ein so starker war, daß Hunderte Personen draußen bleiben mußten. Palästinensische und englische Polizei sorgte für die Aufrechterhaltung der Ordnung. Am Sonntag Nachmittag fand zu Ehren Melchetts eine Makkabi- Parade unter freiem Himmel statt; die Freiluftsportspiele hatten ein hohes Niveau, Lady Melchett verteilte die Preise an die Sieger. Neue Bücher Martin Buber: Das Kommende. Untersuchungen zur Entstehungsgeschichte des Messianilchen Glau bens. Band I: Königtum Gottes. Berlin. Schocken- Verlag 1932. — Franz Rosenzweig hat einmal in einem Aufsatz „Das neue Denken“ die Werke aufgezählt, die ihm — gleich seinem Hauptwerk „Der Stern der Erlösung“ — als Zeugen einer Erneuerung des Denkens in seiner Zeit schon zu bestehen schienen. Hätte er es erlebt, er hätte Martin Bubers „Königtum Gottes“ als sichersten Ausdruck dieses neuen Denkens erklärt. Denn hier wird nicht nur aus einer bei unserem heutigen Spezialistentum fast unwahrscheinlichen und einzigartigen Beherrschung der weiten Gebiete der vergleichenden Religionswissenschaft und der leider fast immer noch ausschließlich von christlichen Theologen gepflegten Bibelwissenschaft des Alten Testaments die Glaubensvorstellung eines Volks Königtums Gottes als historisches für die frühe Geschichte Israels erwiesen; hier wird versucht — und das ist das Wesentliche — den Begriff des Biblisch-historischen in einem ganz neuen, wirklichkeitsnahen Sinne zu fassen. Und daß für die wissenschaftliche Betrachtung die Frage sich wirklich nur so stellen läßt, „ob Texte .. als geschichtsnah oder als geschichtsfern anzusehen sind, d. h. ob sie einer echten Geschichtstradition angehören, also einer aus dem — wie sehr auch mythisierenden — Bericht einer Begebenheit entstandenen Überlieferung, oder einer Überlieferungsfiktion theologisch-literarischer Herkunft“, hat Buber in diesem Werk strengster Forschung und tiefer, menschlicher Problemstellung wohl iedem um Fragen der Bildwissenschaft Bemühten nahe gebracht. r. r. g. Personalia In Rechtsanwalt Dr. Ernst Wilmersdoerffer, der vor kurzem im Alter von erst 42 Jahren ganz überraschend einer tückischen Krankheit erlegen ist, hat die jüdische Gemeinde München ein beruflich und wissenschaftlich hervorragend begabtes, in allen Kreisen geachtetes Mitglied verloren. In den letzten Jahren brachte Dr. Wilmersdoerffer, der von 1929—1932 auch die Funktion des 1. Vorsitzenden der Gemeindevertretung ausübte und sich dabei die volle Anerkennung aller Fraktionen erwarb, namentlich auch den Palästinafragen großes Interesse entgegen; als Mitglied der hiesigen Ortsgruppe der Jewish Agency nahm er regen Anteil an dein von ihr ausgehenden Veranstaltungen und stellte sich ihr wiederholt zu Aktionen zur Verfügung. Mit seiner Familie betrauert ein weiter Kreis von Freunden einen unersetzlichen Verlust. Gemeinden- und Vereins-Echo Dr. Nahum Goldmann der bekannte zionistische Politiker und Publizist konnte von der zionistischen Ortsgruppe zu einem Vortrag gewonnen werden, der Samstag, den 21. Januar im Kunstgewerbesaal, Pfandhausstraße, 8.15 Uhr, stattfindet. Nahum Goldmann, dessen Auftreten auf dem jüdischen Weltkongreß in Genf noch in Erinnerung ist, wird über das jüdische Volk in der Weltkrise sprechen. Man geht wohl nicht fehl, wenn man sich vom Vortrag Goldmanns einen ganz besonderen Eindruck verspricht. Eintritt für Erwachsene RM. —.50, Jugendliche RM. —.30. Der Jüdische National-Fonds. München veranstaltet am Sonntag, dem 5. Februar, im Regina Palast Hotel ein großes Kostümfest unter dem Motto; Weekend imPardess. Sie wissen doch, was Pardess ist? Nicht etwa ein Druckfehler, sondern ein Orangen-Hain in Palästina. Erwünscht sind deshalb alle Arten von orientalischen sowie in den Rahmen passenden Kostümen. Kostümberatung auf Wunsch im Büro, Herzog-Rudolf-Straße 1. Das Programm wird erst in der nächsten Nummer verraten. Oneg Schabbath, München Samstag, den 21. Januar, findet keine allgemeine Messibah statt. Samstag, den 28. ds., nachmittags 4.15 Uhr im Lessingsaal, hält Herr Dr. Alfred Fraenkel einen Vortrag über das Thema: „Der Chassidismus und seine Gegner“. Gäste sind herzlich willkommen. Für die geplante Aufführung des Stückes „Die einzige Lösung“ werden noch eine Reihe von Mitgliedern für Chor und Soloszenen benötigt. Jeder, der Lust hat sich zu beteiligen, wird gebeten, am Samstag, dem 21. Januar,3Uhr, im Jugendheim zu sein. Auch alle diejenigen, die bereits Rollen übernommen haben, werden gebeten zu dieser Besprechung zu erscheinen. Kinderfest. So viele glänzende Kinderaugen, solche Scharen froher Kinder wie am \etzten Sonntag, hat man wohl selten im Cherubin-Saal gesehen. Die Jüdische Frauengemeinschaft hatte zusammen mit dem Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina zu einem Kinderfest geladen, welches in allen Stücken ein ganzer Erfolg war. In großer Zahl waren die Kinder mit ihren Eltern gekommen. Die Veranstalterinnen hatten es verstanden, das Ganze völlig auf das Kinderinteresse abzustellen. Alles wurde von Kindern und für Kinder gemacht. Mit einem lustigen Prolog, von Frau Dr. Eliasberg verfaßt, begrüßte der kleine Josef Web die Erschienenen und sofort war eine freudige Stimmung hergestellt. Dann wurde unter Leitung von Fräulein Fanneri Weil Haydns Kinder-Symphonie ausgezeichnet gespielt. Ein Glanzstück des Festes bildete das „Puppenspiel von Adam und Eva“. In einer Reihe lustiger Szenen wurden Adam und Eva bis zur Vertreibung aus dem Paradies vorgeführt. Die kindlich einprägsame Sprache des von Frau Dr. Rahel Strauß verfaßten Textes, die prächtigen Bilder und Figuren von den Geschwistern Rosenthal geschaffen, die auch die Aufführung besorgten, stimmten aufs Beste zusammen und das Ganze wurde von den Zuhörern, — natürlich besonders den Kleinen — mit Spannung und lebhaftem Beifall aufgenommen. Dann leitete ein „Orangenlied“, in welchem das Lob der Palästinaorange gesungen wurde, zur Pause über. Da gab es etwa eine Stunde lang ein lustiges Treiben um Krabbelsack,