Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 20 (1933)
- Issue
- 3 (20.1.1933)
- Date
- 1933-01-20
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Das Jüdische Echo Nr. 3 gegangenen Ereignissen kümmerlich genug aus. Und schon zeigt auch das Verhalten der Studenten in Breslau und Berlin, daß sie noch immer nicht glauben, es könnte auch einmal eine Instanz den Mut besitzen ihnen energisch gegenüberzutreten. Aus der jüdischen Welt Öffentliche Boykottpropaganda gegen jüdische Geschäfte in Deutschland verboten Berlin, 13. (JTA.). Der Reichsminister des Innern Dr. Bracht hat den Landesregierungen eine Mitteilung zugehen lassen über Maßnahmen gegen die immer mehr auftretenden Fälle von Boykott gegen bestimmte Geschäfte oder bestimmte Gattungen von Geschäften. Da es sich hierbei um Boykott aus politischen oder weltanschaulichen Gründen handle, der teilweise Formen angenommen hat, die über eine geschäftliche Schädigung der Betreffenden hinaus eine Störung der Ruhe und Ordnung mit sich brächten, hat der Reichsminister die Länder darauf hingewiesen, daß gegen solche Störungen der öffentlichen Ordnung die Polizei auf Grund ihrer allgemeinen Befugnisse zum Einschreiten berechtigt und verpflichtet ist. Adolph Goldschmidt‘s 70. Geburtstag Berlin, 15. Januar (JTA.) Am 15. Januar wurde Geheimrat Professor Dr. Adolph Goldschmidt, der langjährige Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität Berlin, 70 Jahre. Er wurde in Hamburg geboren und lehrte an den Universitäten Berlin und Halle, zuletzt als Nachfolger Wölfflins wieder in Berlin, wo er 1929 emeritiert wurde. Er gilt als einer der bedeutendsten Kenner mittelalterlicher Kunst in Deutschland und hat eine große Zahl von Kunsthistorikern ausgebildet, von denen manche Museumsleiter oder Hochschullehrer von Rang, manche wieder angesehene Kunstschriftsteller geworden sind. Die Winter-Makkabiade in Zakopane Berlin, 11. Januar (JTA.) Über die Winter- Makkabiade, die vom 2. bis 5. Februar in Zakopane (Polen) stattfindet und eine Fortsetzung der Frühjahrs-Makkabiade von 1932 in Tel Awiw darstellt, wird mitgeteilt, daß schon viele Länder, in denen Zweige des Makkabi-Weltverbandes bestehen, ihre Meldungen abgegeben haben. Die genaue Zahl der deutschen Teilnehmer steht noch nicht fest. Zahlenmäßig am stärksten wird Polen vertreten sein, gleich dahinter wird die Tschechoslowakei rangieren. Aus Österreich kommen Skiläufer und eine Eishockeymannschaft, aus Rumänien und Ungarn Kunstläufer. Auch Schweden, Dänemark, Finnland, Lettland, U. S. A. und Kanada haben Meldungen abgegeben. Große Leistungen erwartet man von den Makkabi-Leuten aus Trondhjem (Norwegen), die im Skilauf bereits Spitzenleistungen vollbrachten. Palästinareise deutscher Chaluzim Berlin, Januar. (JTA.) Hunderte Mitglieder der zionistischen Bünde brachten die ersten Chaluzim der neuen Alijah zum Triester Zug. Der Bahnsteig voll von froh erregter Jugend, hebräische Lieder, eine Horrah, Zurufe, Tücherschwenken, freudige Tränen: 17 strahlende Menschen fahren nach Erez Israel, in München schlossen sich ihnen weitere 12 an — auf den Weg zu Arbeit und Freiheit im eigenen Land. Handwerkerfamilien in Danzig und Polen in ihrer Existenz bedroht Danzig, 15. Januar (JTA.) Mehr als 400 im Territorium des Freistaates Danzig ansäßige Handwerker-Familien aus Polen mit über 2000 Seelen, in der Mehrzahl Juden, sind dadurch in eine verzweifelte Lage geraten, daß das Danziger Polizeipräsidium eine Bestimmung getroffen hat, daß nur solche Handwerker ein Recht haben, ihr Gewerbe auszuüben, die bis zum Jahre 1926 ihre Handwerkerpatente bekommen haben. Das Polizeipräsidium beruft sich darauf, daß 1926 das Patentgesetz in Polen in Geltung gekommen ist, und zieht nicht in Betracht, daß die betroffenen Handwerker erst nach dem Jahre 19026 sich in Danzig angesiedelt haben. Auf eine Eingabe der in ihrer Existenz bedrohten 400 Handwerker befaßt sich das Danziger Verwaltungsgericht gegenwärtig mit dem Fall Warschau, Januar. (JTA.) Am 31. Dezember 1932, dem letzten Termin für Anschaffung von „Gewerbepatenten“ für das Jahr 1933, hatten erst 50 Prozent der jüdischen Kaufleute und Handwerker Polens die Gebühren für die Patente erlegt. Von den übrigen 50 Prozent wird angenommen, daß sie die Gebühren für die Patente nicht aufbringen konnten und deshalb auf die Ausübung des Gewerbes verzichten müssen. Im vergangenen Jahr noch konnten 90 Prozent der Kaufleute und Handwerker die Gebühren für die Patente erlegen. Es ist eine Aktion im Zuge, um die Regierung zu bewegen, die Gebühren für die Patente herabzusetzen, damit wenigstens ein Teil der verarmten Kaufleute und Handwerker seinen Berufen auch weiterhin nachgehen könne. Das neue Präsidium der Wiener Kultusgemeinde Wien, 10. Januar. (JTA.) Die Konstituierung des neugewählten Vorstandes der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde ergab das folgende Resultat: Zum Präsidenten der Gemeinde wurde Dr. Desider Friedmann (Zionist), zu Vizepräsidenten Dr. Josef Löwenherz (Zionist) und Dr. Jakob Ornstein (Union österr. Juden) gewählt. Ins Vertreterkollegium wurden gewählt: vier Unionisten und Werktätige, vier Zionisten, davon zwei Revisionisten und ein Poalezionist. Da auch das Präsidium dem Vertreterkollegium angehört, so haben die Zionisten auch in diesem bestimmenden Gremium die Majorität. Die Wahl der Kommissionen wird erst in der nächsten Sitzung vorgenommen werden, da in der Besetzung der Obmannstellen jetzt noch unüberbrückbare Gegensätze zwischen Union und Zionisten bestehen. Der Kampf geht insbesondere um die Schulkommission, deren Vorsitz die Uniou für sich in Anspruch nimmt. Im allgemeinen läßt der Verlauf der Konstituierung eine gute Zusammenarbeit zwischen der neuen Mehrheit und der neuen Opposition erhoffen. Wieder ein Jude zum Hilfssekretär des High Commissioner ernannt Jerusalem, 8. Januar. (JTA.) Julius Jacobs, im Kriege Offizier im jüdischen Bataillon und zuletzt Distriktsoffizier in Jerusalem, ist zum Hilfssekretär des High Commissioner ernannt worden. Neben Nurok ist er das zweite jüdische Mitglied des Chefsekretariats der Palästinaregierung. Makkabi-Parade zu Ehren Lord Melchetts in Jerusalem Jerusalem, 15. Januar (JTA). Im Saale des Edisons-Theaters, dem größten Saale Jerusalems,