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Das jüdische Echo · 1933-01-20 · 3 (20.1.1933) · p. Seite 18

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
20 (1933)
Issue
3 (20.1.1933)
Date
1933-01-20
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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18 Das Jüdische Echo Nr. 3 sachlichen Gesichtspunkten unter Ausschaltung politischer Gegensätzlichkeiten. Nachdem ein gut geschulter Chor der Ncuendorf- Insassen Arbeitslieder in hebräischer und deutscher Sprache vorgetragen hatte, hielt einer der Jungen im Namen der Heimgemeinschaft eine Ansprache an die Gäste, aus der die quälende Frage hervordrang: „Was kommt nach den 20 Wochen? Sollen wir wieder zurück in das beschäftigungslose Herumlungern in den Stempelsteilen? Oder sollte der, der noch das Glück hat, ein Elternhaus zu besitzen, zu den alten Eltern zurückkehren, denen es selbst an dem Notwendigsten zum Leben mangelt? Der Sprecher teilte mit, daß sich bereits ein „Verein früherer Neuendorfer“ gebildet hat, dessen Ziel es ist, den entlassenen Neuendorfern Arbeitsgelegenheit zu verschaffen. Er appellierte an die im jüdischen Leben stehenden Persönlichkeiten, diesem Verein als Ehrenmitglieder beizutreten und ihm zu helfen, die Neuendorfer in geregelten Arbeitsstätten unterzubringen. Er schloß mit dem Appell: „Vergessen Sie uns nicht, verschaffen Sie uns Arbeit!“ Diesen Ruf nach Arbeit unterstützte Pastor Braune, der seine Ausführungen mit Bibelzitaten über den Segen der Arbeit in hebräisch begann und den Wunsch aussprach, daß von Neuendorf die Brücke zu einer geregelten jüdischen Siedlung geschlagen werden möge. Zum Schluß sprach Wilhelm Graetz im Namen des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin den Wunsch aus, daß dieses Werk das Prinzip jüdischer Arbeit und jüdischen Bauens bekräftigen möge. Das Judentum war seit seinem Bestände eine Gemeinschaft der Arbeit, es wurde aber Epochen hindurch künstlich von werktätiger Arbeit zurückgehalten. Heute findet es, durch die Not der Zeit gezwungen, zu werktätiger Arbeit zurück. Die Jüdische Gemeinde wird, was sie Vermag, tun, mm aas Werk der Arbeitshilfe zu unterstützen zum Besten des Judentums und des deutschen Vaterlandes. Alfred Berger nahm diese Bereiterklärung des Vertreters der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands zur Mitarbeit mit Freude zur Kenntnis und sprach auch dem anwesenden Leiter der Arbeiterfürsorge der Gemeinde S. Adler-Rudel für die Mitwirkung am Werke den Dank ans. Deutsche Revisionisten gegen den Spruch des Ehrengerichts Für Fortsetzung der „selbständigen Politik“ der Revisionisten-Union Wie wir schon berichteten, fand am 8. Januar in Berlin eine Tagung der Zionisten-Revisionisten Deutschlands statt, bei der 27 Delegierte anwesend waren. Diese Tagung verdient insofern ein weiterreichendes Interesse, als es die erste revisionistische Zusammenkunft nach Verkündigung des Urteils des zionistischen Ehrengerichts war, das am 6. Januar verfügt hatte, daß der zionistische Sonderverband der Zionisten-Revisionisten suspendiert werde und zugleich den Antrag stellte, diesen Sonderverband aufzulösen. Aus der Sprache der Paragraphen übersetzt, bedeutet dieses Urteil, daß die in der Zionistischen Organisation verbliebenen Revisionisten sich der Disziplin der zionistischen Instanzen zu fügen haben und an einer von der Jewish Agency nicht gebilligten Sonderpolitik nicht teilnehmen dürfen. Die in der Zionistischen Organisation verbliebenen Revisionisten stehen jetzt vor der Frage, ob sie diesem Urteilsspruch des Ehrengerichts Rechnung tragen und ihr Verhalten innerhalb der revisionistischen Union danach einrichten wollen. Die „revisionistische Union“ als solche ist bekanntlich keine zionistische Körperschaft, sondern besteht aus Zionisten (Schekelzahlern) und Nichtzionisten (Nicht-Schekelzahlern). In ihren eigenen Reihen bestehen starke Gegensätze zwischen der von Jabotinsky geführten Gruppe, die eine völlige Loslösung von der Zionistischen Organisation anstrebt, und der von Großmann und Stricker geführten Gruppe, die in der Zionistischen Organisation verblieben ist, dort einen „Sonderverband“ bilden will und sich für eine Rückkehr des gesamten Revisionismus in die Zionistische Organisation einsetzt. Eine Sonderstellung nimmt Richard Lichtheim ein, der anläßlich der letzten revisionistischen Weltkonferenz in Wien aus der Leitung des Weltverbandes ausgeschieden ist und auch das Amt des Vorsitzenden des deutschen Landesverbandes niedergelegt hat, weil er die Beschlüsse dieser Konferenz in bezug auf das Verhältnis zwischen Revisionisten und Zionistischer O rg a ni s a t i o n m i ßb i 111 g t. Auch auf der Berliner Tagung am 8. Januar scheinen diese Gegensätze zum Ausdruck gekommen zu sein. Nach unseren Informationen wünscht die Mehrheit der deutschen Revisionisten in der Zionistischen Organisation zu verbleiben. Dennoch ist der Beschluß, der von der Konferenz gefaßt wurde, eine direkte Kampfansage an die Zionistische Organisation und steht in offenem Widerspruch zu dem Urteil des zionistischen Ehrengerichts. Die Resolution lautet: „Der Delegiertentag der deutschen Revisionisten, zusammengesetzt aus Vertretern aller Schattierungen des Revisionismus, gibt erneut dem Willen Ausdruck, daß die revisionistische Weltunion ihre selbständige Tätigkeit auf dem politischen Gebiet, sowie auf allen anderen Gebieten des Judenstaats-Zionismus unter allen Umständen fortsetzt. Er fordert deshalb in erster Linie die Übersiedlung des Exekutivkomitees der Weltunion nach Genf und die Durchführung der Petition.“ Die Resolution wurde gegen vier Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Jabotinsky selbst war zu der Konferenz nach Berlin gekommen und scheint all seine Beredsamkeit aufgewogen zu haben, um bei den deutschen Revisionisten seine Richtung durchzusetzen. Der Bericht der JTA. gibt einen Teil der Rede Jabotinskys wieder, wonach er u. a. gesagt hat: „Als objektiver Zuschauer halte ich das Urteil des zionistischen Ehrengerichts für ungerecht und statutenwidrig. Natürlich die Union der Zionisten- Revisionisten geht dieses Urteil überhaupt nichts an; die Union ist eine souveräne Körperschaft. Sie schließt aber viele Mitglieder ein, die zugleich Schekelzahler der Z. 0. sind. Und an diese ist durch jenes Urteil die Aufforderung gestellt worden, auf jede Beteiligung an der selbständigen politischen Tätigkeit der Union zu verzichten. Daher bin ich heute hierher gekommen, um Euch zu fragen: kann die Union bei ihren politischen Aktionen, auch nach dem Urteil des Ehrengerichtes, auf die aktive Leistung aller ihrer Mitglieder rechnen? Das ist die Frage, die ich an diese Konferenz stelle. An den Parteirat, der sich Ende Februar versammeln soll, werde ich eine weitere Frage stellen: Was ist jetzt, nach der in Wien erfolgten Bestätigung der Calais- Beschlüsse, die Natur und die Aufgabe unserer Union? Es gibt darüber zwei Auffassungen: die eine: daß die Hauptaufgabe der Union in der Einwirkung auf die Z. 0. bestehe, selbständige Aktion

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